Pallade Veneta - Geplante Steuererhöhung: Tabakindustrie warnt vor Anstieg des illegalen Handels

Geplante Steuererhöhung: Tabakindustrie warnt vor Anstieg des illegalen Handels


Geplante Steuererhöhung: Tabakindustrie warnt vor Anstieg des illegalen Handels
Geplante Steuererhöhung: Tabakindustrie warnt vor Anstieg des illegalen Handels / Foto: ERIC FEFERBERG - AFP/Archiv

Vor der Abstimmung des Bundestags hat die Tabakindustrie ihre Kritik an der deutlichen Steuererhöhung für Zigaretten und andere Erzeugnisse bekräftigt. "Die Koalition beschreitet einen fiskalischen Irrweg", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse, Jan Mücke, am Donnerstag. Er warnte vor einem Anstieg des illegalen Zigarettenhandels, wodurch erhoffte Steuermehreinnahmen ausbleiben würden. Die Grünen kritisierten unterdessen die Erhöhungen als im EU-Vergleich zu niedrig.

Textgröße ändern:

Erfahrungen der Vergangenheit hätten gezeigt, "dass überproportional starke Steuersprünge zu einem Anstieg des illegalen Zigarettenhandels sowie vermehrten Einkäufen in preisgünstigen Nachbarländern führen", erklärte Mücke. Die bis 2030 erwarteten Steuermehreinnahmen von bis zu 11,8 Milliarden Euro würden "deshalb nicht realisiert werden können".

Der Bundestag sollte am späten Donnerstagabend abschließend über die Tabaksteuererhöhung abstimmen. Bis 2030 würde sich dadurch eine Schachtel mit 20 Zigaretten im Schnitt um knapp vier Euro auf 11,78 Euro verteuern. Derzeit liegt der Preis bei durchschnittlich 8,05 Euro. Im kommenden Jahr würden als Zwischenschritt zunächst 9,10 Euro fällig, 2028 dann 9,91 Euro und 2029 10,81 Euro.

Teurer werden auch Feinschnitt für selbstgedrehte Zigaretten, Zigarren und Zigarillos sowie Pfeifentabak. Beim Vapen per E-Zigarette steigen gleichfalls die Steuern: Sie sollen von 38 Cent pro Milliliter im kommenden Jahr bis 2030 auf 44 Cent erhöht werden.

Der Finanzausschuss des Bundestags hatte die Tabaksteuerbeträge am Mittwoch nochmals angehoben. Dadurch steigen auch die geplanten Steuereinnahmen. So soll die Erhöhung im kommenden Jahr anfänglich rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich bringen. Das sind 750 Millionen Euro mehr als im ursprünglichen Gesetzentwurf vorgesehen. Ab 2030 sollen dann zusätzlich 4,46 Milliarden Euro pro Jahr eingenommen werden. Dies liegt 872 Millionen Euro über den ursprünglichen Plänen.

Die Grünen im Bundestag kritisierten die Tabaksteuererhöhung als "ein Stück weit ambitionslos". Denn Deutschland bleibe hinter "dem Niveau anderer europäischer Spitzenländer" zurück, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, den Sendern RTL und ntv.

Die Warnung der Industrie, die steigenden Zigarettenpreise würden Raucher verstärkt auf den Schwarzmarkt ausweichen lassen, wies Dahmen zurück. Internationale Studien zeigten, dass dies nicht der Fall sei, sagte der Grünen-Politiker. Er verwies dabei auf Länder wie Frankreich, Irland oder Norwegen, wo Zigaretten schon jetzt mehr kosteten als nach vollständiger Umsetzung der Tabaksteuererhöhung in Deutschland.

Auch die Koalitionsfraktionen sahen in der Beratung des Gesetzentwurfs aber die Gefahr von Ausweichbewegungen, einer Ausweitung des Schwarzmarkts, illegaler Produktion und nicht versteuerter Verkäufe aus dem Ausland. Sie setzen auf ein entschlosseneres Vorgehen des Zolls gegen den illegalen Handel und fordern auf europäischer Ebene eine Harmonisierung der Tabakbesteuerung ein, um den grenzüberschreitenden Handel zu beschränken.

B.Cretella--PV

Empfohlen

Ministerin Reiche muss Video mit Vorwürfen gegen Linke vorläufig löschen

Im Streit mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wegen eines Beitrags auf Instagram hat die Linkspartei einen ersten Sieg errungen. Das Ministerium muss das Video, in dem Reiche der Linken indirekt Antisemitismus vorwirft, vorläufig von seinem Profil löschen, wie das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe nach Angaben vom Donnerstag entschied. Reiche sprach darin über eine Partei, "die Antisemitismus offen lebt". (Az. 2 BvE 5/26)

Nach erneuten Vorfällen: Nato will über Drohnenangriffe im Schwarzen Meer beraten

Nach erneuten Drohnenangriffen auf Schiffe im Schwarzen Meer will die Nato das Thema auf ihre Agenda setzen. Der Nordatlantikrat werde sich in einer Sondersitzung mit der Lage im Schwarzen Meer befassen, teilte Rumäniens Präsident Nicusor Dan nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und dem bulgarischen Regierungschef Rumen Radew am Donnerstag in Brüssel mit. Zuvor war kurz hintereinander auf zwei Tankern vor der Küste Rumäniens ein Feuer ausgebrochen, sieben Besatzungsmitglieder galten als vermisst.

Ministerin Reiche muss Video mit Antisemitismusvorwurf gegen Linkspartei entfernen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) muss einen Beitrag auf Instagram über die Linkspartei vorläufig vom Profil ihres Ministeriums entfernen. Ein Eilantrag der Linken hatte vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg, wie dieses am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Reiche sprach in dem Video über eine Partei, "die Antisemitismus offen lebt". (Az. 2 BvE 5/26)

Trump: Hinrichtung des Attentäters von Fort Hood wird nicht live übertragen

Nach massivem öffentlichen Druck hat US-Präsident Donald Trump die geplante Liveübertragung einer Hinrichtung durch das US-Militär abgesagt. Trump erklärte am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social, der Amokläufer Nidal Hasan werde "wie vorgesehen durch ein Erschießungskommando sterben, aber dieses Ereignis wird nicht übertragen". Der vom Pentagon angekündigte Livestream war sowohl in den Reihen von Trumps Republikanern wie auch international auf Empörung gestoßen.

Textgröße ändern: