Pallade Veneta - Forderungen nach Abkehr von Fossilen prägen Gipfel-Segment von UN-Klimakonferenz

Forderungen nach Abkehr von Fossilen prägen Gipfel-Segment von UN-Klimakonferenz


Forderungen nach Abkehr von Fossilen prägen Gipfel-Segment von UN-Klimakonferenz
Forderungen nach Abkehr von Fossilen prägen Gipfel-Segment von UN-Klimakonferenz / Foto: Giuseppe CACACE - AFP

Eindringliche Appelle zu deutlich mehr Tempo beim Klimaschutz und zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas haben am Freitag die Beratungen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der UN-Klimakonferenz in Dubai geprägt. Am Nachmittag traf dort auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein. Er nahm zunächst am Start des von ihm maßgeblich unterstützten Klimaclubs teil, einer Koalition von inzwischen 36 Staaten, die sich als Vorreiter beim Klimaschutz verstehen.

Textgröße ändern:

"Wir können einen brennenden Planeten nicht retten mit einem Feuerwehrschlauch aus fossilen Brennstoffen", drang UN-Generalsekretär António Guterres auf das rasche Ende von deren Nutzung. Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, lasse sich nur einhalten, wenn "wir das Verbrennen aller fossilen Brennstoffe beenden", stellte er klar. Stattdessen müsse der Umstieg auf erneuerbare Energien beschleunigt werden. Auf dem Spiel stehe nichts anderes als "das Schicksal der Menschheit".

Der britische König Charles III., der erstmals als Staatsoberhaupt an einer Klimakonferenz teilnahm, forderte von den Teilnehmenden eine "entscheidende Wende im Kampf gegen die Erderwärmung". "Die Erde gehört nicht uns, wir gehören der Erde", betonte er. Die Welt sei bei der Senkung der Emissionen bislang "nicht auf einem guten Weg".

Auch weitere der mehr als 140 nach Dubai gereisten Staats- und Regierungschefs forderten entschlossenes Handeln gegen die Erderwärmung. Vor allem die G7-Gruppe wichtiger Industriestaaten sollten "ein Beispiel geben und sich zum Aus für die Kohle bis 2030 bekennen", forderte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Das Gipfeltreffen (World Climate Action Summit) findet offiziell parallel zu den eigentlichen Konferenzberatungen statt und soll diesen zusätzlichen Schwung verleihen.

Klimakonferenzpräsident Sultan Ahmed al-Dschaber, selbst Chef des staatlichen Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate, räumte ein, die Rolle fossiler Energien müsse neu betrachtet werden. In einem ersten Verhandlungstext, der in Dubai bekannt wurde, wird eine "Reduzierung" oder eine "Abkehr von fossilen Energien" vorgeschlagen.

Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva schlug in seiner Rede in Dubai einen neuen Fonds zum Schutz der großen tropischen Regenwälder vor und sicherte eine deutliche Senkung der brasilianischen Emissionen zu. Brasilien ist Gastgeber der UN-Klimakonferenz 2025.

Scholz rief auf der Gründungsveranstaltung des Klimaclubs dazu auf, "Strategien und Standards für eine kohlenstofffreie Industrie zu entwickeln". Genau dies soll eine zentrale Aufgabe des Clubs sein. "Uns eint die Überzeugung, dass der Klimawandel die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist", sagte Scholz weiter.

"Wir wollen, dass dekarbonisierte Industrieproduktion das Geschäftsmodell der Zukunft wird", beschrieb er das gemeinsame Ziel der Clubmitglieder. Als Beispiele nannte Scholz die Stahl- und Zementindustrie, wo die Abkehr von fossilen Energieträgern als besonders schwierig und aufwändig gilt. Dem Club gehören die meisten wichtigen Industriestaaten, aber auch mehrere Entwicklungsländer an - nicht jedoch wichtige Schwellenländer wie China oder Indien. Am Samstagvormittag will Scholz auch vor dem Plenum der Klimakonferenz sprechen.

Überschattet wurde die Klimakonferenz von dem Nahost-Konflikt. Die iranische Delegation reiste ab aus Protest dagegen, dass auch Israel an den Beratungen teilnimmt. Israels Präsident Isaac Herzog verließ Dubai vorzeitig, ohne seine geplante Plenarrede gehalten zu haben. Es gab am Rande des Konferenzgeschehens aber auch diverse bilaterale Gespräche, unter anderem mit US-Außenminister Antony Blinken. In mehreren Plenarreden vor allem arabischer Staatschefs spielte der Krieg im Gazastreifen ebenfalls eine Rolle.

L.Bufalini--PV

Empfohlen

Neuer Hitzerekord in Deutschland: 41,3 Grad in Saarbrücken

Neuer Hitzerekord in Deutschland: Mit 41,3 Grad ist an einer Wetterstation in Saarbrücken am Freitag die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen worden, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Bisher lag der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad - gemessen 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen. In Großbritannien wurde den dritten Tag in Folge der Hitzerekord für Juni geknackt. In ganz Europa sorgt die Hitze für Probleme bis hin zu Todesfällen.

Städtetag fordert Aufwertung des Hitzeschutzes in Kommunen

Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen fordert der Deutsche Städtetag eine Aufwertung des Hitzeschutzes in den Kommunen. Derzeit seien dies lediglich freiwillige Aufgaben, die "nur aus den Geldern bezahlt werden, die am Ende überhaupt noch übrig bleiben", sagte der Städtetags-Vizepräsident und Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) am Freitag dem RBB-Inforadio. Er warb dafür, den Hitzeschutz zu einer kommunalen Pflichtaufgabe zu machen.

Umweltorganisationen erringen Teilerfolg im Klimaprozess gegen TotalEnergies

Mehrere Umweltorganisationen haben in einem Klimaprozess gegen den Energiekonzern TotalEnergies einen Teilerfolg errungen. Ein Pariser Gericht verpflichtete das Unternehmen am Donnerstag, künftig auch die indirekten CO2-Emissionen in seinen Pflichtbericht zu Umwelt- und Gesundheitsrisiken aufzunehmen. Die Richter verzichteten jedoch darauf, dem Konzern konkrete Maßnahmen zur Reduzierung seines Öl- und Gasgeschäftes aufzuerlegen, wie die Kläger es gefordert hatten.

Hitzewelle in Frankreich: Drei Atomreaktoren abgeschaltet

Wegen der massiven Hitzewelle in Frankreich sind inzwischen drei Atomreaktoren abgeschaltet. Betroffen sind die Atomkraftwerke Bugey nahe Lyon an der Rhône, Nogent-sur-Seine westlich von Paris und Golfech im Süden des Landes. Grund seien "Umweltbedingungen", teilte der Kraftwerkbetreiber EDF am Donnerstag mit. Konkret geht es darum, die Temperatur der durch die Hitzewelle bereits aufgewärmten Flüsse durch das Kühlwasser der Reaktoren nicht noch weiter zu erhöhen.

Textgröße ändern: