Pallade Veneta - Italienischer Rechtspopulist Salvini stellt Russland-Sanktionen infrage

Italienischer Rechtspopulist Salvini stellt Russland-Sanktionen infrage


Italienischer Rechtspopulist Salvini stellt  Russland-Sanktionen infrage
Italienischer Rechtspopulist Salvini stellt Russland-Sanktionen infrage / Foto: Filippo MONTEFORTE - AFP/Archiv

Der italienische Rechtspopulist Matteo Salvini hat die wegen des Ukraine-Krieges verhängten EU-Sanktionen gegen Russland in Frage gestellt. Mehrere Monate seien vergangen, und die Menschen würden ihre "Rechnungen doppelt und vierfach zahlen", während sich nach sieben Monaten Krieg "Russlands Kassen mit Geld füllen", sagte der Chef der rechtsradikalen Lega-Partei am Sonntag dem Radiosender RTL. Salvinis derzeit wichtigste Verbündete, die Chefin der ultrarechten Partei Fratelli d'Italia (FDI) Giorgia Meloni, distanzierte sich von seinen Äußerungen.

Textgröße ändern:

Salvini zog den Erfolg der Sanktionen in Zweifel. Es sei "wichtig, die Strategie zu überdenken, um Arbeitsplätze und Unternehmen in Italien zu retten", sagte er. Der Chef der Demokratischen Partei (PD), Enrico Letta, einer von Salvinis Hauptgegnern im laufenden Wahlkampf zur Parlamentswahl am 25. September, konterte dessen Aussage mit den Worten: "Ich glaube, (Russlands Präsident Wladimir) Putin hätte es nicht besser sagen können."

Salvinis Bündnispartnerin Meloni, deren Partei derzeit in den Umfragen vorne liegt, bekräftigte am Rande eines Wirtschaftsforums in Cernobbio am Comer See hingegen ihre Unterstützung für die Ukraine. "Was würde der Westen tun, wenn Italien keine Waffen mehr in die Ukraine schicken und sich nicht mehr an den Sanktionen beteiligen würde?", sagte Meloni. "Nichts, die Waffen würden weiter geliefert."

Wenn Italien "seine Verbündeten im Stich lässt", würde sich "für die Ukraine nichts verändern, für uns aber sehr viel", ergänzte Meloni. "Ein seriöses Land, das die eigenen Interessen verteidigen will, muss eine glaubwürdige Position haben." Meloni und ihre Partei hatten sich, im Gegensatz zu Salvini, in den vergangenen Monaten stets an die Seite der Ukraine gestellt.

Bei einem eigenen Auftritt in Cernobbio relativierte Salvini später seine Aussagen. "Wenn wir mit den Sanktionen fortfahren wollen, dann lasst uns das tun, wir wollen die Ukraine schützen", sagte er. "Aber ich will nicht, dass wir uns selbst schaden, anstatt den Sanktionierten zu schaden."

Mara Carfagna, Ministerin für den Süden Italiens, warf Salvini in Cernobbio vor, sich vom Kreml-Chef instrumentalisieren zu lassen. "Wenn ich Salvini über Sanktionen reden höre, kommt es mir vor, als würde ich Putins Propaganda hören", sagte sie. Sie mache sich "Sorgen um ein Land wie Italien, das Russland zuzwinkert", sagte Carfagna. Die Politikerin war bis Juli Mitglied der Partei Forza Italia des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, verließ diese aber aus Protest gegen deren Mitverantwortung beim Sturz der Regierung von Mario Draghi.

Die Verbindungen zwischen Salvini und Moskau lösen in Italien insbesondere seit der russischen Invasion in der Ukraine Besorgnis aus und könnten für die rechte Wahl-Allianz aus Lega, Forza Italia und der ultrarechten Partei Fratelli d'Italia von Giorgia Meloni im Wahlkampf zum Problem werden.

In den vergangenen Wochen hatten unter anderem Äußerungen des russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew in Italien eine Debatte um mögliche Wahlbeeinflussung durch Moskau ausgelöst.

Sowohl Salvinis Lega als auch Berlusconis Forza Italia haben langjährige Verbindungen nach Russland und zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Lega hatte 2017 einen Kooperationspakt mit Putins Partei Geeintes Russland geschlossen. Salvini, der in der Vergangenheit gerne in T-Shirts mit Putin-Porträt posiert hatte, betonte zuletzt, Moskau habe nicht den geringsten Einfluss auf die Wahl in Italien.

M.Jacobucci--PV

Empfohlen

Trump zieht nach Blockade von Dekret zu Briefwahleinschränkungen vor Oberstes Gericht

Die US-Regierung ist wegen der von einem Bundesgericht blockierten Pläne von Präsident Donald Trump zur erschwerten Briefwahl erneut vors Oberste Gericht gezogen. Mit einem vom Regierungsanwalt John Sauer am Donnerstag eingereichten Eilantrag will die Regierung die Umsetzung eines Dekrets erwirken, mit dem die Briefwahl zwei Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress strenger geregelt werden soll. Damit spitzt sich der Rechtsstreit wenige Tage vor dem Versand der ersten Briefwahlunterlagen an die Wähler in einigen Bundesstaaten deutlich zu.

Innenminister Dobrindt und EU-Kollegen beraten in Kopenhagen über Abschiebezentren

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und die für Migration zuständigen Minister Dänemarks, der Niederlande, Österreichs und Griechenlands beraten am Freitag in Kopenhagen über Abschiebezentren für Migranten außerhalb der EU. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums will Dobrindt als Gast beim dänischen Einwanderungsminister Morten Bödskov über den Plan zur Umsetzung der so genannten Return Hubs berichten (Pk. 13.30 Uhr). Bei dem Treffen wird demnach "die letzte Vorbereitungsphase" eingeleitet. Auch EU-Innenkommissar Magnus Brunner soll bei dem Treffen dabei sein.

Prägend für "Generationen von Frauen": US-Feministin Gloria Steinem mit 92 Jahren gestorben

Die US-Journalistin und feministische Galionsfigur Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Steinem starb am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York, wie ihre Stiftung am Donnerstag im Onlinedienst Instagram mitteilte. In den 70er Jahren hatte Steinem die feministische Zeitschrift "Ms." gegründet. Sie gehörte zu den prominentesten Vertreterinnen der Frauenrechtsbewegung in den USA. Prominente US-Demokraten würdigten ihre Vorreiterrolle für "Genrationen von Frauen".

Polizeieinsatz wegen verdächtigen Gegenstands an Umspannwerk in Dormagen

Wegen eines verdächtigen Gegenstands ist die Polizei am Donnerstag zu einem Einsatz an einem Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Dormagen ausgerückt. Ein Spaziergänger habe den nicht näher benannten Gegenstand am frühen Abend im Bereich der Anlage im Stadtteil Gohr auf dem Boden gefunden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Neuss. Das Fundstück sei beschlagnahmt worden. Zuerst hatte der Westdeutsche Rundfunk berichtet.

Textgröße ändern: