Pallade Veneta - Studie: Potenzielle Azubis und Firmen kommunizieren aneinander vorbei

Studie: Potenzielle Azubis und Firmen kommunizieren aneinander vorbei


Studie: Potenzielle Azubis und Firmen kommunizieren aneinander vorbei
Studie: Potenzielle Azubis und Firmen kommunizieren aneinander vorbei / Foto: PHILIPPE HUGUEN - AFP/Archiv

In Deutschland bleiben etliche Ausbildungsplätze unbesetzt - gleichzeitig finden längst nicht alle Interessierten eine Lehrstelle. Diese Ausbildungslücke hat einer Studie zufolge auch damit zu tun, dass Betriebe und potenzielle Azubis oft aneinander vorbei kommunizieren und etwa nicht dieselben Plattformen nutzen. Das Statistische Bundesamt legte unterdessen Zahlen zu Neuverträgen vor: Im Jahresvergleich stiegen sie im Jahr 2023, im Zehnjahresvergleich gingen sie jedoch deutlich zurück.

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Die Mehrheit der Unternehmen (71 Prozent) informiere auf Facebook über ihre Ausbildungsplätze - dort seien aber nur 25 Prozent der befragten Jugendlichen für die Ausbildungsplatzsuche unterwegs, teilten die Bertelsmann Stiftung und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Donnerstag mit. Die jungen Menschen nutzten häufig Youtube (47 Prozent), Whatsapp (38 Prozent), Tiktok (30 Prozent) und Snapchat (gut 19 Prozent) - diese Kanäle würden von Unternehmen aber noch zu wenig genutzt.

"Das Ausbildungsplatz-Marketing über Social Media bietet Verbesserungspotenzial", erklärten die Studienautoren von der Bertelsmann Stiftung und vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Unternehmen müssten ihre Kommunikation stärker an das Medienverhalten der jungen Menschen anpassen, um mehr potenzielle Bewerberinnen und Bewerber zu erreichen, empfehlen sie.

Auch bei der analogen Kommunikation lohne ein genauerer Blick: Vor allem Jugendliche mit niedriger Schulbildung nutzten Stellenanzeigen in Zeitungen oder den Aushang in Schulen häufiger als Unternehmen.

Die Befragung ergab den Angaben zufolge noch eine weitere "interessante Abweichung": Während knapp drei Viertel der Unternehmen angaben, dass für die Besetzung einer Ausbildungsstelle persönliche Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen immer bedeutender würden, glaubt dies nur etwas mehr als die Hälfte der jungen Menschen. Dies sei eine große Chance: "Junge Menschen sollten selbst bei schwächeren Noten nicht auf eine Bewerbung verzichten, sondern auf ihre Stärken vertrauen", riet Clemens Wieland, Experte für berufliche Bildung bei der Bertelsmann Stiftung.

Auch Betriebsbesichtigungen, Schulkooperationen und Ausbildungsmessen finden der Umfrage zufolge viele junge Menschen wichtig - die Unternehmen bieten solche Formate aber eher selten an, auch, weil sie zu klein sind. Dirk Werner vom IW betonte, der Einsatz von ein oder zwei dieser Maßnahmen könne bereits zu mehr Bewerbungen führen.

Die Gründe für die große Ausbildungslücke in Deutschland sind vielfältig, oft passen Angebote und Nachfragen hinsichtlich Region, Beruf oder Qualifikation nicht zusammen, wie die Bertelsmann Stiftung und das IW betonten. Im vergangenen Jahr blieben demnach mehr als 73.000 Lehrstellen unbesetzt, gleichzeitig fanden mehr als 63.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Rund 44 Prozent der Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze im Ausbildungsjahr 2023/2024 nur anteilig oder gar nicht besetzen.

Dennoch meint jeder vierte junge Mensch in Deutschland, es gebe zu wenig Ausbildungsplätze. Das liegt den Befragungen zufolge auch an der Kommunikation.

Die Bertelsmann Stiftung ließ im Februar und März dieses Jahres in einer repräsentativen Stichprobe 1729 junge Menschen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 25 Jahren befragen. Das IW interviewte Personalverantwortliche in 895 Unternehmen aller Branchen mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ.

Im vergangenen Jahr schlossen laut Statistischem Bundesamt rund 479.800 Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag ab - ein Plus von 2,1 Prozent im Jahresvergleich. Ein hohes Plus gab es mit neun Prozent bei jungen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit - damit wurden 13 Prozent aller neuen Ausbildungsverträge von ausländischen Azubis abgeschlossen.

36 Prozent der neuen Azubis waren Frauen, 64 Prozent Männer. Vor zehn Jahren waren es mit 40 Prozent allerdings noch mehr Frauen. Die Vergütung im ersten Lehrjahr betrug im Mittel zuletzt 935 Euro brutto im Monat.

Zwar verstärkte sich nun der "leicht positive Trend" seit dem starken coronabedingten Rückgang im Jahr 2020. Verglichen mit 2013 ging die Zahl der Neuverträge hingegen um acht Prozent zurück.

J.Lubrano--PV

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