Pallade Veneta - Kritik von Wirtschaftsweiser an Kinderbetreuung stößt in Parteien auf Zustimmung

Kritik von Wirtschaftsweiser an Kinderbetreuung stößt in Parteien auf Zustimmung


Kritik von Wirtschaftsweiser an Kinderbetreuung stößt in Parteien auf Zustimmung
Kritik von Wirtschaftsweiser an Kinderbetreuung stößt in Parteien auf Zustimmung / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Die Kritik der Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, an unzureichender Kinderbetreuung in Deutschland stößt in mehreren politischen Parteien auf Zustimmung. Schnitzer hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Wochenende gesagt: "Man kann sich auf die Kitas nicht verlassen." Diese Kritik an fehlender Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Betreuung "teilen wir – sie spiegelt die Realität vieler Familien wider", sagte dazu die stellvertretende Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, der "Welt".

Textgröße ändern:

Es sei "nicht hinnehmbar, dass fehlende Betreuungskapazitäten und unzuverlässige Strukturen insbesondere Frauen dazu zwingen, ihre beruflichen Ambitionen zurückzustellen", führte Klein-Schmeink aus. Bund und Länder seien in der Verantwortung, "verlässliche und flexible Betreuungsangebote zu schaffen und auszubauen".

Auch die Vorsitzende der Gruppe Die Linke im Bundestag, Heidi Reichinnek, nannte Schnitzers Kritik "absolut berechtigt". Sie betonte in der "Welt": "Es geht zuallererst um ein pädagogisches Angebot, nicht darum, die Kinder zu verwahren, damit die Eltern arbeiten können."

Die Bedeutung von frühkindlicher Bildung betonten ebenso die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Gyde Jensen und die CDU-Abgeordnete Silvia Breher. "Frühkindliche Bildung ist der Schlüssel zu den Chancen, die Kinder unabhängig vom Elternhaus benötigen, um ihren eigenen Weg gehen zu können", sagte Jensen der Zeitung. Sie sei auch der Schlüssel dafür, dass Eltern neben familiären Pflichten auch weiterhin ihrem Job nachgehen könnten.

Breher, die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, kritisierte in dem Zusammenhang die Politik der früheren Ampelregierung. Die Betreuungssituation habe sich in deren Regierungszeit deutlich verschlechtert, sagte sie der "Welt".

Für die AfD sagte ihr familienpolitischer Sprecher Martin Reichardt der Zeitung, es sei wichtig, "die staatliche Betreuung wieder zielgerichtet zu unterstützen und insbesondere die innerfamiliäre Betreuung stärker zu fördern, zum Beispiel durch ein Betreuungsgehalt für Eltern".

Die Wirtschaftsweise Schnitzer hatte in den Funke-Zeitungen kritisiert, dass das gesamte System darauf beruhe, "dass man Großeltern miteinbezieht oder sich privat, wenn man es sich leisten kann, Babysitter organisiert". Wer das nicht könne, habe "keine andere Wahl, als seine Arbeitszeit zu reduzieren".

Eine wie von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Frühjahr geforderte Abschaffung der Teilzeit hält Schnitzer in diesem Zusammenhang für "völlig unrealistisch". "Wir haben ein System, bei dem wir Teilzeit massiv fördern", kritisierte die Ökonomin. Zementiert werde dies etwa durch das Ehegatten-Splitting, "an dessen Reform sich niemand traut". "Dieses Zusammenspiel ist fatal."

Stattdessen forderte Schnitzer mehr Geld und Personal für die Kitas. So könne man viel zusätzliche Arbeitszeit gewinnen. Überdies sei eine hochqualifizierte Kinderbetreuung auch wichtig für die Integration.

Von den Unternehmen forderte Schnitzer hierbei ein "Umdenken". "Es kann nicht sein, dass junge Väter schief angeschaut werden, wenn sie nur noch 80 Prozent arbeiten wollen, damit sie es der Mutter ebenfalls ermöglichen, 80 Prozent zu arbeiten", kritisierte sie.

Als ähnlich unzureichend bewertete Schnitzer die Lage der Arbeitnehmer hinsichtlich der Pflege von Familienangehörigen. "Es gibt keine Pflegeunterstützung, die nicht dafür sorgt, dass man sich massiv einschränken muss in seiner Arbeitsleistung", kritisierte sie.

R.Zarlengo--PV

Empfohlen

Missbrauchsbeauftragte fordert besseren Schutz von Kindern im Netz

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet gefordert. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren", sagte Claus bei der Vorstellung ihres ersten Berichts am Dienstag in Berlin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung. So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe.

Arbeitgeber fordern mehr Tempo bei Reformen - Merz wirbt für Zuversicht

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die Bundesregierung zu raschen Reformen aufgefordert. Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum in Deutschland seien "weniger Bürokratie, flexiblere Arbeit, niedrigere Belastungen und ein Staat, der schneller und digitaler wird", sagte Dulger am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin, wo er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen 20-Punkte-Plan der Arbeitgeber überreichte. Merz bekräftigte seinen Willen zu den "umfangreichsten Reformen seit Jahrzehnten" - und warb zugleich für mehr Zuversicht.

Beauftragte Ataman: Wechseljahre müssen raus aus der Tabuzone

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, hat mehr Sensibilität und Beachtung für das Thema Wechseljahre gefordert - und zwar im Gesundheitsbereich, am Arbeitsplatz und in der Forschung. "Das Thema Frauengesundheit wurde lange vernachlässigt. Im Mittelpunkt der medizinischen Forschung stand der Mann", erklärte Ataman am Dienstag. Wie wenig das Wohlbefinden von Frauen medizinisch beachtet werde, sei "gut am Beispiel der Wechseljahre erkennbar".

IWF erwartet mehr Wirtschaftswachstum für Deutschland - Warnung vor Abwärtsrisiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent, wie aus dem am Dienstag beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch seine Erwartung für die globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an - warnte aber vor Abwärtsrisiken.

Textgröße ändern: