Pallade Veneta - Scholz sichert Meyer Werft Hilfe zu - Rettungsplan muss noch genehmigt werden

Scholz sichert Meyer Werft Hilfe zu - Rettungsplan muss noch genehmigt werden


Scholz sichert Meyer Werft Hilfe zu - Rettungsplan muss noch genehmigt werden
Scholz sichert Meyer Werft Hilfe zu - Rettungsplan muss noch genehmigt werden / Foto: PATRIK STOLLARZ - AFP

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat der kriselnden Meyer Werft Hilfe bei der Rettung zugesichert. Es sei für ihn nie eine Frage gewesen, "ob wir der Meyer Werft in dieser Lage helfen wollen, sondern nur die Frage, wie kriegen wir das hin", sagte er am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung der Werft in Papenburg in Niedersachsen. Es gebe aber noch "ein bisschen Detailarbeit" zu tun.

Textgröße ändern:

Die Bundesregierung habe in den vergangenen Wochen mit dem Land Niedersachsen, dem Management der Werft, der Eigentümer-Familie Meyer und den Banken verhandelt und große Fortschritte erzielt, sagte Scholz. Auch der Bundestag und die EU-Kommission müssten noch zustimmen.

"Der Bund trägt seinen Teil zur Lösung bei", versicherte der Kanzler in Papenburg. "Und wenn alle anderen mitziehen - was ich erwarte - dann kriegen wir die Sache auch hin". Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich ebenfalls optimistisch. Die Rettung der Werft sei "in greifbarer Nähe", sagte er am Donnerstag.

Medienberichten zufolge ist eine Mehrheitsbeteiligung von Bund und Land Niedersachsen geplant, die Familie Meyer soll im Aufsichtsrat aber einen Sitz bekommen und ein Rückkaufrecht für die Anteile. Mit dem Rettungsplan soll das Eigenkapital demnach um 400 Millionen Euro aufgestockt werden. Zudem soll der Staat für weitere Kredite bürgen.

Die Werft steckt in einer schweren Krise, weil unter anderem Energie- und Rohstoffpreise gestiegen sind und der Großteil der Kaufpreise für Schiffe erst bei der Auslieferung gezahlt wird. Das Unternehmen beziffert den Finanzbedarf bis Ende 2027 auf mehr als 2,7 Milliarden Euro.

"Eure Produkte sind nicht das Problem", sagte Scholz vor den Beschäftigten. "Im Gegenteil - Eure Auftragsbücher sind randvoll." Die Qualität "sucht weltweit ihresgleichen". Erst vor kurzem hatte die Meyer Werft den nach ihren Angaben größten Auftrag ihrer Geschichte erhalten: Die Kreuzfahrtsparte von Disney bestellte vier neue Schiffe. Sie sollen zwischen 2027 und 2031 an die Disney Cruise Line ausgeliefert werden.

Scholz begründete den Einsatz der Bundesregierung auch mit der Bedeutung des Familienunternehmens für die Ems-Region in Niedersachsen. Die Meyer Werft sei "systemrelevant für die maritime Wirtschaft und den Schiffbau in ganz Deutschland". Sie sei außerdem ein "industrielles Kronjuwel Deutschlands".

Direkt beschäftigt das Unternehmen aktuell rund 3300 Menschen. Dazu kämen "knapp 6000 Beschäftigte bei rund 200 Zulieferbetrieben - vom Tischler bis zum Hightech-Unternehmen - allein hier in Weser-Ems", sagte der Kanzler. Deutschlandweit hingen über 17.000 Arbeitsplätze auf die eine oder andere Weise von der Meyer Werft ab.

Die Gewerkschaft IG Metall begrüßte den Einsatz der Bundes- und Landesregierungen für das Unternehmen trotz noch ausstehender offizieller Einigung bereits als "vorbildliche Industriepolitik, die wichtige Teile des Schiffbaus in Deutschland sichert". Berlin und Hannover gäben der Werft und ihren Beschäftigten "eine riesige Chance für einen Neuanfang, die nun genutzt werden muss", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich.

Scholz betonte, Bund und Land würden nur "für eine gewisse Zeit" einsteigen. "Wir sind keine Schiffbauer", sagte er. Der Staat wolle die Grundlage für eine gute Zukunft auf privatwirtschaftlicher Basis legen. Das sei mit Einstieg und Wiedereinstieg auch schon anderswo gelungen: "Ich erinnere nur an die Beispiele von Lufthansa und TUI. Insofern wäre das ein weiteres Beispiel, bei dem wir etwas wirtschaftlich Vernünftiges tun."

M.Jacobucci--PV

Empfohlen

Unicredit erhält grünes Licht der EZB für Übernahme der Commerzbank

Die italienische Großbank Unicredit hat nach eigenen Angaben die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Übernahme der Commerzbank erhalten. Die EZB habe erlaubt, die Beteiligung an dem Frankfurter Geldinstitut auf mehr als 30 Prozent und anschließend ohne Obergrenze zu erhöhen, teilte Unicredit am Donnerstag mit. Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht äußern.

Berlin und Paris treffen provisorische Einigung für Aufweichung von Verbrenner-Aus

Deutschland und Frankreich haben sich Diplomatenangaben zufolge vorläufig auf eine gemeinsame Position geeinigt, die eine weitere Aufweichung des Verbrenner-Aus bis 2035 vorsieht. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Diplomatenkreisen. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte AFP, das Abkommen befinde sich auf der Zielgeraden, die abschließende Zustimmung aus Deutschland stehe noch aus.

Streit ums Geld: EU-Staats- und Regierungschefs verhandeln über EU-Haushalt

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben in Brüssel ihre Verhandlungen über den nächsten, auf sieben Jahre angelegten Haushalt der Europäischen Union begonnen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich bei seiner Ankunft in Brüssel am Donnerstag noch höchst skeptisch: "Wir brauchen Einstimmigkeit im Rat, und von dieser Einstimmigkeit sind wir weit entfernt", sagte er. Auch in der Diskussion um mögliche Maßnahmen gegen die infolge des Iran-Krieges erhöhten Energiepreise gab es keine wesentlichen Fortschritte.

Ukraine lagert erstmals seit 2012 wieder Saatgut in Tresor auf Spitzbergen ein

Die Ukraine hat erstmals seit 2012 wieder Saatgut im arktischen Saatgut-Tresor auf Spitzbergen einlagern lassen. In dieser Woche seien 773 Proben in die norwegische Anlage gebracht worden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Oslo mit. Darunter seien verschiedene Sorten von Sonnenblumen, Getreide, Buchweizen und Futterpflanzen.

Textgröße ändern: