Pallade Veneta - Ärztepräsident fordert mehr Prävention und Koordinierung von Arztbesuchen

Ärztepräsident fordert mehr Prävention und Koordinierung von Arztbesuchen


Ärztepräsident fordert mehr Prävention und Koordinierung von Arztbesuchen
Ärztepräsident fordert mehr Prävention und Koordinierung von Arztbesuchen / Foto: Charly TRIBALLEAU - AFP/Archiv

Personalmangel in den Praxen, lange Wartezeiten für Facharzttermine und ständig steigende Kosten - daran krankt das deutsche Gesundheitssystem. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer sind vor allem mehr Prävention und eine bessere Koordinierung von Arztbesuchen nötig, um dem zu begegnen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt zählte außerdem am Dienstag zu den Forderungen an eine neue Bundesregierung, einen deutlichen Bürokratieabbau und eine stabile Finanzierung der Krankenkassen in den Fokus zu nehmen.

Textgröße ändern:

"Wir sind das einzige Gesundheitssystem weltweit, das einen völlig ungeregelten Zugang zum Gesundheitswesen hat", beklagte Reinhardt. Patientinnen und Patienten könnten nicht nur selbst entscheiden, ob sie sich mit ihren Beschwerden an den Hausarzt oder die Fachärztin wenden oder sich gleich in die Klinikambulanz begeben. Zudem hätten Menschen in manchen Regionen im Schnitt 1,5 Hausärzte oder würden von einem Facharzt zum nächsten überwiesen, da ihnen selbst die Kompetenz fehle, das richtig einzuschätzen.

"Solange wir das zulassen, müssen wir uns nicht wundern über Personalknappheit", sagte Reinhardt. Die Bundesärztekammer spricht sich daher für mehr Koordination in der Patientenversorgung aus: Es müsse "zum Normalfall werden", dass sich Patientinnen und Patienten bei einer Hausarztpraxis einschreiben, die dann die Koordinierung der Weiterbehandlung übernimmt, erklärte die Organisation. Wer solch ein Modell nutze, könne dann beispielsweise auch von günstigeren Krankenkassenbeiträgen profitieren.

Zum Thema Personalnot forderte der Verband, das Potenzial von schätzungsweise 20.000 Vollzeitstellen an älteren Ärztinnen und Ärzten zu nutzen, die trotz Ruhestands weiter arbeiten möchten und können. Nötig seien dafür mehr "sozialpolitische Spielräume", um eine Anstellung in Teilzeit zu ermöglichen. Außerdem müsse dabei die Abgabenlast reduziert werden.

Wichtig sei aber vor allem das Thema Prävention und Krankheitsvermeidung, damit das Gesundheitssystem gar nicht erst die hohen Kosten von vermeidbaren Krankheiten tragen müsse. "Kinder müssen vor dem übermäßigen Konsum zucker- und fetthaltiger Lebensmittel geschützt werden - zum Beispiel durch gezielte Werbeverbote und die Einführung einer Zuckersteuer", forderte Reinhardt. Flankiert werden müsse das durch Aufklärung schon in den Kitas und einen regelmäßigen und verbindlichen Gesundheitsunterricht an Schulen und Berufsschulen.

Zur nötigen stabilen Finanzierung des Systems der Krankenkassen sagte der Ärztepräsident, ein gewisser Anstieg der Kosten und somit der Beiträge sei angesichts des technischen Fortschritts bei den Behandlungen sowie der alternden Gesellschaft gar nicht zu vermeiden. Jedoch könnten etwa Steuern auf Alkohol und Tabak erhöht "und die Erlöse daraus dem Gesundheitswesen" zugeführt werden, lautet eine Forderung der Bundesärztekammer. Nötig sei auch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von jetzt 19 Prozent auf sieben Prozent.

A.Saggese--PV

Empfohlen

Missbrauchsbeauftragte fordert besseren Schutz von Kindern im Netz

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet gefordert. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren", sagte Claus bei der Vorstellung ihres ersten Berichts am Dienstag in Berlin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung. So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe.

Arbeitgeber fordern mehr Tempo bei Reformen - Merz wirbt für Zuversicht

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die Bundesregierung zu raschen Reformen aufgefordert. Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum in Deutschland seien "weniger Bürokratie, flexiblere Arbeit, niedrigere Belastungen und ein Staat, der schneller und digitaler wird", sagte Dulger am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin, wo er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen 20-Punkte-Plan der Arbeitgeber überreichte. Merz bekräftigte seinen Willen zu den "umfangreichsten Reformen seit Jahrzehnten" - und warb zugleich für mehr Zuversicht.

Beauftragte Ataman: Wechseljahre müssen raus aus der Tabuzone

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, hat mehr Sensibilität und Beachtung für das Thema Wechseljahre gefordert - und zwar im Gesundheitsbereich, am Arbeitsplatz und in der Forschung. "Das Thema Frauengesundheit wurde lange vernachlässigt. Im Mittelpunkt der medizinischen Forschung stand der Mann", erklärte Ataman am Dienstag. Wie wenig das Wohlbefinden von Frauen medizinisch beachtet werde, sei "gut am Beispiel der Wechseljahre erkennbar".

IWF erwartet mehr Wirtschaftswachstum für Deutschland - Warnung vor Abwärtsrisiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent, wie aus dem am Dienstag beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch seine Erwartung für die globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an - warnte aber vor Abwärtsrisiken.

Textgröße ändern: