Pallade Veneta - Britischer Finanzminister Kwarteng bricht Dienstreise in Washington ab

Britischer Finanzminister Kwarteng bricht Dienstreise in Washington ab


Britischer Finanzminister Kwarteng bricht Dienstreise in Washington ab
Britischer Finanzminister Kwarteng bricht Dienstreise in Washington ab / Foto: DYLAN MARTINEZ - POOL/AFP/Archiv

Der britische Finanzminister Kwasi Kwarteng hat angesichts der Turbulenzen wegen seiner umstrittenen Steuersenkungspolitik eine Dienstreise nach Washington abgebrochen. Kwarteng, der zum Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds in Washington war und eigentlich am Samstag zurückkehren sollte, sei nach "erfolgreichen Treffen" in der US-Hauptstadt bereits wieder auf dem Heimweg, sagte ein Sprecher des britischen Finanzministeriums am Freitag. Dort wolle der Minister die Arbeit an seinem mittelfristigen Finanzplan fortsetzen.

Textgröße ändern:

Die konservative Premierministerin Liz Truss kündigte für Freitag kurzfristig eine Pressekonferenz an, wie Downing Street mitteilte. Britische Medien hatten zuvor berichtet, Kwarteng und Truss planten dringende Krisengespräche, um weitere Teile ihres heftig kritisierten Plans zur Ankurbelung der Wirtschaft zu kippen. Den Berichten zufolge könnte der Finanzminister geplante Änderungen bei der Körperschaftssteuer wieder zurücknehmen. Auf Fragen danach sagte Kwarteng der Zeitung "Daily Telegraph" vom Freitag: "Mal sehen." Zuvor hatte er versichert, seinen Job werde er nicht aufgeben: "Ich gehe nirgendwohin", sagte er noch in Washington am Donnerstag.

Kwarteng hatte im vergangenen Monat ein drastisches Maßnahmenbündel von Steuersenkungen bis hin zum Einfrieren von Strom- und Gaspreisen angekündigt, mit dem die britische Regierung das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die hohe Inflation dämpfen wollte.

Das milliardenschwere Paket hatte auf den Finanzmärkten für Unruhe gesorgt, da die Gegenfinanzierung unklar ist und Anleger eine hohe Staatsverschuldung fürchten. Das britische Pfund fiel auf einen beispiellos niedrigen Kurs im Vergleich zum Dollar, Zinsen für Staatsanleihen schossen in die Höhe.

Die Bank of England sah sich gezwungen, auf den Anleihemärkten einzugreifen, um die Finanzstabilität zu wahren - sie kündigte aber bereits an, ihre Intervention am Freitag zu beenden. Mittlerweile kündigte Kwarteng an, zumindest die geplanten Steuererleichterungen für Topverdiener zu streichen.

Die Turbulenzen führten bereits zu Spekulationen über eine Kabinettsumbildung oder gar eine Ablösung der erst seit gut fünf Wochen amtierenden Premierministerin Truss. Denn auch in den Reihen der konservativen Regierungspartei hatten die Pläne für Kopfschütteln und offenen Widerspruch gesorgt.

Der Chef des Finanzausschusses im britischen Parlament, Mel Stride, sprach sich am Freitag für eine rasche Überarbeitung der Finanzpläne aus. Notwendig sei ein "starkes Signal an die Märkte, dass die Glaubwürdigkeit in Haushaltsfragen zurück ist", sagte Stride der BBC. Es müsse "jetzt etwas getan werden" statt mit der Vorlage des Finanzplans wie bislang vorgesehen bis zum 31. Oktober zu warten.

N.Tartaglione--PV

Empfohlen

Nach Machados Rückkehr: Venezuelas Übergangspräsidentin wirft ihr "Show" vor

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hat der Oppositionspolitikerin María Corina Machado nach deren überraschender Rückkehr ins Land vorgeworfen, eine "Show" zu inszenieren. "Ich glaube ganz ehrlich, dass sie aufhören sollte, Politik wie eine Show zu betreiben, denn die Politik ist etwas sehr Ernsthaftes", sagte Rodríguez am Montag mit Bezug auf die nicht veröffentlichten Umstände von Machados Rückkehr. "Es gibt ja hier Flughäfen", fügte sie hinzu.

Verteidigungsministertreffen: Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. "Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft", sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. "Nichts, aber auch gar nichts" deute darauf hin, dass Putin "an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist".

Iran und Länder des Mekka-Abkommens vereinbaren weitere Gespräche über Zusammenarbeit

Der Iran und die drei Länder des sogenannten Mekka-Abkommens haben nach einem ersten Treffen in Teheran nach Angaben staatlicher Medien weitere Gespräche über eine Stärkung ihrer Zusammenarbeit vereinbart. Die iranischen Vertreter sowie jene Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans seien darüber übereingekommen, dabei auch über "regionalen Frieden und Sicherheit" zu sprechen, hieß es im staatlichen iranischen Fernsehen am Montag.

UN-Ermittler werfen Israel Verbrechen der "Auslöschung" im Westjordanland vor

Einen Tag vor der Parlamentswahl in Israel haben im Auftrag der Vereinten Nationen tätige unabhängige Ermittler dem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Westjordanland vorgeworfen. Darunter sei der Vorwurf der "Auslöschung", erklärte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Im Gazastreifen begehe Israel zudem weiterhin "Akte des Völkermords". Dort wurden nach palästinensischen Angaben fünf Menschen bei israelischen Angriffen getötet.

Textgröße ändern: