Pallade Veneta - Ökonomen sehen Koalitionsvertrag eher positiv - Ruf nach Subventionsabbau

Ökonomen sehen Koalitionsvertrag eher positiv - Ruf nach Subventionsabbau


Ökonomen sehen Koalitionsvertrag eher positiv - Ruf nach Subventionsabbau
Ökonomen sehen Koalitionsvertrag eher positiv - Ruf nach Subventionsabbau / Foto: RONNY HARTMANN - AFP/Archiv

Führende Ökonomen bewerten den Koalitionsvertrag von Union und SPD grundsätzlich positiv. Der Vertrag sehe eine Reihe von Maßnahmen vor, die das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft erhöhen könnten, sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen (RWI) am Donnerstag. Die von den fünf führenden Wirtschaftsinstituten des Landes erarbeitete Gemeinschaftsdiagnose geht deshalb im kommenden Jahr von einem zusätzlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozentpunkten aus.

Textgröße ändern:

Im Detail betonten die Forschenden bei der Vorstellung ihres Gutachtens jedoch auch eine Reihe von Kritikpunkten. Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft etwa warf den Koalitionären vor, mit ihren vorgesehenen Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise "auf Zeit" zu spielen. "Ein Industriestrompreis ist ja nichts anderes als eine Subvention", welche nur die grundsätzlichen Probleme der Energiepolitik kaschiere.

Ähnlich äußerte sich Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). "Die Gesamtmenge an zur Verfügung stehender Energie wird in den kommenden Jahren knapp sein", betonte er. Subventionierung für einige werde also den Strom für andere Verbraucher teurer machen.

Positiv hob er hervor, dass der Koalitionsvertrag mit seiner Betonung der Bedeutung etwa der CO2-Bepreisung ein "Bekenntnis zu marktwirtschaftlichen Instrumenten" liefere, was "sehr positiv zu bewerten ist".

Mögliche Probleme sehen die Wirtschaftsexperten zudem etwa in der fehlenden Finanzierung sowie einem fehlenden Gesamtkonzept auch für die Verwendung der zusätzlichen Mitteln aus Schulden. "Die Gefahr ist groß, dass hier Mittel verpuffen", sagte RWI-Forscher Schmidt. Etwa mit Blick auf die Bauindustrie bestehe das Risiko, dass bei einem unkoordinierten Anstieg öffentlicher Aufträge vor allem die Preise steigen.

Auf die ungeklärte Finanzierung vieler Vorhaben im Koalitionsvertrag verwies auch Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Maßnahmen wie die Senkung der Einkommenssteuer für kleine und mittlere Einkommen, die steuerfinanzierte Stabilisierung des Rentenniveaus, die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie oder die Mütterrente vergrößern "die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben", erklärte Dullien. Mit ebenfalls angekündigten Einsparungen ließen sich die Maßnahmen jedenfalls nicht finanzieren.

"Die Große Koalition will anpacken - mit dem Ziel, die schwächelnde Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen", erklärte das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Die arbeitgebernahen IW-Forscher kritisierten jedoch eine fehlende "klare Priorisierung auf der Ausgabenseite". Anstatt Sparpotenziale zu nennen, seien neue Ausgabenposten wie die Mütterrente oder die Wiedereinführung der Dieselsubvention für Landwirte hinzu gekommen.

IMK-Forscher Dullien betonte jedoch, dass vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Handelskonflikts mit den USA das Vorgehen der Koalitionäre "möglicherweise" von Vorteil sei. Im Fall einer Rezession sei es "wichtiger, eine handlungsfähige Regierung zu haben, die möglicherweise erneut die Schuldenbremse aussetzt und kurzfristig konkrete Stützungsmaßnahmen für die deutsche Wirtschaft beschließt, als einen durchgerechneten Koalitionsvertrag".

P.Colombo--PV

Empfohlen

Behörde: Mehrere Gewässer in Norditalien in "kritischem Zustand"

Mehrere Gewässer in Norditalien befinden sich der Behörde des Flusses Po (ADBPO) zufolge aufgrund einer Dürre in einem "kritischen Zustand". "Der Würgegriff der Dürre zieht sich in Norditalien weiter zu", erklärte die ADBPO, die Italiens längsten Fluss überwacht, am Freitag in einer Stellungnahme. Die Wettervorhersage verheiße für die kommenden Tage nichts Gutes, erklärte die Behörde weiter.

Von der Leyen: Technische Probleme mit EU-Grenzkontrollen werden gelöst

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat eingeräumt, dass es im Zusammenhang mit den neuen automatisierten Grenzkontrollen der EU "noch viel zu tun" gibt. "Wir arbeiten mit den Mitgliedstaaten daran, dass diese technischen Probleme gelöst werden", versicherte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz im irischen Cork. Die Kontrollen führen seit Ende vergangenen Jahres an europäischen Flughäfen zu langen Warteschlangen.

Beschäftigte protestieren gegen Sparpläne bei Mercedes-Benz

Gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz haben am Freitag tausende Beschäftigte protestiert. An den Kundgebungen an mehreren Standorten des Autobauers nahmen nach Angaben der IG Metall mehr als 33.000 Beschäftigte teil, nach Angaben von Mercedes waren es circa 16.000. Die Gewerkschaft kündigte ähnliche Proteste auch bei anderen Autoherstellern und Zulieferern in den kommenden Wochen an - etwa bei Volkswagen.

Kundgebungen gegen Sparpläne bei Mercedes: 33.000 Teilnehmer laut IG Metall

Mehr als 33.000 Beschäftigte von Mercedes-Benz haben nach Gewerkschaftsangaben am Freitag gegen die aktuellen Sparpläne des Konzerns protestiert. Aktionen fanden an allen Mercedes-Benz-Standorten statt, teilte die IG Metall mit. In den kommenden Wochen seien ähnliche Proteste auch bei anderen Autoherstellern und Zulieferern geplant - etwa bei Volkswagen.

Textgröße ändern: