Pallade Veneta - Erleichterung in Cherson nach Rückzug russischer Truppen

Erleichterung in Cherson nach Rückzug russischer Truppen


Erleichterung in Cherson nach Rückzug russischer Truppen
Erleichterung in Cherson nach Rückzug russischer Truppen / Foto: Genya SAVILOV - AFP

Nach Monaten russischer Besatzung ist Cherson wieder unter ukrainischer Kontrolle: Nach dem Rückzug russischer Truppen zeigten sich die Einwohner am Sonntag erleichtert über die Befreiung der Regionalhauptstadt, in der die Besatzer laut Augenzeugen eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. Außenminister Dmytro Kuleba sprach von einem "Sieg für den gesamten Westen", betonte jedoch, der Krieg gehe weiter.

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Nur wenige hätten "an ein Überleben der Ukraine geglaubt", sagte Kuleba am Samstag. "Nur gemeinsam werden wir in der Lage sein, uns durchzusetzen und Russland aus der Ukraine zu vertreiben. Wir sind auf dem besten Weg dorthin", fügte er hinzu. "Unser Sieg wird unser gemeinsamer Sieg sein - ein Sieg aller friedliebenden Nationen auf der ganzen Welt."

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Samstag, die russischen Truppen hätten vor ihrem Rückzug aus Cherson "die gesamte kritische Infrastruktur - Kommunikation, Wasserversorgung, Heizung, Strom - zerstört". Die ukrainischen Behörden arbeiten nun nach eigenen Angaben daran, die Stadt zu entminen und die Stromversorgung wiederherzustellen.

Einwohner in Cherson sprachen von einem "großen Gefühl der Erleichterung", wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Menschen standen in der Stadt für Essen an - einige von ihnen waren in die ukrainische Flagge gehüllt. Mehrere Menschen versammelten sich auf dem zentralen Platz, um das Satelliteninternet zu nutzen. "Sie haben alles mitgenommen. Sie haben die Geschäfte geplündert", sagte Viktoria Dybowska, eine 30-jährige Verkäuferin. Tierschützern zufolge stahlen die Besatzer sogar Tiere aus dem Zoo der Stadt.

Jaroslaw Januschewitsch, Leiter der ukrainischen Militärverwaltung der Region Cherson, zeigte sich in einem im Internet veröffentlichten Video "sehr glücklich, heute hier (in Cherson) zu sein, in diesem historischen Augenblick". Es werde alles für eine "Rückkehr zu einem normalen Leben" getan. Neben der Räumung von Minen wurde eine Ausgangssperre verhängt und der Zutritt zur Stadt eingeschränkt, wie Januschewitsch sagte.

Rund 200 Polizisten wurden nach Angaben des Polizeichefs Igor Klymenko nach Cherson entsandt, unter anderem um Straßensperren "die Verbrechen der russischen Besatzer" zu dokumentieren. Klymenko warnte die Einwohner vor den von russischen Streitkräften hinterlassenen Sprengsätzen. Ein Polizist sei bei einer Minenräumung in einem Verwaltungsgebäude in Cherson verletzt worden. In der Ortschaft Mylowe wurden nach Polizeiangaben zudem eine Frau und zwei Kinder durch eine Explosion verletzt.

2000 Sprengsätze seien bereits in der Region entschärft worden, erklärte Selenskyj. Die ukrainischen Truppen haben dem Präsidenten zufolge inzwischen rund 60 Ortschaften in der Region Cherson zurückerobert.

Rund neun Monate nach Beginn des Krieges hatte Moskau angesichts der Fortschritte der ukrainischen Gegenoffensive den Rückzug aus Cherson und dem Norden der gleichnamigen Region angeordnet. Am Freitagmorgen hatte die russische Armee die Regionalhauptstadt geräumt. Am Abend des selben Tages erklärte Selenskyj dann, Cherson gehöre wieder "unserem Volk".

Für Russland stellte der Abzug eine herbe Niederlage dar. Cherson war die einzige Regionalhauptstadt, die die russischen Truppen erobert hatten. Für Moskau ist die Region zudem strategisch von großer Bedeutung, um die Offensive in Richtung Mykolajiw und zum Schwarzmeerhafen Odessa fortsetzen zu können. Darüber hinaus beherbergt Cherson den Kachowka-Staudamm, der die von Russland annektierte Halbinsel Krim mit Wasser versorgt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Ende September die Annexion von Cherson und drei weiteren ukrainischen Regionen verkündet. Cherson bleibe trotz des Truppenabzugs Teil des russischen Staatsgebiets, hatte der Kreml am Freitag betont.

L.Bufalini--PV

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