Pallade Veneta - EU-Greenwashing-Verbot: Handelsverband fordert Übergangsfristen

EU-Greenwashing-Verbot: Handelsverband fordert Übergangsfristen


EU-Greenwashing-Verbot: Handelsverband fordert Übergangsfristen
EU-Greenwashing-Verbot: Handelsverband fordert Übergangsfristen / Foto: Nicolas TUCAT - AFP

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat vor negativen Auswirkungen durch die EU-Regeln zum Schutz vor Greenwashing gewarnt, die in Deutschland ab Ende September gelten. Es drohe "die Vernichtung von Waren und Verpackungen in großem, kaum absehbarem Umfang", erklärte der HDE am Dienstag in Berlin. Die EU-Kommission müsse daher "praktikable Übergangs- und Abverkaufsfristen" ermöglichen, forderte der Verband.

Textgröße ändern:

Hintergrund ist, dass die zuständigen EU-Organe sich bereits 2023 darauf geeinigt hatten, dass allgemeine Werbeslogans wie "umweltfreundlich", "klimaneutral" oder "biologisch abbaubar" verboten werden, wenn es keine belastbaren Belege für die Werbebehauptungen gibt. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen Angaben zur Nachhaltigkeit von Produkten so leichter vergleichen können. Zur nationalen Umsetzung dieser EU-Vorgaben war in Deutschland das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb entsprechend geändert worden; es tritt am 27. September 2026 in Kraft.

Der HDE warnte nun, dass "unzählige bereits produzierte und im Lager der Unternehmen befindliche Produkte und Verpackungen aller Sortimente" ab dann nicht mehr rechtskonform seien und nicht mehr verkauft werden dürften. "Dies ist eine Folge der fehlenden, beziehungsweise unzureichenden Abverkaufs- und Übergangsbestimmungen in der Richtlinie", kritisierte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Zwar habe die EU mit dem europäischen Verbraucherschutz-Netzwerk CPC ein Einvernehmen darüber erzielt, wonach Behörden bei der Rechtsdurchsetzung den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit berücksichtigen sollen, um Warenvernichtungen zu vermeiden, erläuterte der Handelsverband. Für deutsche Händler sei dies jedoch "weitgehend wertlos", da die Rechtsdurchsetzung durch private klagebefugte Einrichtungen wie Wirtschafts- oder Verbraucherverbände erfolge, die an die Empfehlungen des CPC-Netzwerks nicht gebunden seien.

Um Abmahnungen und Unterlassungsklagen zu vermeiden, müssten deutsche Händler daher weiterhin ab dem 27. September "alle nicht mehr rechtskonformen Produkte aus dem Sortiment nehmen und vernichten", erklärte der HDE. "Der von der EU angestrebte verbesserte Umweltschutz und die intendierten Nachhaltigkeitsziele werden so konterkariert", kritisierte Hauptgeschäftsführer Genth. "Die EU-Kommission sollte die Richtlinie deshalb endlich um praxisgerechte Übergangs- und Abverkaufsfristen ergänzen", forderte er.

T.Galgano--PV

Empfohlen

Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Was viele schon vermutet haben, ist nun auch offiziell bestätigt: Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

Inselparadies in Kenia fürchtet Folgen von gigantischem Raffinerieprojekt

Tourismus oder Industrie? Umwelt oder Öl? Der Startschuss für das größte Industrieprojekt aller Zeiten im ostafrikanischen Kenia bring die malerische Insel Lamu in eine Zwickmühle. Während sich die Bewohner des auch bei Prominenten beliebten Eilands durch die geplante Mega-Raffinerie teils überrumpelt fühlen, setzt die Regierung auf Fortschritt. Getrübt wird die Hoffnung auf Aufschwung und zehntausende Arbeitsplätze allerdings auch von der Sorge um wertvolle Ökosysteme.

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

Neuer Rekord: Erneuerbare decken 61 Prozent des Stromverbrauchs bis Ende September

Die Bedeutung erneuerbarer Energien in Deutschland steigt: Trotz eines wachsenden Stromverbrauchs - unter anderem für Klimatisierung während der Hitzewellen im Sommer - erreichte der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen des Jahres knapp 61 Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor und ist demnach "ein neuer Rekord".

Textgröße ändern: