Pallade Veneta - Große Ideen und kleine Fortschritte auf Pariser Klima-Finanzgipfel

Große Ideen und kleine Fortschritte auf Pariser Klima-Finanzgipfel


Große Ideen und kleine Fortschritte auf Pariser Klima-Finanzgipfel
Große Ideen und kleine Fortschritte auf Pariser Klima-Finanzgipfel / Foto: Thomas SAMSON - AFP

In Paris ist der Gipfel für einen internationalen Klima-Finanzpakt ohne neue gemeinsame Verpflichtungen, aber mit kleinen Fortschritten zur Unterstützung von ärmeren Ländern zu Ende gegangen. Die etwa 40 Staats- und Regierungschefs bei der Konferenz seien sich einig, dass die globale Finanzarchitektur reformiert werden müsse, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Freitag. "Das Finanzsystem muss effizienter und gerechter werden", betonte Macron. Er sprach sich dafür aus, auf einer weiteren Konferenz in zwei Jahren die Fortschritte zu überprüfen.

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) setzte sich unter anderem dafür ein, Rohstoffe verstärkt in den Ländern zu verarbeiten, in denen sie gefördert werden. Dies schaffe auch Arbeitsplätze, fügte er hinzu. Zudem sei es nötig, die Produktion von Düngemitteln weltweit zu fördern, um nicht von wenigen Ländern abhängig zu sein.

Für eine CO2-Steuer auf die Schifffahrt zeichnete sich ein Konsens von gut zwei Dutzend Ländern ab, die dieses Thema weiter vorantreiben wollen. Macron appellierte an die USA, China und mehrere europäische Staaten, sich ebenfalls daran zu beteiligen. "Eine internationale Steuer funktioniert nur, wenn alle mitmachen", sagte er. Die Schifffahrt sei einer der Sektoren, für die bislang keine CO2-Abgaben vorgesehen sind.

Scholz nannte dies einen "erwägenswerten Vorschlag". Er verwies aber darauf, dass dabei die Interessen von Inselstaaten berücksichtigt werden sollten, die zum Teil nur über große Distanzen per Schiff erreichbar sein.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kritisierte die internationale Klimapolitik. "Wer hält sich an das Kyoto-Protokoll? Wer setzt die Entscheidungen der Klimakonferenzen von Kopenhagen und Paris um?", rief er in einer leidenschaftlichen Rede. Lula beklagte das internationale Finanzsystem und seine -institutionen: "Mit diesem Mechanismus sind die Reichen immer reich und die Armen immer arm."

"Wir haben nur diesen Planeten, wir müssen zusammenarbeiten, um ihn zu verbessern", forderte Mia Mottley, Ministerpräsidentin des karibischen Inselstaats Barbados. Sie zeigte sich erfreut, dass die Weltbank bereit sei, mehr Rücksicht auf Klimakatastrophen zu nehmen und sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem "guten Tag". Der neue Weltbankchef Ajay Banga kündigte an, eine "Pause" bei der Rückzahlung von Schulden zu ermöglichen, wenn ein Land von einer Klimakatastrophe betroffen ist.

Die Entwicklungsorganisation One Deutschland begrüßte die Entwicklung. Nun gelte es, konkrete nächste Schritte für einen Fonds zum Ausgleich für klimabedingte Schäden ("Loss and Damage") und eine nachhaltige Klimafinanzierung zu erarbeiten, erklärte One-Direktor Stephan Exo-Kreischer.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva hatte am Donnerstag bei der Konferenz mitgeteilt, dass die 2021 versprochenen 100 Milliarden Dollar (91 Milliarden Euro) für Klimaschutz in armen Ländern in Form von Sonderziehungsrechten erreicht seien. Dabei handelt es sich um eine Art Währungsreserven für die IWF-Mitgliedsstaaten.

Klimaschützer kritisierten hingegen die ihrer Ansicht nach zu geringen Fortschritte. Die Schwedin Greta Thunberg, die am Freitag mit anderen Aktivisten ein menschliches Dollarzeichen auf dem Place de la République in der französischen Hauptstadt bildete, forderte den Ausstieg aus der Finanzierung von Gas und Öl. "Die reichen Staaten und ihre Banken müssen die Abkehr von fossilen Brennstoffen finanzieren anstatt die Klimakrise weiter anzuheizen", betonte sie.

Die Vizepräsidentin der NGO Global Citizen, Friederike Röder, sprach von "einigen Fortschritten", etwa den Forderungen nach internationalen Steuern, insbesondere in der Schifffahrt. "Doch der kollektive Elan, den wir angesichts der Klimakrise brauchen, fehlte in Paris völlig", kritisierte sie.

Oxfam sprach mit Blick auf den Gipfel von einem "Recycling alter und bislang nicht eingehaltener Versprechen". "Der Berg hat eine Maus geboren", beklagte Greenpeace Frankreich angesichts der kleinen Fortschritte auf dem Treffen.

Macron hatte zu dem Gipfel eingeladen, um eine Reform der Finanzarchitektur anzuschieben. Armutsbekämpfung und Klimaschutz seien nicht mehr voneinander zu trennen.

A.dCosmo--PV

Empfohlen

Copernicus: Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor

Der Sommer in Europa war so heiß und trocken wie nie zuvor. Wie der EU-Klimadienst Copernicus am Freitag mitteilte, kletterten in mehr als der Hälfte Westeuropas die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.

"Katastrophales Jahr": Schweizer Gletscher verloren 2026 mehr als fünf Prozent Eis

Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben den Gletschern in der Schweiz laut einer Studie in diesem Jahr massiv zugesetzt - und damit die anhaltende Gletscherschmelze weiter vorangetrieben. Die Gletscher in der Alpenrepublik verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Das Jahr 2026 verzeichnete demnach den zweitstärksten Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen.

Deutscher Wetterdienst: September außergewöhnlich warm und sonnig

Nach dem Hitzesommer ist auch der September außergewöhnlich warm und sonnig ausgefallen. Vor allem das Monatsende war deutlich wärmer als üblich, wie der Deutsche Wetterdienst am Dienstag in Offenbach mitteilte. Sommerliche Temperaturen wechselten sich mit herbstlich frischen Nächten und Tagen ab. Insgesamt war der erste Herbstmonat im Jahr 2026 ungewöhnlich warm und vor allem im Süden außergewöhnlich sonnig.

Bilger will mit Ländern weitere Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw prüfen

Mit Blick auf die sinkenden Pegelstände an deutschen Flüssen hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) weitere Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw angekündigt. "Die Lage ist weiterhin sehr angespannt. Es hat erneut zu wenig geregnet, und die Wasserstände sind weiterhin sehr niedrig", sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" von Dienstag. Zusammen mit seinen Länderkollegen prüfe er, wie sich über September hinaus die notwendige Flexibilität für die Unternehmen sicherstellen lasse.

Textgröße ändern: