Pallade Veneta - Rückschlag für muslimisch-nationalistische Kräfte bei Wahlen in Bosnien

Rückschlag für muslimisch-nationalistische Kräfte bei Wahlen in Bosnien


Rückschlag für muslimisch-nationalistische Kräfte bei Wahlen in Bosnien
Rückschlag für muslimisch-nationalistische Kräfte bei Wahlen in Bosnien / Foto: ANDREJ ISAKOVIC - AFP

Bei den Wahlen in Bosnien und Herzegowina hat die muslimisch-nationalistische Partei SDA einen klaren Rückschlag erlitten. Ihr bisheriger Vertreter im dreiköpfigen Staatspräsidium, Bakir Izetbegovic, verlor am Sonntag gegen den pro-europäischen Sozialdemokraten Denis Becirovic, wie aus von der Wahlkommission veröffentlichten Teilergebnissen hervorging. Die Sitze der Kroaten und Serben im Staatspräsidium werden hingegen weiter von Nationalisten besetzt.

Textgröße ändern:

Der 46-jährige Becirovic, der an der Spitze eines Bündnisses von elf Oppositionsparteien stand, holte laut den Teilergebnissen 56 Prozent der Stimmen, Izetbegovic kam auf 39 Prozent. Izetbegovic, Sohn des ersten bosnischen Präsidenten nach der Unabhängigkeit, ist Chef der SDA. Die Partei hat in den vergangenen Jahrzehnten die Politik des weiterhin von ethnischen Konflikten zerrissenen Landes maßgeblich geprägt.

Der Geschichtsprofessor Becirovic setzt sich für ein "pro-europäisches und geeintes" Bosnien und Herzegowina ein. "Wir brauchen ein Mandat für Entwicklung, Fortschritt und Kooperation, das ist, was alle Völker und Nationen in Bosnien und Herzegowina brauchen", sagte Becirovic in seiner Siegesrede.

Den Sitz der Kroaten im Staatspräsidium sicherte sich erneut Zeljko Komsic, der damit seine vierte Amtszeit in dem Gremium antreten wird. Der serbische Sitz im Staatspräsidium wiederum wurde erwartungsgemäß von Zeljka Cvijanovic gewonnen. Sie ist eine langjährige Verbündete des serbisch-nationalistischen Hardliners Milorad Dodik, der bisher diesen Sitz in der Dreierpräsidentschaft innehatte.

Dodik ist seit mehr als 15 Jahren der Anführer der bosnischen Serben. Der 63-Jährige - ein Vertrauter von Kreml-Chef Wladimir Putin - kandidierte diesmal allerdings für die Präsidentschaft der serbischen Teilrepublik, die er bereits zwei Mal innehatte. Der Wahlkommission zufolge konnte Dodik diese Wahl gewinnen.

Demnach lag Dodik nach Auszählung von 82 Prozent der Stimmen in der Republika Srpska bei 49 Prozent, seine - ebenfalls nationalistische - Rivalin Jelena Trivic bei 42 Prozent. Die Wirtschaftsprofessorin hatte zuvor noch ihren Sieg verkündet, später zog sie die von der Wahlkommission verbreiteten Zahlen in Zweifel und sprach von Wahlbetrug.

Die Wahlen waren so kompliziert wie das Land selbst. Auf der Ebene der gesamtstaatlichen Institutionen bestimmten die Wählerinnen und Wähler neben der dreiköpfigen Präsidentschaft auch die Mitglieder des zentralen Parlaments. Gewählt wurden auch regionale Parlamentarier in den beiden Teilrepubliken sowie die Mitglieder der Versammlungen der zehn Kantone, aus denen die muslimisch-kroatische Föderation besteht.

Das komplexe und wenig funktionsfähige politische System des Landes basiert auf dem Dayton-Abkommen von 1995, mit dem der Bosnien-Krieg der 90er Jahre mit 100.000 Toten beendet worden war. Seit 1995 ernennt zudem der UN-Sicherheitsrat einen Hohen Repräsentanten, der die Umsetzung des Dayton-Abkommens überwacht. Derzeit hat der Deutsche Christian Schmidt das Amt inne.

Wenige Augenblicke nach Schließung der Wahllokale am Sonntag kündigte Schmidt eine Reihe von Wahlrechtsänderungen an. Ziel sei es, "die Funktionsfähigkeit der Föderation von Bosnien und Herzegowina zu verbessern und die rechtzeitige Umsetzung der Ergebnisse der Wahlen vom Oktober 2022 zu gewährleisten", erklärte er.

Der Hohe Repräsentant ist befugt, in die Gesetzgebung einzugreifen und gewählte Politikerinnen und Politiker abzusetzen. Ursprünglich sollte das Amt 2007 auslaufen, doch wegen der politischen Instabilität wurde das Mandat verlängert.

I.Saccomanno--PV

Empfohlen

Prägend für "Generationen von Frauen": US-Feministin Gloria Steinem mit 92 Jahren gestorben

Die US-Journalistin und feministische Galionsfigur Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Steinem starb am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York, wie ihre Stiftung am Donnerstag im Onlinedienst Instagram mitteilte. In den 70er Jahren hatte Steinem die feministische Zeitschrift "Ms." gegründet. Sie gehörte zu den prominentesten Vertreterinnen der Frauenrechtsbewegung in den USA. Prominente US-Demokraten würdigten ihre Vorreiterrolle für "Genrationen von Frauen".

Polizeieinsatz wegen verdächtigen Gegenstands an Umspannwerk in Dormagen

Wegen eines verdächtigen Gegenstands ist die Polizei am Donnerstag zu einem Einsatz an einem Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Dormagen ausgerückt. Ein Spaziergänger habe den nicht näher benannten Gegenstand am frühen Abend im Bereich der Anlage im Stadtteil Gohr auf dem Boden gefunden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Neuss. Das Fundstück sei beschlagnahmt worden. Zuerst hatte der Westdeutsche Rundfunk berichtet.

ZDF-Umfrage vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD weiter ohne absolute Mehrheit

Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht eine ZDF-Umfrage weiterhin keine absolute Mehrheit für die klar führende AfD. In der am Donnerstag in Mainz veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen kommt die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei auf 41 Prozent und damit auf einen Prozentpunkt mehr als in der vergangenen Woche. Mit unverändert 23 Prozent folgt die regierende CDU von Ministerpräsident Sven Schulze.

Vance: USA untersuchen Angriff auf iranische Hochzeit

Die USA untersuchen nach Angaben von Vizepräsident JD Vance den Angriff auf eine Hochzeitsfeier im Iran. Vance äußerte sich am Donnerstag in Washington zugleich "äußerst skeptisch" über die Angaben aus Teheran zu dem Vorfall. Die iranischen Staatsmedien seien "kein besonders verlässlicher Chronist" in dem Konflikt, sagte der Vizepräsident bei einem Pressebriefing im Weißen Haus.

Textgröße ändern: