Pallade Veneta - Klimaklage vor Schweizer Gericht: Anhörung von indonesischen Inselbewohnern gegen Zementkonzern

Klimaklage vor Schweizer Gericht: Anhörung von indonesischen Inselbewohnern gegen Zementkonzern


Klimaklage vor Schweizer Gericht: Anhörung von indonesischen Inselbewohnern gegen Zementkonzern
Klimaklage vor Schweizer Gericht: Anhörung von indonesischen Inselbewohnern gegen Zementkonzern / Foto: Fabrice COFFRINI - AFP/Archiv

Vor einem Schweizer Gericht haben Bewohner der indonesischen Insel Pari eine Klimaklage gegen den Zementkonzern Holcim vorgetragen. Die erste Anhörung der Kläger endete am Mittwoch vor dem Kantonsgericht Zug nach drei Stunden. Ob sich das Gericht mit der Klage befassen wird, blieb zunächst offen. Die vier Kläger fordern Kompensationszahlungen, weil ihre Insel Pari durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist. Holcim gehört laut Forschern zu den hundert Unternehmen der Welt, die am meisten CO2 ausstoßen.

Textgröße ändern:

"Im Kern geht es in diesem Fall um Klimagerechtigkeit", sagte Anwältin Nina Burri von dem Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks), das die indonesischen Inselbewohner unterstützt. Es gehe darum, ob die Kläger "die Kosten tragen müssen, die sie nicht verursacht haben, oder ob die großen Verschmutzer für die von ihnen verursachten Emissionen und Schäden verantwortlich und haftbar gemacht werden müssen".

Der Fall von Pari ist der erste, in dem ein großer Zementhersteller verklagt wird. Zudem ist es das erste Mal, dass eine Schweizer Firma wegen ihrer mutmaßlichen Verantwortung für derartige Klimaschäden verklagt wird.

Die Bewohner von Pari fordern jeweils Schadenersatz in Höhe von umgerechnet etwa 3850 Euro. Zudem verlangen sie Schutzmaßnahmen wie den Bau von Wellenbrechern. Darüber hinaus müsse Holcim laut den Klägern seine Treibhausgasemissionen um 43 Prozent bis 2030 und um 69 Prozent bis 2040 reduzieren.

Sie hoffe, dass der Fall für Opfer des Klimawandels auf der ganzen Welt zur Inspiration werde, sagte die Inselbewohnerin Asmania vor der Anhörung vor Journalisten. Die 42-Jährige, die wie viele Indonesier nur einen Namen trägt, hat durch den Meeresspiegelanstieg bereits ihre Algenfarm verloren. Durch die Überschwemmungen sei auch Schmutz und Öl in ihre Fischfarm gespült worden. Von 500 kleinen Jungfischen zum Jahresbeginn seien jetzt nur noch neun übrig, sagte Asmania. Ihr Einkommen liege bei "null".

Die Produktion von Zement ist für etwa acht Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Der Zementriese Holcim hatte zuvor betont, dass "die Frage, wer CO2 ausstoßen darf", per Gesetz und nicht durch ein Zivilgericht beantwortet werden müsse. Nach der Anhörung erklärte das Unternehmen jedoch, dass es sich "voll und ganz dazu verpflichtet, bis 2050 Netto-Null zu erreichen, wobei Nachhaltigkeit im Mittelpunkt unserer Strategie steht".

Klimaklagen gegen Regierungen und Konzerne haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Dabei ist es häufig das Ziel, große Unternehmen für die Klimaschäden verantwortlich zu machen, die die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen, insbesondere im globalen Süden, zerstören.

D.Vanacore--PV

Empfohlen

Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Was viele schon vermutet haben, ist nun auch offiziell bestätigt: Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

Inselparadies in Kenia fürchtet Folgen von gigantischem Raffinerieprojekt

Tourismus oder Industrie? Umwelt oder Öl? Der Startschuss für das größte Industrieprojekt aller Zeiten im ostafrikanischen Kenia bring die malerische Insel Lamu in eine Zwickmühle. Während sich die Bewohner des auch bei Prominenten beliebten Eilands durch die geplante Mega-Raffinerie teils überrumpelt fühlen, setzt die Regierung auf Fortschritt. Getrübt wird die Hoffnung auf Aufschwung und zehntausende Arbeitsplätze allerdings auch von der Sorge um wertvolle Ökosysteme.

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Neuer Rekord: Erneuerbare decken 61 Prozent des Stromverbrauchs bis Ende September

Die Bedeutung erneuerbarer Energien in Deutschland steigt: Trotz eines wachsenden Stromverbrauchs - unter anderem für Klimatisierung während der Hitzewellen im Sommer - erreichte der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen des Jahres knapp 61 Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor und ist demnach "ein neuer Rekord".

Textgröße ändern: