Pallade Veneta - In Kanada verabschiedetes UN-Artenschutzabkommen von vielen als "historisch" begrüßt

In Kanada verabschiedetes UN-Artenschutzabkommen von vielen als "historisch" begrüßt


In Kanada verabschiedetes UN-Artenschutzabkommen von vielen als "historisch" begrüßt
In Kanada verabschiedetes UN-Artenschutzabkommen von vielen als "historisch" begrüßt / Foto: ANDREJ IVANOV - AFP

Das auf der Weltnaturkonferenz COP15 im kanadischen Montreal verabschiedete Artenschutzabkommen ist von vielen Seiten als historischer Schritt im Kampf gegen die Umweltzerstörung gewertet worden. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete das Abkommen am Montag als Beginn eines "Friedenspaktes" mit der Natur. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) begrüßte es als "Schutzschirm für unsere Lebensgrundlagen", EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete es als "historisch". Auch Umweltverbände begrüßten die Beschlüsse, wiesen jedoch auf Schwachstellen hin.

Textgröße ändern:

Die 193 Teilnehmerländer hatten sich nach tagelangen Verhandlungen und einer nächtlichen Marathonsitzung auf das Abkommen namens "Kunming-Montreal" geeinigt. Es sieht vor, dass 30 Prozent der Land- und Meeresfläche der Erde bis 2030 zu Schutzgebieten erklärt werden. Zudem sollen Entwicklungsländern bis 2025 jährlich 20 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro) für Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Bis 2030 sollen es mindestens 30 Milliarden Dollar sein.

Die 23 in dem Abkommen vereinbarten Ziele umfassen auch die Streichung umweltschädlicher landwirtschaftlicher Subventionen. Die Länder verpflichten sich außerdem, die Rechte indigener Völker zu schützen. Weitere Punkte sind der Wiederaufbau zerstörter Natur sowie eine Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden.

Damit gelten wesentliche Ziele der UN-Biodiversitätskonferenz als erreicht. In manchen Punkten blieb das Abkommen aber hinter den Erwartungen zurück. So werden Unternehmen künftig lediglich dazu ermuntert, die Folgen ihrer Produktion für die Biodiversität bekannt zu geben - nicht verpflichtet.

Der knapp zweiwöchigen Konferenz waren bereits vier Jahre andauernde Verhandlungen vorausgegangen. Als deutsche Verhandlungsführerin nahm Umweltministerin Lemke teil. "Der Beschluss von Montreal spannt einen Schutzschirm für unsere Lebensgrundlagen auf. Die Staatengemeinschaft hat sich dafür entschieden, das Artenaussterben endlich zu stoppen", erklärte Lemke. Es sei "ein guter Tag für den weltweiten Natur- und Umweltschutz".

"Wir fangen endlich an, einen Friedenspakt mit der Natur zu schließen", sagte Guterres im UN-Hauptquartier in New York. Von der Leyen erklärte in Brüssel: "Die Weltgemeinschaft hat nun einen Fahrplan, um die Natur zu schützen und wiederherzustellen und sie nachhaltig zu nutzen." Dies gelte "für die heutigen und die künftigen Generationen". In die Natur zu investieren bedeute auch, den Klimawandel zu bekämpfen, fügte sie hinzu. Die Einigung ergänze deshalb das Pariser Klimaabkommen von 2015.

Kanadas Umweltminister Steven Guilbeault sprach von einem "Paris-Moment" für die biologische Vielfalt in Montreal. Sein französischer Kollege mahnte, dass nun jeder den Beschlüssen gerecht werden müsse um zu beweisen, dass es sich nicht nur "um ein Abkommen auf dem Papier" handele

Umweltverbände hatten die Verabschiedung des Artenschutzabkommens in seiner Bedeutung mit dem Pariser Klimaabkommen verglichen. Brian O'Donnell von der Nichtregierungsorganisation Campaign for Nature sprach von der bisher "größten Verpflichtung der Geschichte" zugunsten der Erhaltung von Meeren und Landflächen. Von den schätzungsweise acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde sind laut Wissenschaftlern des Weltbiodiversitätsrats IPBES eine Million vom Aussterben bedroht.

"Der Knoten ist heute geplatzt und die Verhandlungsstaaten haben es geschafft, sich auf ein lückenhaftes, aber letztlich überraschend gutes Rahmenwerk zu einigen", erklärte der die Umweltorganisation WWF. Die Beschlüsse seien ein "vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für den Planeten", erklärte WWF-Experte Florian Titze.

Der Präsident des Naturschutzbundes Nabu, Jörg-Andreas Krüger, sprach im Zusammenhang mit der Vereinbarung von "deutlichen Fortschritten". Allerdings fehlten "messbare Ziele, die den Biodiversitätsverlust durch die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, den Handel sowie den Finanzsektor aufhalten könnten".

Das Abkommen sei zwar "historisch", aber auch "ein Kompromiss", kommentierte die Wildlife Conservation Society. Der Beschluss hätte noch weiter gehen können. Regierungen sollten ihn deshalb als Basis und nicht als Obergrenze für globale Maßnahmen zur Beendigung der Krise betrachten.

I.Saccomanno--PV

Empfohlen

Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Was viele schon vermutet haben, ist nun auch offiziell bestätigt: Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

Inselparadies in Kenia fürchtet Folgen von gigantischem Raffinerieprojekt

Tourismus oder Industrie? Umwelt oder Öl? Der Startschuss für das größte Industrieprojekt aller Zeiten im ostafrikanischen Kenia bring die malerische Insel Lamu in eine Zwickmühle. Während sich die Bewohner des auch bei Prominenten beliebten Eilands durch die geplante Mega-Raffinerie teils überrumpelt fühlen, setzt die Regierung auf Fortschritt. Getrübt wird die Hoffnung auf Aufschwung und zehntausende Arbeitsplätze allerdings auch von der Sorge um wertvolle Ökosysteme.

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Neuer Rekord: Erneuerbare decken 61 Prozent des Stromverbrauchs bis Ende September

Die Bedeutung erneuerbarer Energien in Deutschland steigt: Trotz eines wachsenden Stromverbrauchs - unter anderem für Klimatisierung während der Hitzewellen im Sommer - erreichte der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen des Jahres knapp 61 Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor und ist demnach "ein neuer Rekord".

Textgröße ändern: