Pallade Veneta - Aufgehobene Sperre für US-Stürmer: Trumps Anruf bei Infantino löst WM-Skandal aus

Aufgehobene Sperre für US-Stürmer: Trumps Anruf bei Infantino löst WM-Skandal aus


Aufgehobene Sperre für US-Stürmer: Trumps Anruf bei Infantino löst WM-Skandal aus
Aufgehobene Sperre für US-Stürmer: Trumps Anruf bei Infantino löst WM-Skandal aus / Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS - AFP/Archiv

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Einmischung in die Fußball-Weltmeisterschaft einen beispiellosen Skandal ausgelöst. Trump bestätigte am Montag, dass er Fifa-Chef Gianni Infantino persönlich um die Aufhebung der roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun gebeten hatte. Trumps Intervention und die Aufhebung der Spielsperre für Balogun lösten international Empörung aus. DFB-Präsident Bernd Neuendorf drängte die Fifa zu einer Klarstellung.

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Trump sagte in Washington, er habe Infantino telefonisch gebeten, die Sperre für Balogun zu überprüfen. "Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht denke, dass es ein Foul war", sagte der Präsident. Trump sprach von einer "schrecklichen Entscheidung" des Schiedsrichters. Er habe dem Chef des Weltfußballverbands aber nicht gesagt, was er tun solle.

Infantino erklärte seinerseits, er habe Trump in dem Gespräch auf die Unabhängigkeit des Fifa-Disziplinarkomitees hingewiesen. "Ich habe erklärt, dass ein laufendes rechtliches Verfahren unter Einbeziehung der unabhängigen Rechtsinstanzen der Fifa besteht und dass der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Stellen entschieden wird", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme Infantinos.

Trump und Infantino äußerten sich wenige Stunden vor dem Achtelfinale der USA gegen Belgien am Montagabend (Ortszeit; Dienstag 0.200 Uhr MESZ) in Seattle. Aufgrund der Fifa-Entscheidung konnte das US-Team die Partie nun mit Balogun bestreiten. Der 25-Jährige vom Erstligaklub AS Monaco ist mit bislang drei Turniertreffern bester Torschütze seiner Mannschaft.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Neuendorf, sagte dazu: "Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden." Auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) forderte Aufklärung: "Ich finde ja, dass Politik sich raushalten sollte aus Schiedsrichterentscheidungen, aber das muss die Fifa jetzt aufklären und transparent machen, ob es da wirklich Einfluss gegeben hat."

Der belgische Fußballverband legte Einspruch gegen die Aufhebung von Baloguns Sperre ein. Die Fifa habe "nicht die geringste Erklärung" in dem Fall abgegeben, kritisierte der Verband. Belgiens Trainer Rudi Garcia hatte gesagt, er habe zunächst an einen Aprilscherz gedacht.

Balogun war am Mittwoch im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Tritt auf den Knöchel seines Gegenspielers Tarik Muharemovic des Feldes verwiesen worden. Eine rote Karte zieht nach den Fifa-Regeln automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich, ein Einspruch dagegen ist nicht möglich. Die Fifa setzte Baloguns Spielsperre jedoch am Sonntag zur Bewährung aus, ohne diese Entscheidung zu erläutern.

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich fassungslos. "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben - das ist verrückt, das stellt alles infrage", sagte Klopp MagentaTV. Empört fügte er hinzu: "Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."

"Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt", sagte der frühere Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans E. Lorenz, dem "Kicker". "Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen. Es wird größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen."

Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare sagte dem SID: "Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den Fifa-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs."

Das enge Verhältnis zwischen Trump und Infantino hatte bereits vor der Fußball-WM scharfe Kritik ausgelöst. Kurz vor Weihnachten hatte der Fifa-Chef Trump einen selbst erfundenen Fifa-"Friedenspreis" überreicht - gewissermaßen als Trost dafür, dass er nicht den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Bereits in Trumps erster Amtszeit hatte Infantino ihm 2018 im Oval Office eine rote Karte überreicht - damit der Präsident nach Belieben "jemanden rauswerfen" könne.

Im Fall Balogun verwies die Fifa auf Artikel 27 ihres Disziplinarkatalogs, der besagt, dass eine Strafe für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Von dieser Regelung hatte Portugals Superstar Cristiano Ronaldo profitiert, nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden war.

Die US-Mannschaft begrüßte die Fifa-Entscheidung. "Das gibt uns natürlich einen Schub", sagte Stürmer Christian Pulisic laut "The Athletic". "Es ist eine faire Entscheidung, denn es hätte niemals eine rote Karte geben dürfen", sagte Trainer Mauricio Pochettino. Die Strafe sei für ein unbeabsichtigtes Foul "zu hart".

O.Pileggi--PV

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