Pallade Veneta - Fälle von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen in Coronakrise verdoppelt

Fälle von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen in Coronakrise verdoppelt


Fälle von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen in Coronakrise verdoppelt
Fälle von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen in Coronakrise verdoppelt / Foto: FREDERIC J. BROWN - AFP/Archiv

Die Folgen der Coronapandemie haben einer Untersuchung der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zufolge zu einer Verdopplung der Fälle von Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen geführt. Wie die DAK am Dienstag in Hamburg mitteilte, zeigen mehr als 600.000 Minderjährige "ein pathologisches Nutzungsverhalten" bei sozialen Medien, Streaming oder Computerspielen. Das entspricht mehr als sechs Prozent der Altersgruppe.

Textgröße ändern:

Die Längsschnittstudie bildet nach Angaben der Krankenkasse die Entwicklung zwischen 2019 und 2022 ab und erlaubt damit einen Vergleich der Zeit vor und nach der Coronakrise. Dabei wurden in bundesweit 1200 Familien zu unterschiedlichen Zeitpunkten Daten zur Medien- und Computernutzung von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren abgefragt.

Die Untersuchung erfasst laut DAK sowohl als problematisch oder riskant eingestuftes Nutzungsverhalten wie auch noch schwerere Fälle, in denen von einer krankhaften Sucht zu sprechen ist. Grundlage für die Einstufungen sind offizielle Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die Zahl der mit Blick auf Computerspiele als abhängig eingestuften Jungen und Mädchen stieg demnach zwischen 2019 und 2002 von 2,7 Prozent auf 6,3 Prozent, was hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung einer Zahl von rund 330.000 entspricht. Dazu kam laut DAK ein vergleichbarer Anstieg von 3,2 Prozent auf 6,7 Prozent bei krankhafter Abhängigkeit von Angeboten im Bereich Social Media. Dies entspricht weiteren rund 350.000 Betroffenen.

Dazu kommen der Untersuchung zufolge noch die Kinder und Jugendlichen mit einem generell als riskant eingeschätzten Konsumverhalten, das die Grenze zur Sucht noch nicht überschreitet. Die Gesamtzahl der Minderjährigen in beiden Gruppen in Deutschland lag demnach 2022 bei rund 2,2 Millionen.

"Die Ergebnisse unserer Studie machen erneut deutlich, dass die andauernde Covid-19-Pandemie unseren Umgang mit digitalen Medien nachhaltig verändert hat und dass insbesondere Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen litten", erklärte Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters im UKE. Bei manchen Nutzern dienten diese dazu, Gefühle von Einsamkeit, Stress oder auch Kontrollverlust zu kompensieren. Sie seien daher besonders gefährdet.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sprach von hochgradig alarmierenden Zahlen. Wenn nun nicht schnell gehandelt werde, rutschten immer mehr Kinder und Jugendliche "in die Mediensucht - und der negative Trend kann nicht mehr gestoppt werden", erklärte er. Dadurch würden Familien zerstört und die Zukunft vieler junger Menschen bedroht. Präventions- und Hilfsangebote müssten ausgebaut und neue Akzente in der Bildungs- und Familienpolitik gesetzt werden. Die Risiken der Mediennutzung müssten vermittelt werden.

F.M.Ferrentino--PV

Empfohlen

Igel oder Eule statt Churchill: Neue Pfund-Scheine zeigen künftig Tiermotive

Neue Geldscheine für das britische Pfund sollen künftig Igel, Eulen und andere Tiere zeigen - anstelle von Winston Churchill, Jane Austen und anderen britischen Persönlichkeiten. Der Papageientaucher, die Schleiereule, die Dunkle Erdhummel und der Braunbrustigel seien bei einer Umfrage ausgewählt worden, an der 500.000 Britinnen und Briten teilgenommen hätten, erklärte die Bank of England (BoE) am Donnerstag.

Verbände fordern schärfere EU-Regeln für Produkte aus Drittstaaten

Ein Zusammenschluss aus Markenherstellern, Handel und Verbraucherschützern fordert schärfere EU-Regeln für Produkte von außerhalb der Europäischen Union. "Wer Produkte in Europa verkauft, muss auch in Europa rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können", erklärten Markenverband, Handelsverband Deutschland (HDE) und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Donnerstag. Sie forderten die Bundesregierung dazu auf, sich dafür beim geplanten Gesetzespaket European Product Act der EU einzusetzen.

Deutsche Exporte im August leicht gesunken - Anstieg im Vergleich zum Vorjahr

Deutschlands Exporte sind im August im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken: Sie gingen um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Im Vergleich zum August 2025 legten die Ausfuhren damit aber um 6,2 Prozent zu. Deutschlands Exporte sind ein Grund für das Wirtschaftswachstum dieses Jahr - die Forschungsinstitute erwarten ein Plus von 1,3 Prozent.

Leitende Informatikerin für Apollo-Programm der Nasa: Margaret Hamilton mit 90 Jahren gestorben

Sie war entscheidend am Apollo-Mondprogramm der Nasa beteiligt und galt als eine Pionierin der Informatik: Nun ist die US-Wissenschaftlerin Margaret Hamilton im Alter von 90 Jahren gestorben. Sie starb bereits am 30. September, wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), an dem sie lange forschte, am Mittwoch mitteilte. Der Chef des US-Raumfahrtbehörde Nasa, Jared Isaacmen, bezeichnete Hamilton im Onlinedienst X als "eine Pionierin, deren Arbeit dazu beitrug, Apollo und die ersten Reisen der Menschheit zum Mond zu ermöglichen".

Textgröße ändern: