Pallade Veneta - Netanjahu nach Parlamentswahl in Israel offenbar auf dem Weg zurück an die Macht

Netanjahu nach Parlamentswahl in Israel offenbar auf dem Weg zurück an die Macht


Netanjahu nach Parlamentswahl in Israel offenbar auf dem Weg zurück an die Macht
Netanjahu nach Parlamentswahl in Israel offenbar auf dem Weg zurück an die Macht / Foto: Menahem KAHANA - AFP/Archiv

Nach der vorgezogenen Parlamentswahl in Israel ist der ehemalige langjährige Regierungschef Benjamin Netanjahu offenbar auf dem Weg zurück an die Macht. Er sei "einem großen Sieg nahe" und setze auf die Bildung einer rechten Regierung, sagte Netanjahu am Mittwoch. Laut ersten Teilergebnissen käme seine Likud-Partei zusammen mit ultrarechten und religiösen Parteien auf eine absolute Sitzmehrheit - allerdings könnten schon kleine Abweichungen im Endergebnis zu einem völlig anderen Kräfteverhältnis in der Knesset führen.

Textgröße ändern:

Er werde eine rechte Regierung anführen, sofern sich die Nachwahlbefragungen bestätigten, sagte Netanjahu vor Anhängern in Jerusalem. Der amtierende Regierungschef Jair Lapid sagte hingegen auf einer Kundgebung seiner Mitte-Partei Jesch Atid in Tel Aviv, es sei "nichts entschieden", seine Partei werde "geduldig auf die Endergebnisse warten".

Bis 10.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MEZ) waren rund 84 Prozent der Stimmzettel ausgezählt. Nach diesem Stand käme Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei auf 31 der 120 Parlamentssitze, gefolgt von Jesch Atid mit 24 Sitzen. Das mit Netanjahu verbündete rechtsextreme Bündnis von Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir konnte demnach seine Sitzzahl auf 14 verdoppeln.

Insgesamt käme ein von Netanjahu geführtes Rechtsbündnis Hochrechnungen zufolge auf eine klare absolute Mehrheit von 65 Sitzen. Ein Sieg Netanjahus könnte sich auch auf das gegen ihn laufende Gerichtsverfahren wegen Korruption auswirken, da er als Ministerpräsident Immunität beanspruchen könnte.

Bei der linksgerichteten Meretz-Partei und einer arabischen Partei war nach Angaben der Wahlkommission noch unklar, ob sie die 3,25-Prozent-Hürde überwinden. Abhängig von ihrem Ergebnis könnte ein deutlich anderes Kräfteverhältnis in der Knesset herauskommen. Die Politologin Yael Schomer von der Universität Tel Aviv sagte, bei der Auszählung des Wahlergebnisses stehe es "Spitz auf Knopf". Letztlich könnten "wenige tausend Stimmen" den Ausschlag geben.

2020 hatten die arabischen Parteien noch ein Rekordergebnis von zusammen 15 Sitzen eingefahren, dieses Mal traten sie aber mit drei verschiedenen Wahllisten an. Wenn sie die 3,25-Prozent-Hürde nicht überwinden, erhöht dies Netanjahus Chancen auf eine Rückkehr an die Macht.

Der Urnengang am Dienstag war die fünfte Parlamentswahl in Israel in weniger als vier Jahren. Das breite Acht-Parteien-Bündnis von Regierungschef Lapid, dem erstmals in der Geschichte des Landes auch eine arabisch geführte Partei angehörte, war im Juni nach einjähriger Regierungszeit zerbrochen. Trotz der vielen Parlamentswahlen in den vergangenen Jahren lag die Wahlbeteiligung am Dienstag bei 71,3 Prozent. Das ist die höchste Quote seit 2015.

Die Parlamentswahl fand vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt im von Israel besetzten Westjordanland und in Ost-Jerusalem statt. Allein im Oktober wurden dort nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 29 Palästinenser und drei Israelis getötet. Am Mittwoch tötete die israelische Armee nach eigenen Angaben einen Palästinenser an einem Kontrollpunkt nahe der israelischen Stadt Modiin, nachdem dieser einen Soldaten schwer verletzt habe.

Netanjahus potenzieller Bündnispartner Ben Gvir, der sich für eine komplette Annexion des Westjordanlands ausspricht, bekräftigte seine Forderung nach einem harten Kurs gegenüber den Palästinensern. "Es ist Zeit, dass wir wieder Herren unseres Landes werden", sagte er. Die israelischen Sicherheitskräfte müssten härter gegen Palästinenser vorgehen.

Aïda Tuma-Suleiman von der säkularen arabischen Partei Hadasch-Taal warnte, Netanjahu an der Spitze einer neuen Regierung mit "Faschisten an seiner Seite" bedeute für die in Israel lebenden Palästinenser nichts Gutes. Der palästinensische Regierungschef Mohammed Schtajjeh erklärte, das Wahlergebnis in Israel zeige den "zunehmenden Extremismus und Rassismus in der israelischen Gesellschaft".

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Netanjahu will "starke" neue rechtsgerichtete Regierung bilden

Nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl in Israel hat sich Regierungschef Benjamin Netanjahu zuversichtlich gezeigt, auch künftig die Regierung anzuführen. "Wir müssen eine starke Regierung des rechten Lagers bilden", sagte Netanjahu am Mittwoch vor seinen Anhängern in Jerusalem. Zudem sprach er sich gegen jede "Regierung mit der Unterstützung der israelischen Araber" aus, deren Parteien bei der Wahl massive Zugewinne erzielt hatten.

Oppositionsführer Eisenkot will nach Israel-Wahl neue Regierung bilden

Der führende israelische Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot ist nach eigenen Worten bereit, nach der Parlamentswahl in Israel eine neue Regierung zu bilden. Die Menschen in Israel hätten sich für "den Wandel entschieden", sagte der Mitte-Rechts-Politiker am frühen Mittwochmorgen in einer Rede vor seinen Anhängern in Tel Aviv. Er werde versuchen, eine neue Regierung zu bilden.

Israel-Wahl: Opposition leicht vorne - schwierige Regierungsbildung erwartet

Nach der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab: Die Opposition lag ersten Prognosen zufolge knapp vor dem Lager von Regierungschef Benjamin Netanjahu, doch keines der Bündnisse erreichte eine Mehrheit. Das ergaben Nachwahlbefragungen der Fernsehsender 11, 12 und 13 am Dienstagabend. Deutliche Zugewinne verzeichneten die arabischen Parteien. Bis zur Bildung einer neuen Regierung könnten Wochen vergehen.

Tödliche Schlägerei nach Rockkonzert in der Schweiz wird untersucht

Tödliche Schlägerei nach Rockkonzert in der Schweiz wird untersucht. Eine Schlägerei mit einem deutschen Toten nach einem Rockkonzert in der Nähe des Zürichsees beschäftigt derzeit die Schweizer Justiz.

Textgröße ändern: