Pallade Veneta - 136 Stunden: GDL ruft zu ihrem längsten Streik überhaupt bei der DB auf

136 Stunden: GDL ruft zu ihrem längsten Streik überhaupt bei der DB auf


136 Stunden: GDL ruft zu ihrem längsten Streik überhaupt bei der DB auf
136 Stunden: GDL ruft zu ihrem längsten Streik überhaupt bei der DB auf / Foto: Kirill KUDRYAVTSEV - AFP

Der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Lokführergewerkschaft GDL eskaliert zusehends. Die GDL rief am Montag zu ihrem längsten Streik überhaupt bei der DB auf: Er soll im Personenverkehr von Mittwochfrüh bis Montagabend und damit fast sechs Tage dauern. Die Gewerkschaft "verschärft maßlos den Konflikt", kritisierte der Konzern. Sie handle "absolut unverantwortlich".

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Die GDL kündigte den Streik in der Nacht zum Montag an und damit genau 48 Stunden vor Beginn: Er soll im Personenverkehr um 2.00 Uhr am Mittwoch beginnen und bis Montag um 18.00 Uhr dauern. Das wären 136 Stunden und noch mal länger als der Streik im Mai 2015, als die Lokführer für 127 Stunden die Arbeit niedergelegt hatten.

Im Güterverkehr soll der Streik bereits am Dienstagabend beginnen und ebenfalls am Montag um 18.00 Uhr enden. Das wären 144 Stunden. Im Mai 2015 hatte die GDL den Güterverkehr der DB für 138 Stunden lahmgelegt.

In der aktuellen Tarifrunde, die Anfang November begonnen hatte, ist der Mega-Streik ab Mittwoch der vierte: Im November und Dezember untermauerte die Gewerkschaft ihre Forderungen mit einem je eintägigen Warnstreik, im Januar folgte dann ein dreitägiger Ausstand.

Die Bahn hatte am Freitag ein neues Angebot vorgelegt. Die GDL nannte es am Montag aber nur "angeblich verbessert". Damit habe die DB erneut gezeigt, dass sie ihren "bisherigen Verweigerungs- und Konfrontationskurs unverdrossen weiter verfolgt - von Einigungswillen kein Spur", erklärte die Gewerkschaft.

GDL-Chef Claus Weselsky sagte am Vormittag in Berlin, DB-Personalvorstand Martin Seiler "muss sich langsam die Frage stellen, ob er als Verhandlungsführer überhaupt geeignet ist". Das Angebot sei "Veralberungstaktik".

Wieder verhandeln werde die Gewerkschaft erst, "wenn klar ist, dass dieser Bahnvorstand mit uns in Verhandlungen eintritt über alle Elemente, die wir gefordert haben". Die Gewerkschaft fordere eine "verpflichtende Absenkung der Wochenarbeitszeit", bekräftigte Weselsky das Kernanliegen.

Die Bahn hatte zuletzt ein Wahlmodell ab 2026 angeboten: Beschäftigte können die Wochenarbeitszeit bei gleich bleibendem Gehalt um eine Stunde auf 37 Stunden reduzieren - oder sie wählen eine Lohnerhöhung um 2,7 Prozent.

Allgemein bietet die Bahn zum August dieses Jahres 4,8 Prozent mehr Lohn und zum April kommenden Jahres noch einmal 5,0 Prozent mehr. Zusätzlich gibt es eine Inflationsausgleichsprämie von insgesamt 2850 Euro. Mit den 2,7 Prozent und weil die zweite und dritte Steigerung auf das bereits erhöhte Gehalt angewendet wird, ergibt sich so ein Plus von insgesamt 13 Prozent.

Ein Sprecher der Bahn erklärte: "Wer bei einem neuen Angebot mit bis zu 13 Prozent und der Möglichkeit der 37-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt noch nicht einmal an den Verhandlungstisch kommt, handelt absolut unverantwortlich." Die DB rechnet mit "massiven" Auswirkungen und kündigte wie bei den vorherigen Streiks einen Notfahrplan an - damit dürften rund ein Fünftel der Züge im Fernverkehr fahren.

Fahrgäste können ihre Reise vorverlegen oder ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Die Zugbindung ist aufgehoben. Die Fahrkarte gilt für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort - auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können storniert werden.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kritisierte die Streikankündigung der GDL scharf. "Ich habe null Verständnis für diese Form der Tarifauseinandersetzung", sagte Wissing im ZDF-"Morgenmagazin". Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn nehme "zunehmend destruktive Züge an".

Der Regierungsbeauftragte für den Schienenverkehr, Michael Theurer (FDP), forderte die GDL und die DB zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Die Tarifparteien sind gefordert, Lösungen in den Verhandlungen zu finden, statt den Konflikt auf dem Rücken derjenigen auszutragen, die jeden Tag auf eine funktionierende Eisenbahn angewiesen sind", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Unionsfraktionsvize Ulrich Lange (CSU) schlug eine Schlichtungskommission vor. Sie könne beide Seiten zurück an den Verhandlungstisch bringen und ein für beide Seiten tragbares Ergebnis erarbeiten, sagte er AFP. "Der GDL ist es schließlich auch gelungen, in dieser Verhandlungsrunde mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen Tarifverträge abzuschließen, die eine ähnliche Stoßrichtung haben." Weselsky bekräftigte am Montag allerdings seine Ablehnung einer Schlichtung.

H.Ercolani--PV

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