Pallade Veneta - Studie legt Problem sexualisierter Gewalt im Sport offen

Studie legt Problem sexualisierter Gewalt im Sport offen


Studie legt Problem sexualisierter Gewalt im Sport offen
Studie legt Problem sexualisierter Gewalt im Sport offen / Foto: FRANCK FIFE - SID

Der organisierte Vereinssport hat ein Problem mit sexualisierter Gewalt und sexuellem Kindesmissbrauch. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die erstmals eine große Anzahl von Berichten Betroffener und Zeitzeugen zu sexualisierter Gewalt im Sport detailliert hat auswerten lassen. Die Betroffenen erlebten den Missbrauch überwiegend im Leistungssport und wettkampforientierten Breitensport, seltener im Freizeitsport und Schulsport.

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Grundlage der Studie sind 72 Berichte von Betroffenen sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Die Auswertungen zeigen, dass zwei Drittel der Betroffenen sexualisierter Gewalt nicht nur einmal, sondern regelmäßig und zum Teil über einen langen Zeitraum ausgesetzt waren. In den meisten Fällen handelte es sich um (schwere) sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt.

Die Tatpersonen stammen vorwiegend aus dem direkten oder nahen Umfeld und sind männliche Trainer, Betreuer oder Lehrer. Zudem befanden die Tatpersonen sich meist in machtvollen Positionen. Fast ein Fünftel der ausgewerteten Berichte bezieht sich auf sexualisierte Gewalt im Rahmen des Sports in der DDR.

"Gerade die positive Erzählung des Sports macht es Betroffenen schwer, für ihr im Sport erfahrenes Unrecht und Leid Aufmerksamkeit und Hilfe zu erhalten", sagte Bettina Rulofs als leitende Autorin der Studie. Für diejenigen, die als Kind im Sport sexualisierte Gewalt erleben mussten, löse der Sport das Versprechen auf Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und sportliche Leistungsentwicklung nicht ein.

"Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs im Sport machen genau die gegenteilige Erfahrung: Ihnen entstanden lebenslängliche Schäden für die Gesundheit, Psyche sowie die Teilhabe am Sport und am gesellschaftlichen Leben", sagte Rulofs.

Betroffene erlebten häufig, dass ihre Erfahrungen negiert, bagatellisiert und verschleiert wurden. Heiner Keupp, Mitglied der Aufarbeitungskommission, forderte ein "Recht der Aufarbeitung" für die Betroffenen.

"Sportorganisationen müssen ein Interesse daran haben zu erfahren, was in ihrer Einrichtung in der Vergangenheit geschehen ist, auch um Kinder und Jugendliche besser schützen zu können. Darum braucht es ein gesetzlich verankertes Recht von Betroffenen auf Aufarbeitung, das gleichzeitig Institutionen dazu verpflichtet."

U.Paccione--PV

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