Pallade Veneta - Pakt für weniger Bürokratie: Lob aus der Wirtschaft - Kritik von Umweltverbänden

Pakt für weniger Bürokratie: Lob aus der Wirtschaft - Kritik von Umweltverbänden


Pakt für weniger Bürokratie: Lob aus der Wirtschaft - Kritik von Umweltverbänden
Pakt für weniger Bürokratie: Lob aus der Wirtschaft - Kritik von Umweltverbänden / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Wirtschaftsverbände haben den Pakt für Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsbeschleunigung von Bund und Ländern begrüßt. Sie mahnten am Dienstag aber auch eine rasche Umsetzung an. Kritik an den Plänen kam von Umweltorganisationen.

Textgröße ändern:

Bund und Länder vereinbarten bei ihrem Spitzentreffen am Montagabend den 28 Seiten umfassenden Deutschlandpakt, der das Planen und Bauen von Wohnungen, Stromleitungen, Mobilfunkmasten oder Schienen einfacher und schneller machen soll. Die Vereinbarung soll dazu beitragen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt. Erste Ergebnisse sollen im ersten Quartal 2024 vorliegen.

Im Baubereich etwa könnten mit den vereinbarten Maßnahmen "Baulücken geschlossen, Dächer leichter aufgestockt oder brachliegende Flächen in Wohnraum umgewandelt werden", erklärte Bauministerin Klara Geywitz (SPD). Für eine bestimmte Zeit könne etwa mit Einverständnis der Gemeinde vor Ort auf einen Bebauungsplan verzichtet werden.

Die Länder würden zudem ihre rechtlichen Vorgaben vereinfachen und vereinheitlichen. "Bislang mussten Bauunternehmen in jedem Bundesland separate Baupläne vorlegen, weil es zum Beispiel besondere Vorgaben für die Höhe von Geländern gab." Künftig könne durch einheitliche Vorgaben deutschlandweit schneller geplant und gebaut werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lobte die geplante Standardisierung von Prüfschritten im Genehmigungsverfahren für Energienetze und -anlagen. "Eine große Hebelwirkung" könne auch die angedachte Digitalisierung von Prozessen entfalten, angefangen bei einer digitalen Öffentlichkeitsbeteiligung bei Infrastrukturprojekten bis zur Digitalisierung aller Verfahrensschritte.

"Gut ist, dass zukünftig auch künstliche Intelligenz (KI) in Genehmigungsverfahren eingesetzt werden soll." Sie könne bestimmte Prüfschritte schnell und ergebnisfokussiert übernehmen, so dass sich das Personal der Behörden auf die schwierigen Fragen konzentrieren kann. Zu begrüßen sei auch, dass der Deutschlandpakt ein klares Bekenntnis dazu gebe, dass Grundstückseigentümer Leitungen zum Anschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen dulden müssen, so der BDEW.

Geplant ist auch der erleichterte Ausbau von Mobilfunknetzen. Hier soll etwa die Genehmigung für neue Sendemasten als erteilt gelten, wenn eine vorgegebene Frist abgelaufen sind. Beim Ausbau der Schieneninfrastruktur will der Bund für die wichtigsten Projekte ein überragendes öffentliches Interesse festlegen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer wertete den Pakt insgesamt als "sehr starkes Zeichen". Er lasse hoffen, dass sich das oft versprochene Deutschland-Tempo nun "bald in der Praxis" zeige. Jetzt müssten den Beschlüssen allerdings auch schnell konkrete Taten folgen. "Nur wenn die Betriebe die Entlastungen im Alltag erleben, können sie wieder Zuversicht entwickeln und investieren." Auch der BDEW mahnte eine "rasche Umsetzung" an.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) nannte alle Punkte zur Beschleunigung des Wohnungsbaus "extrem sinnvoll". Weniger Planungs- und Genehmigungszeit bedeute auch weniger Kosten und damit geringere Mieten.

Deutliche Kritik an den Plänen äußerten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die DUH befürchtet, dass Beteiligungsrechte für Bürgerinnen und Bürger "massiv" eingeschränkt und Umweltstandards zugunsten der Industrie abgesenkt werden könnten. Der BUND kritisierte, mit dem Deutschlandpakt werde "vor allem klima- und umweltschädliches Bauen beschleunigt". Die dringend notwendige Beschleunigung für den Naturschutz und den naturbasierten Klimaschutz bleibe aus.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) versicherten in einer gemeinsamen Erklärung, bei der Umsetzung des Paktes darauf zu achten, dass Umwelt- und Naturschutzstandards nicht gesenkt werden. Schnellere Verfahren seien notwendig, "um unser Land zu modernisieren und die Transformation zur Klimaneutralität erfolgreich zu gestalten", betonten sie.

J.Lubrano--PV

Empfohlen

Bill Gates warnt vor Zunahme von KI-gestützten Cyberangriffen

Microsoft-Gründer Bill Gates hat vor einer Zunahme von KI-gestützten Cyberangriffen im kommenden Jahr gewarnt. Die Gefahr einer außer Kontrolle geratenen Künstlichen Intelligenz bestehe in den kommenden Jahren eher nicht, sagte Gates am Sonntag dem US-Sender ABC News. Viel größer sei die Gefahr, dass "schlechte Menschen" KI-Systeme ohne Schutzvorkehrungen für Cyberangriffe oder Bioterrorismus nutzten.

Angriffe auf Flughafen: Reiche muss Rückflug von Konferenz in Riad umplanen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nimmt inmitten der anhaltenden Angriffe der Huthi-Miliz auf Flughäfen in Saudi-Arabien an einer Energiekonferenz in der saudiarabischen Hauptstadt Riad teil - und muss nun ihre Rückreise umplanen. Aufgrund der Sperrung des internationalen Flughafens in Riad könne "die für morgen geplante Rückreise voraussichtlich nicht wie vorgesehen stattfinden", erklärte eine Ministeriumssprecherin am Sonntagabend.

Trump meldet "Energie-Waffenruhe" zwischen Russland und der Ukraine

Russland und die Ukraine haben nach Angaben von US-Präsident Donald Trump zugestimmt, ihre Angriffe auf die Energie-Infrastruktur des jeweils anderen Staates einzustellen. Mit "sofortiger Wirkung" gelte eine "Energie-Waffenruhe" im Krieg zwischen Russland und der Ukraine, erklärte Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. Weitere Details nannte er zunächst nicht.

Huthis drohen nach tödlichem Angriff auf Flughafen in Riad mit weiteren Attacken

Nach einem Angriff mit zwölf Todesopfern und hunderten Verletzten in Riad hat die pro-iranische Huthi-Miliz mit weiteren Attacken auf Flughäfen in Saudi-Arabien gedroht. Reisende, Beschäftigte und Luftfahrtunternehmen sollten diese nicht nutzen, erklärte der Huthi-Militärsprecher Jahja Saree am Sonntag im Onlinedienst X. Die EU, die UNO und die Bundesregierung verurteilten den Angriff vom Samstag. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition gegen die Huthis kündigte eine entschiedene Reaktion an.

Textgröße ändern: