Pallade Veneta - Beliebtheit von Studium nicht allein ursächlich für Azubi-Mangel

Beliebtheit von Studium nicht allein ursächlich für Azubi-Mangel


Beliebtheit von Studium nicht allein ursächlich für Azubi-Mangel
Beliebtheit von Studium nicht allein ursächlich für Azubi-Mangel / Foto: Tobias Schwarz - AFP

Der derzeitige Mangel an Auszubildenden lässt sich einer Studie zufolge nicht allein mit einer wachsenden Beliebtheit des Studiums begründen. Die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt hätten sich in den letzten fünf Jahren verschärft, in dieser Zeit habe es aber keinen weiteren Anstieg der Studierendenzahlen gegeben, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag. Sie will mit der Studie auch mit weiteren "Mythen" zu Ausbildung und Studium aufräumen.

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Zwischen 2011 und 2021 sank sowohl die Zahl der neuen Auszubildenden pro Jahr (von 733.000 auf 660.000) als auch die der neuen Studierenden (von 519.000 auf 470.000), so die Bertelsmann Stiftung. Der demografische Rückgang betreffe also nicht nur die berufliche, sondern ebenso die akademische Ausbildung. Hinzu komme: Keine der drei Berufsgruppen mit dem höchsten Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen - Klempner, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Fleischer - stehe in direkter Konkurrenz zu einem akademischen Studienangebot.

Auch die Aussage, dass inzwischen sowieso fast alle Schülerinnen und Schüler Abi machen, ist falsch: Zutreffend ist den Forschenden zufolge zwar, dass die Zahl verglichen mit den 60er Jahren deutlich zugenommen hat - das allerdings sei als Reaktion auf internationale Kritik und Akademiker-Engpässe Anfang der 2000er Jahre zu verstehen gewesen. Nun sei aber seit zehn Jahren kein wesentlicher Anstieg der Studienberechtigtenquote mehr zu beobachten.

Andere verbreitete Annahmen sind laut der Studie von Bertelsmann Stiftung und dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ebenfalls falsch. Nach der Schule müssten sich Jugendliche zwischen Studium und Ausbildung entscheiden – danach stehe der weitere berufliche Weg endgültig fest: "Dieser Irrglaube hält sich hartnäckig, stimmt aber einfach nicht", erklärte Ulrich Müller vom CHE. In der nachschulischen Bildung gebe es zunehmende Übergänge - und zwar in beide Richtungen.

Mit dem dualen Studium existiere ein Ansatz, der berufliche und akademische Bildung kombiniert. Auch werde der berufliche Weg nach der Schule nicht ein für alle Mal festgelegt. "Es ist immer möglich, den eingeschlagenen Bildungsweg später an veränderte Zielvorstellungen anzupassen", betonten die Forschenden. Das Bildungssystem sei in den vergangenen Jahren flexibler und durchlässiger geworden.

Auch beim Geld widersprechen die Forscherinnen und Forscher einer in ihren Augen weit verbreiteten Annahme: Die Aussage "Nur Akademiker:innen verdienen richtig gut" stimme in dieser Pauschalität nicht. Eine berufliche Ausbildung könne zu ähnlich hohen Löhnen führen. Statistisch betrachtet verdient demnach ein Beschäftigter mit Studienabschluss im Durchschnitt zwar mehr als jemand mit Berufsausbildung - aber nicht mehr als jemand mit Fachschulabschluss, ein Meister oder ein Techniker.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ergänzte, eine Ausbildung mit anschließender Weiterbildung schütze besser vor Arbeitslosigkeit als ein Studium. Es sei richtig, die beiden Berufswege nicht gegeneinander auszuspielen, betonte die DIHK. Wichtig bleibe es gleichzeitig, "dass noch mehr junge Menschen und deren Eltern erkennen, dass der Weg zum beruflichen Erfolg nicht zwingend über ein Studium führen muss".

"Fehlinformationen zu Studium und Ausbildung können Fehlentscheidungen zur Folge haben", erklärte Caroline Schnelle von der Bertelsmann Stiftung. Für die Jugendlichen selbst führe das zu großem Frust, verpassten Chancen und dem Gefühl, Lebenszeit und Energie vergeudet zu haben.

Gesamtgesellschaftlich sei es angesichts des Fachkräftemangels wichtig, junge Menschen bei der Wahl des passenden Berufs bestmöglich zu unterstützen. "Niemand darf beim Übergang von der Schule in den Beruf verloren gehen."

A.Saggese--PV

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