Pallade Veneta - Weltklimarat diskutiert über neuen Sachstandsbericht zur Erderwärmung

Weltklimarat diskutiert über neuen Sachstandsbericht zur Erderwärmung


Weltklimarat diskutiert über neuen Sachstandsbericht zur Erderwärmung
Weltklimarat diskutiert über neuen Sachstandsbericht zur Erderwärmung / Foto: ANGELOS TZORTZINIS - AFP/Archiv

Der Weltklimarat IPCC hat am Montag seine Beratungen anlässlich der Verabschiedung einer Zusammenfassung der drei Teile seines Sechsten Sachstandsberichts zur Erderwärmung begonnen. Bis Freitag werden Diplomaten aus fast 200 Ländern und Klimawissenschaftler im schweizerischen Interlaken über die etwa 20 Seiten lange Zusammenfassung der Forschungserkenntnisse der vergangenen Jahre zu den existenziellen Gefahren der Erderwärmung und dem sich daraus ergebenden Handlungsbedarf diskutieren.

Textgröße ändern:

Der Synthesebericht des sechsten IPCC-Sachstandsberichts soll am 20. März vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um die sogenannte Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. Indem sie die Kurzfassung des Berichts Zeile für Zeile durchgehen und den Text verabschieden, erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse offiziell an.

Der Synthesebericht führt die drei Berichtsteile zusammen, die sich mit den physikalischen Grundlagen des Klimawandels, den drastischen Folgen der Erderwärmung für Mensch und Natur sowie möglichen Gegenmaßnahmen beschäftigt haben.

Greenpeace-Expertin Kaisa Kosonen sprach von einem "gewaltigen Moment, sieben Jahre nach dem Übereinkommen von Paris und neun Jahre nach dem letzten IPCC-Sachstandsbericht". "Wissenschaftler sagen Regierungen, wie sie sich in diesen wichtigen, entscheidenden Jahren schlagen", sagte Kosonen der Nachrichtenagentur AFP.

Das Zeugnis ist nicht gut. Die weltweiten Treibhausgasemissionen sind weiter gewachsen. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist die durchschnittliche Temperatur auf der Erdoberfläche um mehr als 1,1 Grad Celsius gestiegen. Im Übereinkommen von Paris versprachen die teilnehmenden Länder, die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur auf "deutlich unter" zwei Grad Celsius, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad Celsius, zu beschränken.

Ein IPCC-Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel machte 2018 allerdings deutlich, wie verheerend bereits der Anstieg der Erderwärmung um ein weiteres halbes Grad auf zwei Grad wäre. Regierungen und Unternehmen übernahmen deswegen das ambitioniertere der beiden Ziele als angestrebtes Ergebnis.

Doch dessen Erreichen scheint immer unwahrscheinlicher. Das "Kohlenstoff-Budget" der Menschheit, um unter der 1,5-Grad-Grenze zu bleiben, beträgt laut IPCC weniger als 300 Milliarden Tonnen CO2, gerade einmal das siebenfache der derzeit jährlichen Emissionen.

Zwei weitere Sonderberichte - einer zu den Ozeanen und den Frostbereichen der Erde und einer zu Wäldern und Landnutzung - sollen ebenfalls in die Zusammenfassung einfließen.

Mitautor Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Der Synthesebericht ist wichtig, weil er das letzte IPCC-Produkt für einige Jahre sein wird sowie eine der Hauptquellen für Wissen in der ersten weltweiten Inventur nach dem Übereinkommen von Paris."

Der vollständige Sachstandsbericht soll vor der UN-Klimakonferenz COP28 in Dubai veröffentlicht werden. Er wird die Staaten mit der Unzulänglichkeit ihrer in Paris gegebenen Versprechen zur Emissionseinschränkung konfrontieren. Diese würden die weltweiten Temperaturen im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um 2,8 Grad steigen lassen.

O.Merendino--PV

Empfohlen

Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Was viele schon vermutet haben, ist nun auch offiziell bestätigt: Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

Inselparadies in Kenia fürchtet Folgen von gigantischem Raffinerieprojekt

Tourismus oder Industrie? Umwelt oder Öl? Der Startschuss für das größte Industrieprojekt aller Zeiten im ostafrikanischen Kenia bring die malerische Insel Lamu in eine Zwickmühle. Während sich die Bewohner des auch bei Prominenten beliebten Eilands durch die geplante Mega-Raffinerie teils überrumpelt fühlen, setzt die Regierung auf Fortschritt. Getrübt wird die Hoffnung auf Aufschwung und zehntausende Arbeitsplätze allerdings auch von der Sorge um wertvolle Ökosysteme.

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Neuer Rekord: Erneuerbare decken 61 Prozent des Stromverbrauchs bis Ende September

Die Bedeutung erneuerbarer Energien in Deutschland steigt: Trotz eines wachsenden Stromverbrauchs - unter anderem für Klimatisierung während der Hitzewellen im Sommer - erreichte der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen des Jahres knapp 61 Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor und ist demnach "ein neuer Rekord".

Textgröße ändern: