Pallade Veneta - Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr auf höchstem Stand seit fast zehn Jahren

Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr auf höchstem Stand seit fast zehn Jahren


Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr auf höchstem Stand seit fast zehn Jahren
Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr auf höchstem Stand seit fast zehn Jahren / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist wegen der schwachen Konjunktur in den ersten sechs Monaten des Jahres um fast 30 Prozent im Vorjahresvergleich angestiegen. Die Auskunftei Creditreform registrierte rund 11.000 Firmenpleiten, wie sie am Montag mitteilte. Das markiere den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Geschätzt 133.000 Beschäftigte waren betroffen.

Textgröße ändern:

"Die Unternehmen kämpfen im ersten Halbjahr 2024 weiter gegen die Auswirkungen der Rezession in 2023, anhaltende Krisen und die kraftlose konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr", erläuterte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. "Das alles zusammengenommen bricht vielen Betrieben das Genick."

Creditreform rechnet damit, dass im weiteren Verlauf des Jahres die Insolvenzen weiter zunehmen und im Gesamtjahr erstmals wieder das Vor-Corona-Niveau übersteigen werden. In den Zahlen spiegelten sich die "aufgestauten Probleme der zurückliegenden Krisen", so die Auskunftei. Viele Unternehmen hätten zudem ein Schuldenproblem und könnten aufgrund der schlechten Wirtschaftslage den Zahlungsverpflichtungen aus eigener Kraft derzeit kaum nachkommen.

Im ersten Halbjahr mussten laut Creditreform deutlich mehr mittlere und große Unternehmen Insolvenz anmelden - entsprechend stiegen die Forderungsausfälle (von 13 Milliarden auf 19 Milliarden Euro) und die Zahl der betroffenen Beschäftigten. Schlagzeilen in den vergangenen Monaten machten etwa die Insolvenzen von Galeria Karstadt Kaufhof oder FTI-Touristik.

Creditreform schätzt, dass rund 133.000 Beschäftigte im Zeitraum von Januar bis Juni von einer Insolvenz betroffen waren. Im Vorjahreszeitraum waren es 125.000 gewesen. Das heißt nicht unbedingt, dass sie ihren Job verlieren: Der Fokus des Insolvenzrechts liege auf Sanierungen und auf dem Erhalt von Unternehmen sowie Arbeitsplätzen, erläuterte Hantzsch. Das erkläre zum Teil auch den Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Jahren. Unternehmen würden die Insolvenz "zunehmend als Chance in der Krise" begreifen.

Auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern stiegen die Insolvenzzahlen im ersten Halbjahr: Creditreform registrierte 35.400 Fälle, das waren 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dafür dürfte neben der hohen Inflation und der Zinswende, die zu höheren Darlehenszinsen führte, auch weiterhin die Novelle des Verbraucherinsolvenzrechts Ende 2020 verantwortlich sein, erklärte die Auskunftei: Die Reform ermöglicht Privatpersonen eine schnellere Restschuldbefreiung und macht das Verfahren für Schuldner so interessanter.

Y.Destro--PV

Empfohlen

2030 fast zwölf Euro pro Schachtel: Bundestag beschließt höhere Tabaksteuer

Der Bundestag hat eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen. Das Parlamentsplenum stimmte am späten Donnerstagabend mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen für eine entsprechende Gesetzesänderung. Durch sie soll sich der Durchschnittspreis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten bis zum Jahr 2030 um fast vier Euro auf 11,78 Euro verteuern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erhofft sich dadurch in den kommenden Jahren Steuermehreinnahmen von zusammengerechnet fast zwölf Milliarden Euro.

Unicredit erhält grünes Licht der EZB für Übernahme der Commerzbank

Die italienische Großbank Unicredit hat nach eigenen Angaben die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Übernahme der Commerzbank erhalten. Die EZB habe erlaubt, die Beteiligung an dem Frankfurter Geldinstitut auf mehr als 30 Prozent und anschließend ohne Obergrenze zu erhöhen, teilte Unicredit am Donnerstag mit. Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht äußern.

Berlin und Paris treffen provisorische Einigung für Aufweichung von Verbrenner-Aus

Deutschland und Frankreich haben sich Diplomatenangaben zufolge vorläufig auf eine gemeinsame Position geeinigt, die eine weitere Aufweichung des Verbrenner-Aus bis 2035 vorsieht. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Diplomatenkreisen. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte AFP, das Abkommen befinde sich auf der Zielgeraden, die abschließende Zustimmung aus Deutschland stehe noch aus.

Streit ums Geld: EU-Staats- und Regierungschefs verhandeln über EU-Haushalt

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben in Brüssel ihre Verhandlungen über den nächsten, auf sieben Jahre angelegten Haushalt der Europäischen Union begonnen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich bei seiner Ankunft in Brüssel am Donnerstag noch höchst skeptisch: "Wir brauchen Einstimmigkeit im Rat, und von dieser Einstimmigkeit sind wir weit entfernt", sagte er. Auch in der Diskussion um mögliche Maßnahmen gegen die infolge des Iran-Krieges erhöhten Energiepreise gab es keine wesentlichen Fortschritte.

Textgröße ändern: