Pallade Veneta - Merz und Macron beraten mit ihren Regierungen über vertiefte Zusammenarbeit

Merz und Macron beraten mit ihren Regierungen über vertiefte Zusammenarbeit


Merz und Macron beraten mit ihren Regierungen über vertiefte Zusammenarbeit
Merz und Macron beraten mit ihren Regierungen über vertiefte Zusammenarbeit / Foto: Ludovic MARIN - AFP

Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz, wichtigen Rohstoffen und der nuklearen Abschreckung - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben am Freitag mit ihren beiden Regierungen über den Ausbau der deutsch-französischen Partnerschaft beraten. Nach dem gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungsratsrat auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Nordrhein-Westfalen begann auf dem Brühler Schloss Augustusburg der deutsch-französische Ministerrat. Nach dem Aus für den gemeinsamen FCAS-Kampfjet wollen beide Seiten unter anderem mit einer verstärkten Nuklearpartnerschaft eine positive Dynamik erzeugen.

Textgröße ändern:

Nach Macrons Empfang mit militärischen Ehren und einem Überflug eines deutschen und eines französischen Kampfjets berieten Merz und der französische Präsident mit jeweils zehn Ministerinnen und Ministern beider Länder in Brühl über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Dabei sollte es unter anderem um das europäische Satellitennetz Iris, um gemeinsame KI-Vorhaben und kritische Rohstoffe gehen. Beide Seiten wollten zudem die Verhandlungen für den mehrjährigen EU-Haushalt vorbereiten, um sie möglichst vor dem europäischen Superwahljahr 2027 abzuschließen.

Merz empfing Macron vor dem Schloss Augustusburg, wo der französische Präsident Charles de Gaulle Bundeskanzler Konrad Adenauer 1962 einen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag angeboten hatte. Daraus entstand der Elysée-Vertrag, der bis heute die Grundlage der Zusammenarbeit beider Länder ist. Kurz nach der Begrüßung überflogen ein französischer Rafale-Kampfjet und ein Eurofighter der Bundeswehr das Schloss.

Es ist das erste Treffen in diesem Format seit dem Aus des FCAS-Kampfjets, und beide Seiten zeigen sich bemüht, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Der Bundeskanzler und der Präsident waren zuvor auf dem Fliegerhorst Nörvenich im Format des binationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates zusammengetroffen. Dort stand unter anderem die verstärkte Nuklearpartnerschaft auf der Tagesordnung.

Der Sicherheits- und Verteidigungsrat tagte an einem Tisch mitten in einem Hangar, in dem je zwei Rafale und zwei Eurofighter ausgestellt waren. Die Kampfjets hatten am Vortag an einer gemeinsamen Betankungsübung in der Luft teilgenommen.

Deutschland und Frankreich hatten bereits im März eine engere Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung angekündigt. Es wird damit gerechnet, dass deutsche Soldaten im Herbst an einer französischen Nuklearübung teilnehmen.

Macron verweist darauf, dass die atomare Abschreckung Frankreichs immer schon eine "europäische Dimension" hatte. Deutschland betont seinerseits, dass die Nuklearpartnerschaft mit Frankreich die nukleare Teilhabe der Nato nicht ersetze, sondern nur ergänze.

Thema des Sicherheits- und Verteidigungsrats dürfte auch die geplante deutsch-französische Nuklear-Steuerungsgruppe gewesen sein. Frankreich erhofft sich von den Partnerländern, zu denen neben Deutschland noch sieben weitere zählen, vor allem eine Unterstützung im konventionellen Bereich, etwa bei Radarsystemen, weitreichenden Präzisionswaffen und Luftabwehr. Die Entscheidungsgewalt über die Atomwaffen behält Frankreich sich weiterhin vor.

Die Debatte über die nukleare Abschreckung dürfte auch dazu dienen, nach dem Scheitern des FCAS-Kampfjets eine neue Phase einzuleiten. Hintergrund des Scheiterns war das Zerwürfnis der beteiligten Unternehmen Dassault und Airbus. Es ist noch offen, welche mit dem Kampfjet verbundenen Vorhaben fortgesetzt werden.

In Berlin will man am "System der Systeme" festhalten, also der Vernetzung des Kampfjets mit Drohnen und anderen Bestandteilen des Luftkampfverbands. "Am guten deutsch-französischen Verhältnis ändert sich nichts; hier wurde aus rationalen Gründen eine Sachentscheidung getroffen", hieß es in deutschen Regierungskreisen zum Scheitern des gemeinsamen FCAS-Kampfjets.

Auch die Zukunft des geplanten Kampfpanzers MGSC ist noch ungewiss. Deutschland wolle an der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Frankreich festhalten, heißt es in Berlin. Mitte Juni hatte das Bundesverteidigungsministerium erklärt, dass es "einige Anpassungen" gegeben habe und sich beide Seiten auf den "Kern des Programms" konzentrieren wollten. Dies lässt die Entwicklung unterschiedlicher Modelle offen.

Bei der Plenarsitzung des Ministerrats sollte darum gehen, "unsere Wettbewerbsfähigkeit, unsere Sicherheit und unsere Verteidigung sowie die Widerstandskraft unserer Demokratien zu stärken", schrieb Macron am Freitag im Onlinedienst X. "Mehr denn je ist der deutsch-französische Reflex notwendig, um unsere Souveränitätsagenda umzusetzen", fügte er hinzu.

Zum Abschluss des Ministerrats gaben Merz und Macron am Nachmittag eine gemeinsame Pressekonferenz. Zudem sollten gemeinsame Erklärungen der beiden Gremien veröffentlicht werden. Es ist der zweite und zugleich letzte deutsch-französische Ministerrat von Merz und Macron, da der französische Präsident im Frühjahr 2027 aus dem Amt scheidet.

A.Graziadei--PV

Empfohlen

Geldstrafe für russischen Kriegsgegner Nadeschdin - Putin-Kritiker Remeslo festgenommen

Ein russisches Gericht hat den Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin wegen der öffentlichen Zurschaustellung "extremistischer Symbole" zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht in Dolgoprudny nahe Moskau verhängte am Freitag ein Bußgeld von 1000 Rubel (umgerechnet rund elf Euro) wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny. Zugleich wurde der frühere kremlnahe Aktivist und heutige Putin-Kritiker Ilja Remeslo festgenommen.

Rücktrittsforderungen und Kritik: Spahn wegen Leihmutter-Baby unter Beschuss

Nach Bekanntwerden der Elternschaft von Jens Spahn (CDU) und seinem Ehemann durch eine Leihmutter sieht sich der Unionsfraktionschef mit Rücktrittsforderungen und scharfer Kritik aus der eigenen Partei konfrontiert. "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten", sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters am Freitag der "Bild"-Zeitung. Der Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe (CDU), zeigte sich "persönlich geschockt" von Spahns Entscheidung.

Weitere Eskalation im Iran-Krieg - Teheran meldet acht Tote nach neuen US-Angriffen

Bei den bislang schwersten gegenseitigen Angriffen seit Wiederaufflammen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sind nach Angaben aus Teheran acht Menschen getötet worden. Laut Staatsmedien wurde im Iran am Freitag unter anderem Verkehrsinfrastruktur getroffen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf US-Ziele etwa in Bahrain, im Oman und in Kuwait. China und Pakistan wie auch die Bundesregierung forderten beide Seiten auf, wieder Gespräche aufzunehmen.

Designierter Premier: Andy Burnham als Chef der britischen Labour-Partei bestätigt

Die britische Labour-Partei hat Andy Burnham als Nachfolger von Premierminister Keir Starmer als Parteichef bestätigt und damit seine Regierungsübernahme eingeleitet. "Da kein anderer Bewerber die Voraussetzungen für eine gültige Kandidatur erfüllt" habe, sei "der ordnungsgemäß gewählte Vorsitzende der Labour-Partei Andy Burnham", sagte die britische Innenministerin Shabana Mahmood, am Freitag auf einem Sonderparteitag. Der 56-Jährige dürfte am kommenden Montag von König Charles III. zum neuen britischen Premierminister ernannt werden.

Textgröße ändern: