Pallade Veneta - Studie erwartet Verlust industrieller Produktionskapazitäten in Europa

Studie erwartet Verlust industrieller Produktionskapazitäten in Europa


Studie erwartet Verlust industrieller Produktionskapazitäten in Europa
Studie erwartet Verlust industrieller Produktionskapazitäten in Europa / Foto: JENS SCHLUETER - AFP/Archiv

International tätige Industrieunternehmen werden in den kommenden Jahren einer Studie der Unternehmensberatung Horváth zufolge in größerem Umfang Produktionskapazitäten in West- und Südeuropa abbauen. 30 Prozent der in der Region ansässigen Firmen planten in den nächsten fünf Jahren einen Abbau von Personal oder Fertigungsanlagen, heißt es in der Untersuchung, die der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag vorlag. Zugleich wollten diese Produktionskapazitäten in Nordamerika und Asien ausbauen, dort unter anderem insbesondere in Indien.

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Insgesamt rechnen die befragten Unternehmen laut Horváth mit einem weiteren weltweiten Wirtschaftswachstum und einem damit zusammenhängenden Ausbau von Personal- und Produktionskapazitäten. Dieser kommt demnach allerdings nicht europäischen Standorten zu Gute, sondern Fabriken in anderen Weltregionen.

Wesentliche Treiber hinter der Entwicklung sind demnach im Vergleich hohe Personalkosten. Dazu kommt das Bestreben von Firmen, Produktion und Absatz aus Kostengründen regional zu bündeln. Asien etwa wird als Absatzmarkt zunehmend wichtiger. Fehlende Arbeits- und Fachkräfte in Europa sind ein weiterer Grund.

Die Untersuchung basiert auf Befragungen von mehr als 430 Mitgliedern der Führungsebene global agierender Unternehmen zur strategischen Ausrichtung in den kommenden fünf Jahren. Darunter waren mehr als 230 Industrieunternehmen. Die meisten Firmen erwirtschaften mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz.

Osteuropa wird der Studie zufolge dabei wegen günstigerer Personalkosten im Gegensatz zu Mittel-, West- und Südeuropa als Standort indessen weiterhin noch gefragt bleiben. 58 Prozent der Firmen wollen dort weiterhin investieren. Hauptsächlich planen die Unternehmen jedoch den Ausbau ihrer Kapazitäten in Nordamerika (71 Prozent) und Asien. Dort wird vor allem Indien profitieren, wo 79 Prozent der Firmen mittelfristig Kapazitäten auf- oder ausbauen wollen.

Auch Länder wie Indonesien und Vietnam werden der Analyse zufolge als Standorte für Produktionsanlagen zunehmend interessanter, während China als die ehemals bevorzugte Produktionsstätte an Relevanz verliert. Zugleich wird China als Absatzmarkt für Unternehmen aber wichtiger, weshalb immer noch 61 Prozent ihre Aktivitäten dort ausbauen wollen. Nur elf Prozent wollen sie reduzieren.

Die Untersuchung fügt sich ein in zunehmende Debatten über eine Verlagerung industrieller Prozesse weg aus Europa. So hatte der Solarzellenhersteller Meyer Burger erst kürzlich bekanntgegeben, seine Produktion in den USA auszubauen. Er begründete dies mit Milliardensubventionen. Der Industriekonzern Siemens wiederum kündigte Zukunftsinvestitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro an, die vor allem in Werke und Forschungszentren in China und Singapur fließen.

Horváth-Studienleiter Ralf Sauter warnte: "In den kommenden Jahren stehen bedeutsame Verlagerungen von Produktionsstätten und Wertschöpfungsketten aus West- und Südeuropa nach Nordamerika und nach Asien bevor." Laut Untersuchung sollten Deutschland und andere Staaten in Mitteleuropa ihre "Rahmenbedingungen gerade in Bezug auf Rohstoffverfügbarkeit, Energiekosten und Fachkräfte mit Hochdruck" verbessern. Würden Firmen erst abwandern, kämen sie nicht zurück.

H.Ercolani--PV

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