Pallade Veneta - Prozess um rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin-Neukölln begonnen

Prozess um rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin-Neukölln begonnen


Prozess um rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin-Neukölln begonnen
Prozess um rechtsextreme Anschlagsserie in Berlin-Neukölln begonnen / Foto: INA FASSBENDER - AFP/Archiv

Im Fall einer rechtsextremen Anschlagsserie im Berliner Bezirk Neukölln hat vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen zwei mutmaßliche Täter begonnen. Zu Beginn am Montag wurde die Anklage verlesen. Dem 39-jährigen Tilo P. und dem 35-jährigen Sebastian T. werden demnach unter anderem Brandstiftung, Bedrohung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Beide wurden Ende 2020 festgenommen, dann aber von der Haft verschont.

Textgröße ändern:

Die Generalstaatsanwaltschaft der Hauptstadt legt ihnen zur Last, in einer Nacht Anfang Februar 2018 zuerst das Autos eines Neuköllner Buchhändlers sowie anschließend das des Linken-Politikers Ferat Kocak gemeinschaftlich angezündet zu haben. Sie wollten damit laut Anklage Menschen, "die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, einschüchtern".

Gemeinsam mit einem weiteren Angeklagten - dem 38-jährigen Samuel B. - sowie gesondert verfolgten Beschuldigten sollen die beiden zudem Plakate und Aufkleber mit rechtsextremen Parolen geklebt haben. T. wird darüber hinaus auch Betrug vorgeworfen. So soll er beim Bezug von Arbeitslosengeld II falsche Angaben gemacht und dadurch unrechtmäßig 15.000 Euro erlangt haben. Für ein von ihm betriebenes Gartenbauunternehmen soll ihm zudem 5000 Euro an Corona-Soforthilfe ausgezahlt worden sein, obwohl er darauf laut Anklage keinen Anspruch hatte.

In dem Prozess wird insgesamt über drei Anklagen verhandelt. Angeklagt waren zuerst fünf Männer. Gegen einen davon wurde das Verfahren jedoch bereits vor Prozessbeginn am Montag abgetrennt und ein Strafbefehl gegen ihn erlassen. Der fünfte erschien krankheitsbedingt nicht zum Auftakt, auch das Verfahren gegen ihn wurde deshalb abgetrennt. In dem nun begonnenen Prozess wird deshalb nur noch gegen drei Beschuldigte verhandelt.

Noch vor Verlesung der Anklage beantragten die Anwälte der drei Männer jedoch, das Verfahren auszusetzen. Sie begründeten dies damit, dass mit einem Beschluss des Landgerichts vom Freitag Kocak als Nebenkläger zugelassen wurde, dieser jedoch als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses auch im dort zur Anschlagsserie eingesetzten Untersuchungsausschuss sitzt. Die Vorsitzende Richterin lehnte den Antrag jedoch ab.

Der Angeklagte P. wollte sich am Montag nach Angaben seines Verteidigers nicht zu den Vorwürfen äußern. Er habe "die vorgeworfenen Taten nicht begangen", sagte der Anwalt. Sein Mandant bedaure zudem das Leid, dass Kocak erfahren habe. Auch T. und B. wollten ihren Verteidigern zufolge keine Angaben machen.

Für den Prozess wurden Verhandlungstermine bis Ende November angesetzt. Das Berliner Landeskriminalamt rechnet der Anschlagsserie rund 70 Straftaten zu, darunter mindestens 14 Brandstiftungen und 35 Sachbeschädigungen. Sie wurden überwiegend zwischen Juni 2016 und März 2019 in Neukölln verübt.

Die Generalstaatsanwaltschaft zog 2020 die Ermittlungen zu den Anschlägen an sich - wegen des Verdachts, dass ein Staatsanwalt mit der AfD sympathisieren könnte. Mit Versäumnissen bei der Aufklärung der Anschlagsserie befasst sich seit Mai zudem ein Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

F.Amato--PV

Empfohlen

Neue Proteste in Frankreich am Samstag: 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

Bei den erwarteten neuen Protesten in Frankreich am Samstag sollen nach Regierungsangaben 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Der Einsatz werde zudem Eliteeinheiten der Polizei, "etwa 20" gepanzerte Fahrzeuge und 15 Wasserwerfer umfassen, sagte Innenminister Laurent Nuñez am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Regierung hält am Ziel der Stromsteuersenkung fest - Merz spricht mit Klingbeil

Die Bundesregierung hält am Ziel einer Senkung der Stromsteuer für alle fest. Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer verwies am Freitag in Berlin jedoch auf den Finanzierungsvorbehalt. Druck, das Versprechen aus dem Koalitonsvertrag nun schnell umzusetzen, kam weiter aus den Ländern und der Opposition im Bundestag. Von dort gab es auch Vorschläge zur Finanzierung.

Kurz vor der Wahl: Netanjahu ordnet nach Angriff "Abriegelung" von Westjordanland an

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Regierungschef Benjamin Netanjahu nach einem bewaffneten Angriff mit fünf Verletzten nahe Hebron eine "vollständige Abriegelung" des besetzten Westjordanlandes angeordnet. Netanjahu erklärte am Freitag, Israel habe einen "schweren Terroranschlag" verhindert, nachdem Soldaten zwei mutmaßliche palästinensische Angreifer getötet hatten. Die israelische Armee startete daraufhin Anti-Terror-Einsätze. Netanjahu strebt bei der Wahl am Dienstag eine weitere Amtszeit an, Sicherheit ist ein zentrales Wahlkampfthema. Seine rechtsextremen Minister forderten nach dem Vorfall ein härteres Vorgehen im Westjordanland.

Kanzler Merz reist ab Montag nach Asien: Singapur, Japan und Südkorea Stationen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist ab Montag zu Gesprächen über die Wirtschaft und Sicherheitspolitik nach Asien. Wie ein Regierungssprecher am Freitag mitteilte, wird er bis Ende der Woche Singapur, Japan und Südkorea besuchen. Merz wird dabei von einer Wirtschaftsdelegation begleitet.

Textgröße ändern: