Pallade Veneta - Isländer entscheiden über Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen

Isländer entscheiden über Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen


Isländer entscheiden über Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen
Isländer entscheiden über Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen / Foto: Jonathan NACKSTRAND - AFP

Die Isländer haben am Samstag in einem Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union abgestimmt. Umfragen sahen ein knappes Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern einer EU-Annäherung bei der Volksabstimmung voraus. Ergebnisse wurden in der Nacht zum Sonntag erwartet.

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Das Land mit knapp 400.000 Einwohnern und 273.000 Wahlberechtigten hatte nach der Finanzkrise 2009 den Beitritt zur EU beantragt. Die Gespräche wurden 2013 abgebrochen, als eine EU-kritische Regierung an die Macht kam.

Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das autonome dänische Gebiet Grönland zu übernehmen, führten inzwischen bei vielen Bewohnern im benachbarten Island zu einem Umdenken - zumal Trump Grönland und Island bereits mehrmals verwechselte. Die Regierung in Reykjavik setzte das Thema EU-Beitritt daher wieder auf die Tagesordnung.

Umfragen zufolge können beide Lager mit ungefähr 50 Prozent der Stimmen rechnen. Konkret konnten die Wähler über die Frage abstimmen: "Soll Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?".

"Es ist ein enges Rennen, aber ich bin stets optimistisch", sagte Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir, die die EU-Annäherung unterstützt, der Nachrichtenagentur AFP. "Entschieden ist es erst, wenn es entschieden ist."

Allerdings sehen viele Isländer keinen Grund für einen EU-Beitritt, weil Island ohnehin Zugang zum europäischen Binnenmarkt hat. "Wir brauchen Brüssel nicht, um uns zu regieren. Das können wir selbst", sagte der 65-jährige Unternehmer Elias Theodorsson AFP. "Noch vor hundert Jahren waren wir eines der ärmsten Länder Europas. Und heute sind wir eines der reichsten. Das haben wir aus eigener Kraft geschafft."

Kehrseite des Wohlstands sind unter anderem eine hohe Inflation und steigende Zinsen. Wer ein Haus bauen möchte, zahlt gut und gerne neun Prozent an die Bank. In der EU ist die Zinsbelastung dagegen weitaus geringer. "Für meinen Haushalt würde das enorm viel bedeuten", sagte die 32 Jahre alte Universitätsangestellte Alexandra Yr AFP.

Sollten die Befürworter gewinnen, würde ein Beitrittsabkommen mit Brüssel ausgehandelt und dann ein neues Referendum über den tatsächlichen EU-Beitritt abgehalten werden. Insbesondere in dem für das Land enorm wichtigen Fischereisektor überwiegt bislang indes die Ablehnung.

D.Bruno--PV

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