Pallade Veneta - Wirtschaftsleistung im vierten Quartal merklich um 0,4 Prozent geschrumpft

Wirtschaftsleistung im vierten Quartal merklich um 0,4 Prozent geschrumpft


Wirtschaftsleistung im vierten Quartal merklich um 0,4 Prozent geschrumpft
Wirtschaftsleistung im vierten Quartal merklich um 0,4 Prozent geschrumpft / Foto: Yuki IWAMURA - AFP

Deutschlands Wirtschaftsleistung ist zum Ende des vergangenen Jahres merklich geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging im Vergleich zum dritten Quartal um 0,4 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Damit verdichten sich die Anzeichen für eine technische Rezession über die Wintermonate.

Textgröße ändern:

In seiner ersten vorläufigen Berechnung von Ende Januar war das Bundesamt noch von minus 0,2 Prozent ausgegangen. Der schlechtere Wert ändert aber nichts an der Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2022: Deutschlands Wirtschaft wuchs um 1,8 Prozent zum Vorjahr, wie die Statistiker betonten.

Zum Jahresende belasteten die weiterhin starken Preissteigerungen und die anhaltende Energiekrise die deutsche Wirtschaft. Das machte sich demnach besonders bei den privaten Konsumausgaben bemerkbar: Sie gingen im vierten Quartal um 1,0 Prozent zurück. Nach dem Wegfall von Vergünstigungen wie Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher weniger für Konsumzwecke aus als im dritten Quartal, wie die Statistiker erläuterten.

Auch die Investitionen gingen zurück, etwa die Bauinvestitionen um 2,9 Prozent. Im Gesamtjahr 2022 brachen die Aufträge in der Baubranche preisbereinigt um fast zehn Prozent ein, wie das Statistikamt am Freitag ebenfalls mitteilte.

Im vierten Quartal schrumpften die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge um 3,6 Prozent. Die Exporte Deutschlands sanken um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, die Importe um 1,3 Prozent. Dies sei vor allem den hohen Preisen für Energie geschuldet, erklärten die Statistiker. Das habe sich unter anderem im schwächeren Handel mit chemischen Produkten bemerkbar gemacht.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, hält für das laufende Quartal eine weitere Schrumpfung der Wirtschaftsleistung für "nicht unwahrscheinlich, wenn auch noch nicht ausgemacht". Bei einem Minus im ersten Quartal 2023 "hätte Deutschland tatsächlich über den Winter eine Rezession erlebt".

Ab dem Frühjahr sei dann mit einer "gewissen wirtschaftlichen Erholung zu rechnen". Damit wäre die deutsche Wirtschaft zunächst "mit einem blauen Auge durch die Energiekrise gekommen", erklärte Dullien. "Insgesamt sind allerdings die Aussichten für das Gesamtjahr 2023 nicht rosig. Das Wachstum dürfte im Jahresvergleich nahe an der Stagnationsgrenze liegen."

"Die deutsche Wirtschaft hat überraschend mehr Widerstandskraft gezeigt als gedacht", erklärte der ING-Analyst Carsten Brzeski. Dies habe viel mit staatlicher Unterstützung und dem milden Winter zu tun und "ist definitiv keine Garantie für einen baldigen starken Aufschwung".

Die Konjunkturexperten der Förderbank KfW erwarten für 2023 eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. "Berücksichtigt man, dass 2023 zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung stehen als 2022 und allein diese Fluktuation der Arbeitstagezahl 0,2 Prozentpunkte Wachstum kostet, entspricht unsere neue Prognose materiell einer Stagnation im laufenden Jahr", erklärte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

"Trotz absehbar nachlassendem Inflationsdruck wird die Geldentwertung ein Belastungsfaktor bleiben und im laufenden Jahr zu rückläufigen privaten Konsumausgaben führen", erklärte sie. "Erst 2024 ist bei dann wohl wieder positiver Reallohnentwicklung mit einer Erholung zu rechnen."

S.Urciuoli--PV

Empfohlen

Steinmeier vor Besuch in Frankreich: Internationale Entwicklung macht uns Sorge

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat vor seinem Abflug zu einem Staatsbesuch in Frankreich auf die "schwierigen Zeiten" verwiesen, in denen sich Europa befinde. "Die internationale Entwicklung macht uns Sorge", sagte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Nicht nur sei der Krieg nach Europa zurückgekehrt, auch seien die internationalen Handelsbeziehungen gestört und die Gesellschaften polarisiert. Dies betreffe Frankreich genauso wie Deutschland.

Trotz Handelshürden: Globalisierung erreicht laut Studie dank KI-Boom Rekordwert

Ungeachtet höherer Zölle und geopolitischer Konflikte ist der Welthandel einer Auswertung zufolge zuletzt gewachsen und dürfte auch in den kommenden Jahren weiter zulegen. Starken Schwung verleihe dem internationalen Handel das "globale Rennen um den Aufbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz", teilten der Logistikriese DHL und die New Yorker Stern School of Business am Mittwoch mit. Die Globalisierung erreichte demnach bereits im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert.

Raffineriemargen von Shell erreichen Rekordhoch

Der britische Energieriese Shell profitiert derzeit von deutlich höheren Raffineriemargen. Im dritten Quartal wuchs die Spanne um 75 Prozent zum Vorquartal, wie Shell am Mittwoch mitteilte. Die Differenz zwischen dem Rohölpreis und den daraus in den Raffinerien gewonnenen Kraftstoffen stieg demnach auf 42 Dollar je Barrel (159 Liter); im zweiten Quartal hatte die Marge noch 24 Dollar betragen.

Tankrabatt kommt größtenteils bei Autofahrern an - Spritpreise deutlich gesunken

Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt kommt nach Einschätzung von Experten des Ifo-Instituts sowie des ADAC nicht komplett, aber größtenteils bei den Autofahrern an. "Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben", erklärte Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, am Mittwoch. Beim Superbenzin E5 seien es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent gewesen.

Textgröße ändern: