Pallade Veneta - Bundeswehr sieht sich durch russische Sabotage "erheblich" bedroht

Bundeswehr sieht sich durch russische Sabotage "erheblich" bedroht


Bundeswehr sieht sich durch russische Sabotage "erheblich" bedroht
Bundeswehr sieht sich durch russische Sabotage "erheblich" bedroht / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die Bundeswehr sieht sich direkt bedroht durch mögliche russische Sabotageakte. In einem internen Papier werde diese Gefahr erstmals als "erheblich" eingestuft, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch. Dies ist demnach die zweithöchste Gefahren-Kategorie der Streitkräfte. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass es "eine erhebliche Sabotagebedrohung insgesamt für die Bundeswehr" sehe.

Textgröße ändern:

Ein Ministeriumssprecher verwies auf jüngste Fälle wie den Fund einer Drohne in der Nähe eines Luftwaffenstützpunktes in Wunstorf und "Sabotagefälle im Bereich der Marine an Schiffen". Die Bundeswehr prüfe angesichts dieser erhöhten Bedrohungslage, "ortsabhängig und situationsabhängig" Schutzmaßnahmen zu verstärken. Er nannte dabei als Beispiel die erhöhte Bewachung eines Flughafens oder einer Marinewerft durch Soldaten oder zusätzliche Absicherungsmaßnahmen wie Infrarot-Kameras.

"Die Vorfälle unterstreichen, dass Russland seit geraumer Zeit nahezu sicher über die Fähigkeit und sehr wahrscheinlich jetzt auch über die gesteigerte Absicht verfügt, gegen Kräfte und Einrichtungen der Bundeswehr, aber auch Partner wie der Ukraine in Deutschland vorzugehen", heißt es laut "Süddeutschen Zeitung" in der internen Analyse, die auch dem WDR vorlag. Das Ziel sei demnach "sehr wahrscheinlich eine Zersetzungsabsicht, die sich aktuell auf die politische und gesamtgesellschaftliche Schwächung der deutschen Unterstützung für die Ukraine fokussiert".

Mit dem Einsatz von Drohnen als kinetisches Wirkmittel habe Russland "eine bisher antizipierte rote Linie der Schädigungsabsicht mit kinetischer und/oder letaler Wirkung" gegenüber der Bundesrepublik und der Bundeswehr überschritten, heißt es demnach weiter in dem Papier. Insbesondere bei dem Fall in Wunstorf sei "sehr wahrscheinlich von einer direkten Betroffenheit der Bundeswehr als Ziel auszugehen". Laut Einschätzungen der Nachrichtendienste sei zudem eine "kurzfristige Lageverschärfung zu erwarten und mit Aktionen in naher Zukunft zu rechnen".

Der Ministeriumssprecher verwies darauf, dass die aktuelle Verstärkung von Schutzmaßnahmen "keine Besonderheit" sei. Dies habe in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder stattgefunden. Er verwies auch darauf, dass etwa bei akuter Terrorgefahr "automatisierte Schutzkonzepte für die jeweiligen Standorte ausgelöst werden. An diesem Punkt sind wir nicht".

Die Präsidentin des Militärischen Abschirmdiensts (MAD), Martina Rosenberg, hatte Anfang Oktober bei einer Parlamentsanhörung von wachsenden Bedrohungen auch für die Bundeswehr gesprochen. Sie hatte dabei als Beispiel Sabotage an Schiffen der Marine genannt. Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND) hatte bei der Anhörung von einem "Schattenkrieg" Russlands gegen Deutschland gesprochen. "Die Gefahr von Anschlägen gegen Ziele in Deutschland" sei "real und gegenwärtig."

O.Mucciarone--PV

Empfohlen

Selenskyj zum Einfrieren der Front im Ukraine-Krieg bereit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Einfrieren der Frontlinie im Krieg mit Russland als einen möglichen ersten Schritt für eine Waffenruhe bezeichnet. "Wir müssen sie jetzt einfrieren", sagte Selenskyj am Mittwoch in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender Fox News. Dies sei der Weg, "um diesen Krieg zu beenden" und "das Minimum, was wir heute von Russland erwarten".

Bundeswehr: Personalaufwuchs erstmals über Jahresziel

Die Bundeswehr hat Anfang Oktober über 190.000 Soldatinnen und Soldaten verzeichnet - sie lag damit erstmals über den gesetzlichen Aufwuchszielen. Diese seien "mit dem einstellungsstärksten Monat Oktober" überschritten worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch mit. Das deutsche Militär soll laut Gesetz bis Ende 2026 auf 186.000 bis 190.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen.

Deutscher in Russland festgenommen - US-Bürger Hubbard nach vier Jahren frei

Die russischen Behörden haben einen ehemaligen Bundeswehrsoldaten wegen des Vorwurfs des "Söldnertums" für die Ukraine festgenommen - ein seit vier Jahren in Russland inhaftierter US-Bürger wurde derweil freigelassen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe "einen deutschen Staatsbürger festgenommen, der aktives Mitglied der ukrainischen Streitkräfte ist", berichteten russischen Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf den FSB. US-Präsident Donald Trump erklärte, der US-Bürger Stephan Hubbard sei ohne Gegenleistung freigelassen worden.

Frankreich: Gewerkschaft ruft nach erfolglosem Treffen mit Lecornu zu Streiks auf

Die französische Gewerkschaft CGT hat nach einem Treffen mit Premierminister Sébastien Lecornu zu Streiks ab dem 5. November aufgerufen. Die Regierung sei auf die Forderungen der Gewerkschaften und der Demonstranten vom vergangenen Wochenende in keiner Weise eingegangen, sagte CGT-Chefin Sophie Binet am Mittwoch nach einem etwa zweieinhalbstündigen Gespräch mit Lecornu und weiteren Gewerkschaften. Jetzt sei die Zeit für Streiks gekommen.

Textgröße ändern: