Pallade Veneta - Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag"

Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag"


Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag"
Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag" / Foto: Yelyzaveta Krotyk - AFP

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts des Rückzugs russischer Truppen aus Cherson von einem "historischen Tag" gesprochen. "Wir erobern Cherson zurück", sagte er in seiner täglichen Videobotschaft im Onlinedienst Telegram am Freitag. Zuvor hatte er geschrieben, die Stadt gehöre wieder "unserem Volk". Der Kreml erklärte, Cherson bleibe trotz des Truppenabzugs Teil des russischen Staatsgebiets. Indes sicherte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Selenskyj in einem Telefonat Deutschlands weitere Unterstützung zu.

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Die ukrainische Armee befinde sich derzeit am Stadtrand, erklärte Selenskyj auf Telegram. "Aber Spezialeinheiten sind bereits in der Stadt", fügte er hinzu. Der ukrainische Präsident lobte den Mut der Einwohner Chersons, die seit Mitte März unter russischer Besatzung waren. "Sie haben die Ukraine nie aufgegeben", sagte Selenskyj. "Cherson ist die Ukraine", erklärte auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko in einem Onlinedienst.

Neun Monate nach Beginn des Krieges hatte die russische Armee am Freitagmorgen die strategisch wichtige Stadt Cherson geräumt. Um 05.00 Uhr (04.00 Uhr MEZ) sei "der Transfer russischer Soldaten ans linke Ufer des Flusses Dnipro beendet" gewesen, erklärte das russische Verteidigungsministerium in Onlinediensten.

Demnach wurde "kein einziges Teil militärischer Ausrüstung und Waffen" auf der anderen Flussseite zurückgelassen. Die russische Armee gab an, mehr als 30.000 Soldaten aus dem Norden der Region Cherson zurückgezogen zu haben.

Gleichzeitig griff Russland weiterhin Ziele in der Ukraine an. In der Nacht auf Freitag wurde die etwa hundert Kilometer von Cherson entfernt gelegene Stadt Mykolajiw beschossen. Dabei wurde ein fünfstöckiges Wohnhaus zerstört, mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, wie die Regionalverwaltung erklärte.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nannte den russischen Rückzug einen "weiteren wichtigen Sieg" für die Ukraine. Die jüngsten Entwicklungen bewiesen: "Was auch immer Russland sagt oder tut - die Ukraine wird gewinnen", schrieb Kuleba in Onlinediensten. Dort wurden auch Bilder von Menschen in Cherson veröffentlicht, die ukrainische Flaggen schwenkten.

Angesichts der Fortschritte der ukrainischen Gegenoffensive hatte die russische Armee am Mittwoch ihren Rückzug aus dem Norden der Region Cherson und deren gleichnamiger Hauptstadt angeordnet. Die Stadt war das erste größere urbane Zentrum, das die russischen Streitkräfte seit Beginn des von Moskau "militärische Spezial-Operation" genannten Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar einnehmen konnten. Es war zugleich die einzige russisch kontrollierte Regionalhauptstadt in der Ukraine.

Für Moskau ist die Region strategisch von großer Bedeutung, um die Offensive in Richtung Mykolajiw und zum Schwarzmeerhafen Odessa fortsetzen zu können. Darüber hinaus beherbergt Cherson den Kachowka-Staudamm, der die von Russland annektierte Halbinsel Krim mit Wasser versorgt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Ende September die Annexion von Cherson und drei weiteren ukrainischen Regionen verkündet. Am Freitag erklärte der Kreml, Cherson bleibe trotz des Truppenabzugs Teil des russischen Staatsgebiets. Die Region sei "Subjekt der Russischen Föderation", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow unter Verwendung der russischen Bezeichnung für Verwaltungseinheiten.

Die Region Cherson ist seit Wochen Ziel der ukrainischen Gegenoffensive. Dem russischen Rückzug waren Gebietsgewinne der ukrainischen Streitkräfte in der Region vorausgegangen. Der ukrainische General Walerij Saluschny erklärte am Donnerstag, ukrainische Truppen hätten zwölf Ortschaften und damit insgesamt mehr als 200 Quadratkilometer Gebiet zurückerobert.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sicherte Selenskyj in einem Telefonat am Freitag die weitere Unterstützung Deutschlands zu. Der Fokus liege dabei derzeit auf der Energieinfrastruktur und der Luftverteidigung, teilte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Hebestreit, mit. In dem Telefonat informierte Selenskyj den Bundeskanzler demnach auch über die jüngste Entwicklung in der Region Cherson.

B.Fortunato--PV

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