Pallade Veneta - Schwere russische Angriffe auf Kiew am Vortag von Nato-Gipfel

Schwere russische Angriffe auf Kiew am Vortag von Nato-Gipfel


Schwere russische Angriffe auf Kiew am Vortag von Nato-Gipfel
Schwere russische Angriffe auf Kiew am Vortag von Nato-Gipfel / Foto: Serhii Okunev - AFP

Einen Tag vor Beginn des Nato-Gipfels im türkischen Ankara hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew mit hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. Bei dem Angriff in der Nacht zum Montag wurden nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die Nato auf, bei ihrem Gipfel "starke Entscheidungen" zur Unterstützung seines Landes zu treffen. US-Präsident Donald Trump will in Ankara mit Selenskyj zusammentreffen.

Textgröße ändern:

Nach Selenskyjs Angaben griff die russische Armee die Region Kiew mit 68 Raketen und 351 Drohnen an. Etwa 60 Menschen wurden demnach verletzt. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten zahlreiche Explosionen. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko war die Luftabwehr im Einsatz. Etwa 30 Wohngebäude wurden nach Behördenangaben getroffen, bei einem mehrstöckigen Wohnhaus wurden die oberen Etagen weggerissen.

Nach den Worten von Militärverwaltungschef Tymur Tkatschenko gerieten mindestens vier Wohngebäude in Brand. Noch Stunden nach dem Angriff suchten Einsatzkräfte in den Trümmern nach möglichen Verschütteten.

Im Kiewer Vorort Wyschnewe wurden Bewohner wegen möglicherweise nicht detonierter Munition in Sicherheit gebracht. Im Kiewer Bezirk Podilsky berichtete ein Anwohner, gegen 01.30 Uhr Ortszeit habe es einen "mächtigen" Angriff in mehreren Wellen gegeben. Sämtliche Fensterscheiben eines Hauses seien durch die Wucht der Detonation zersplittert und herausgefallen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe einen "schweren Angriff" mit Raketen und Drohnen ausgeführt. Ziel seien "militärindustrielle Unternehmen" sowie Energie- und Kraftstoffanlagen in mehreren Regionen der Ukraine gewesen. Es handelte sich bereits um den zweiten schweren Angriff auf Kiew binnen wenigen Tagen. Erst am Donnerstag waren mehr als 30 Menschen bei einem Angriff auf die ukrainische Hauptstadt getötet worden.

Nach Angaben Selenskyjs fing die ukrainische Armee mehrere russische Drohnen und Marschflugkörper ab. Die Streitkräfte hätten allerdings nur einen "unzureichenden Vorrat an Abfangraketen", um ballistische Raketen zu zerstören.

Vor dem am Dienstag beginnenden Nato-Gipfel rief Selenskyj die Verbündeten auf, in Ankara "starke Entscheidungen" zur Unterstützung seines Landes zu treffen. "Allen voran" die USA und die Europäer sollten bei dem Gipfel Beschlüsse zur weiteren Unterstützung der ukrainischen Luftverteidigung fassen, forderte er. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte im Onlinedienst X, die Ukraine brauche "dringend mehr Luftverteidigung". Zudem müsse der Druck auf Moskau steigen, "bis Russland das Blutbad beendet".

Der Nato-Gipfel findet am Dienstag und Mittwoch in Ankara statt. Erwartet werden die Staats- und Regierungschefs der 32 Nato-Staaten, darunter US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Eines der wichtigsten Themen ist die Unterstützung der Ukraine.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses kündigte für Mittwoch ein Treffen zwischen Trump und Selenskyj am Rande des Gipfels an. Dabei soll es nach Angaben eines ranghohen US-Regierungsvertreters um Möglichkeiten zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine gehen. Im Anschluss werde sich Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin austauschen. Trump hatte am Samstag sowohl mit Putin als auch mit Selenskyj telefoniert.

Die von den USA vermittelten Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Kriegs sind durch den Iran-Krieg in den Hintergrund geraten. Trump und Selenskyj waren zuletzt im Juni beim G7-Gipfel in Frankreich zusammengetroffen. Dort hatten sich die G7-Staats- und Regierungschefs auf verstärkten Druck auf Russland verständigt.

Russland überzieht die Ukraine seit fast viereinhalb Jahren mit Raketen- und Drohnenangriffen. Zuletzt hatte die ukrainische Armee ihre Gegenangriffe auf Russland verstärkt und dabei Raffinerien und Öllager ins Visier genommen, was zu Treibstoffengpässen im Land führte.

Die russische Armee erklärte, sie habe in der Nacht zu Montag mehr als 500 ukrainische Drohnen in rund 20 Regionen des Landes abgefangen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach gegenüber dem Sender Max von mehreren abgefangenen Drohnenwellen, die auf die russische Hauptstadt zusteuerten.

Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wurde nach Behördenangaben eine Frau bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden. In der Stadt Sewastopol fiel vorübergehend der Strom aus.

L.Bufalini--PV

Empfohlen

Zusammenstöße zwischen Polizei und Rechtsradikalen in Den Haag

Im niederländischen Den Haag ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und hunderten Rechtsradikalen gekommen. Trotz eines Verbots zogen am Samstag rund 500 Demonstranten durch das Stadtzentrum, skandierten antisemitische Parolen und attackierten die Beamten mit Feuerwerk und Wurfgeschossen. Es gab mehrere Festnahmen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

US-Abkommen mit Dänemark zu Grönland wird von jeder Seite als Erfolg verbucht

Die Einigung zwischen den USA und Dänemark zur Sicherheit Grönlands hat jede Seite für sich als Erfolg verbucht. Die Vereinbarung sei "gut für die Nato und für Europa", erklärte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am späten Freitagabend. US-Präsident Donald Trump betonte seinerseits, die Vereinbarung über die Zukunft der autonomen dänischen Arktisinsel übertrage die "dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland" an Washington. Um die Zukunft Grönlands hatte es lange ein erbittertes Ringen mit Drohungen von Trumps Seite gegeben.

Trump setzt neues Sanktionspaket gegen Russland in Kraft

US-Präsident Donald Trump hat verschärfte Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt. Er unterzeichnete am Freitag ein nach langen Verhandlungen vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das den Druck auf Russland zur Beendigung des Ukraine-Kriegs erhöhen soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Trump für das Sanktionspaket, aus Moskau kamen neue Drohungen.

Parlamentswahl: Russland meldet Cyberangriff auf elektronisches Wahlsystem

Am zweiten Tag der Parlamentswahl in Russland ist das elektronische Wahlsystem in Moskau nach Behördenangaben Ziel eines Cyberangriffs geworden. In der Nacht zu Samstag sei das System in der Hauptstadt "einer massiven und anhaltenden Attacke" ausgesetzt gewesen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa. Die Lage sei jedoch "unter Kontrolle", versicherte sie. Die Sicherheit des Systems gewährleiste weiterhin eine elektronische Stimmabgabe.

Textgröße ändern: