Pallade Veneta - "Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor

"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor


"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor
"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor / Foto: John MACDOUGALL - AFP

"Wir liefern": Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine positive Zwischenbilanz seiner Regierung gezogen - die Opposition ließ dagegen kein gutes Haar an der Reformpolitik der Koalition. "Es ist sehr viel geschehen in diesem ersten Jahr, das für unser Land einen wirklichen Aufbruch bedeutet", sagte Merz am Donnerstag im Bundestag. Die AfD warf dem Kanzler eine gescheiterte Reformpolitik vor, Grüne und Linke sprachen von einer Politik der sozialen Kälte.

Textgröße ändern:

Die schwarz-rote Koalition habe sich "als Regierung der Erneuerung auf den Weg" gemacht, sagte Merz in einer Regierungserklärung. Sein Ziel sei "ein wirtschaftlich starkes, sozial gerechtes und nach innen wie nach außen verteidigungsfähiges Deutschland", führte der Kanzler aus. "Wir liefern, was es dazu braucht."

Radikale Kräfte wollten hingegen "das Land schlechtreden", sagte Merz. "Die Antworten radikaler Parteien, ob nun von links oder von rechts, mögen verführerisch klingen. Aber sie gestalten nicht, sie zerstören. Sie spalten unser Land."

Vernichtend fiel dagegen das Urteil der Opposition nach 14 Monaten Merz-Regierung aus. Grünen-Ko-Fraktionschefin Katharina Dröge warf dem Kanzler eine von Misstrauen gegenüber den Bürgern geprägte Politik der sozialen Kälte vor. "Man kann nicht ein Land regieren, wenn man die Leute ständig als Trickser, Täuscher und Faulenzer bezeichnet", sagte Dröge in der Debatte. Statt etwa das Dienstwagenprivileg zu streichen, kürze die Regierung beim Eltern- und beim Wohngeld sowie beim Kindersofortzuschlag.

Eine Politik auf Kosten der sozial Schwachen warf auch Linken- Fraktionschefin Heidi Reichinnek dem Kanzler vor. Sie kritisierte unter anderem die Pläne für die Reform des Gesundheitssystems, für die Ausweitung befristeter Arbeitsverhältnisse, ein höheres Renteneintrittsalter oder die Verringerung der Bezugsdauer beim Elterngeld. "Ihre Regierungszeit bestand bisher daraus, den Menschen immer wieder vorzuwerfen, dass sie nicht hart und lang genug arbeiten, zuzusehen, wie die Preise explodieren, und die Axt an den Sozialstaat zu legen."

AfD-Ko-Fraktionschefin Alice Weidel bescheinigte Merz: "Sie hinterlassen denen einen Trümmerhaufen, die nach Ihnen kommen." Die Lage im Land sei "desaströs". Die Autoindustrie sei im Niedergang, die "Deindustrialisierung" gerate zur "Massenflucht". Mit ihrer Haushaltspolitik sprenge die Regierung "alle Grenzen von Ausgabenwut und Schuldenmacherei", kritisierte Weidel. AfD-Ko-Fraktionschef Tino Chrupalla sagte, die schwarz-rote Koalition investiere "lieber in Panzer statt in Kinder".

Bei der Umsetzung des Reformkurses bat Merz um Geduld. Denn bei den nun angegangenen Reformen etwa der Sozialsysteme gehe es um "Probleme, die zum Teil jahrzehntelang in Deutschland ungelöst liegen geblieben sind". Der Kanzler sah gleichzeitig "ermutigende Zeichen", dass sich die wirtschaftliche Lage bessere. So steige die Produktion und der Auftragsbestand bei den Unternehmen in Deutschland kontinuierlich an.

Die Fraktionschefs von Union und SPD, Jens Spahn und Matthias Miersch, verteidigten die geplanten Einschnitte im Rahmen der Sozialreformen. "Bittere, harte Entscheidungen" bei Wohngeld, Elterngeld oder Förderprogrammen träfen die Betroffenen hart, sagte Spahn. "Aber sparen ohne zu sparen, das geht halt leider auch nicht".

Auch Miersch räumte ein, dass Schwarz-Rot mit den Reformen im Gesundheits- und Sozialbereich auf viele Widerstände stößt. "Wir legen uns nicht mit fast allen Interessensgruppen in diesem Land an, weil wir darauf Lust haben", sagte Miersch mit Blick auf die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. "Unser Ziel ist es, dass wir eine Beitragsstabilität bekommen, weil es sonst viele Menschen treffen würde, die genau unter diesen Beitragsstärkungen leiden."

L.Barone--PV

Empfohlen

Zusammenstöße zwischen Polizei und Rechtsradikalen in Den Haag

Im niederländischen Den Haag ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und hunderten Rechtsradikalen gekommen. Trotz eines Verbots zogen am Samstag rund 500 Demonstranten durch das Stadtzentrum, skandierten antisemitische Parolen und attackierten die Beamten mit Feuerwerk und Wurfgeschossen. Es gab mehrere Festnahmen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

US-Abkommen mit Dänemark zu Grönland wird von jeder Seite als Erfolg verbucht

Die Einigung zwischen den USA und Dänemark zur Sicherheit Grönlands hat jede Seite für sich als Erfolg verbucht. Die Vereinbarung sei "gut für die Nato und für Europa", erklärte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am späten Freitagabend. US-Präsident Donald Trump betonte seinerseits, die Vereinbarung über die Zukunft der autonomen dänischen Arktisinsel übertrage die "dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland" an Washington. Um die Zukunft Grönlands hatte es lange ein erbittertes Ringen mit Drohungen von Trumps Seite gegeben.

Trump setzt neues Sanktionspaket gegen Russland in Kraft

US-Präsident Donald Trump hat verschärfte Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt. Er unterzeichnete am Freitag ein nach langen Verhandlungen vom US-Kongress beschlossenes Gesetz, das den Druck auf Russland zur Beendigung des Ukraine-Kriegs erhöhen soll. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Trump für das Sanktionspaket, aus Moskau kamen neue Drohungen.

Parlamentswahl: Russland meldet Cyberangriff auf elektronisches Wahlsystem

Am zweiten Tag der Parlamentswahl in Russland ist das elektronische Wahlsystem in Moskau nach Behördenangaben Ziel eines Cyberangriffs geworden. In der Nacht zu Samstag sei das System in der Hauptstadt "einer massiven und anhaltenden Attacke" ausgesetzt gewesen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Ria die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa. Die Lage sei jedoch "unter Kontrolle", versicherte sie. Die Sicherheit des Systems gewährleiste weiterhin eine elektronische Stimmabgabe.

Textgröße ändern: