Pallade Veneta - SPD setzt im Wahlkampf auf klare Abgrenzung zu Merz

SPD setzt im Wahlkampf auf klare Abgrenzung zu Merz


SPD setzt im Wahlkampf auf klare Abgrenzung zu Merz
SPD setzt im Wahlkampf auf klare Abgrenzung zu Merz / Foto: RALF HIRSCHBERGER - AFP

Die SPD setzt im Bundestagswahlkampf auf eine klare Abgrenzung von der Union. SPD-Generalsekretär Matthias Miersch warf Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) am Sonntag vor, seine milliardenschweren Wahlversprechen mit Streichungen im Sozialbereich finanzieren zu wollen. Er appellierte aber gleichzeitig an den CDU-Chef, noch vor der Wahl eine Senkung der Energiepreise zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen. Merz stehe hier als Oppositionsführer "in der Verantwortung".

Textgröße ändern:

Das SPD-Präsidium beriet am Sonntag in einer Klausursitzung über Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen. An den Beratungen nahmen auch die Vorsitzenden der Konzernbetriebsräte von Thyssenkrupp und Bosch, Tekin Nasikkol und Kerstin Mai, teil.

SPD-Bundeskanzler und Kanzlerkandidat Olaf Scholz sagte vor Journalisten im Willy-Brandt-Haus, die notwendigen Entscheidungen müssten jetzt getroffen werden, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und Jobs zu erhalten. Neben der Senkung der Energiepreise sei "zentraler Vorschlag" der SPD dazu der im Wahlprogramm enthaltene "Made in Germany"-Bonus. Dies ist eine Steuererstattung für Unternehmen, die Investitionen etwa in Geräte oder Maschinen tätigen. Gefördert werden dabei zehn Prozent der Anschaffungssumme.

Der Investitionsbonus wirke "zielgerichtet" und anders als Unternehmenssteuersenkungen nicht nur bei Firmen, die Gewinne machten, betonte der SPD-Kanzlerkandidat. Scholz zufolge soll die Prämie kein "Strohfeuer für ein, zwei Jahre" sein, sondern langfristig etabliert werden.

Aus der SPD hieß es, die Investitionsprämie sei wirksamer als von der Union vorgesehene Senkungen der Unternehmenssteuer und erleichterte Abschreibungen. Der SPD-Vorschlag werde im ersten Jahr zu 0,17 Prozent mehr Wirtschaftsleistung führen, die Pläne der Union zu 0,15 Prozent. Dabei sei SPD-Vorhaben mit bis zu jährlich 18 Milliarden Euro billiger als die Unions-Versprechen, die 25 Milliarden Euro kosten würden.

Miersch präsentierte in Berlin die Wahlkampagne für die kommenden Wochen. In einer ersten Plakatserie mit dem Konterfei von Scholz setzt die SPD dabei vor allem auf Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft, verspricht stabile Renten und Steuerentlastungen für den Großteil der Bevölkerung. "Der Wahlkampf fängt jetzt richtig an", sagte Miersch. Ziel der SPD sei es dabei insbesondere, die Unterschiede zum Konzept von CDU/CSU deutlich zu machen.

Denn bei der Wahl gehe es "um eine Richtungsentscheidung", sagte Miersch. Während die CDU "die Reichen reicher" machen wolle, werde die SPD "die breite Gruppe derjenigen, die jeden Tag dieses Land am Laufen halten, in den Fokus" nehmen. Dazu wolle die Partei 95 Prozent der Bevölkerung entlasten und dazu unter anderem die Vermögens- und Reichensteuer erhöhen.

Für eine Familie bezifferte Miersch das erwartete Plus durch die SPD-Pläne unter dem Strich auf mindestens über hundert Euro. Der SPD-Generalsekretär bekräftigte auch die Parteilinie bei der Rente: Die SPD wolle das Rentenniveau von 48 Prozent sichern und werde nicht am Renteneintrittsalter rütteln.

Miersch forderte Merz auf, zu erklären, wie er seine eigene Wahlversprechen finanzieren wolle. Der Unionskandidat müsse klarmachen, "wo er diese 100 Milliarden hernehmen will, wo er sie streichen will", sagte der SPD-Generalsekretär. Das gehe nach seiner Einschätzung nur "bei der breiten Masse, im Bereich Gesundheit oder Rente".

Die SPD will ihr Wahlprogramm bei einem Parteitag am Samstag in Berlin beschließen. Dann soll auch Scholz als Kanzlerkandidat endgültig bestätigt werden.

In den Umfragen der vergangenen Wochen liegt die Kanzlerpartei mit 14 bis 18 Prozent weit hinter der Union. Diese wird von den Instituten bei 30 bis 36 Prozent gesehen. Noch vor den Sozialdemokraten auf dem zweiten Platz steht auch weiter die AfD mit 18 bis 20 Prozent.

B.Cretella--PV

Empfohlen

Missbrauchsbeauftragte fordert besseren Schutz von Kindern im Netz

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet gefordert. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren", sagte Claus bei der Vorstellung ihres ersten Berichts am Dienstag in Berlin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung. So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe.

Arbeitgeber fordern mehr Tempo bei Reformen - Merz wirbt für Zuversicht

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die Bundesregierung zu raschen Reformen aufgefordert. Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum in Deutschland seien "weniger Bürokratie, flexiblere Arbeit, niedrigere Belastungen und ein Staat, der schneller und digitaler wird", sagte Dulger am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin, wo er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen 20-Punkte-Plan der Arbeitgeber überreichte. Merz bekräftigte seinen Willen zu den "umfangreichsten Reformen seit Jahrzehnten" - und warb zugleich für mehr Zuversicht.

Beauftragte Ataman: Wechseljahre müssen raus aus der Tabuzone

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, hat mehr Sensibilität und Beachtung für das Thema Wechseljahre gefordert - und zwar im Gesundheitsbereich, am Arbeitsplatz und in der Forschung. "Das Thema Frauengesundheit wurde lange vernachlässigt. Im Mittelpunkt der medizinischen Forschung stand der Mann", erklärte Ataman am Dienstag. Wie wenig das Wohlbefinden von Frauen medizinisch beachtet werde, sei "gut am Beispiel der Wechseljahre erkennbar".

IWF erwartet mehr Wirtschaftswachstum für Deutschland - Warnung vor Abwärtsrisiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent, wie aus dem am Dienstag beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch seine Erwartung für die globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an - warnte aber vor Abwärtsrisiken.

Textgröße ändern: