Pallade Veneta - Beratergremium warnt Ministerin Reiche vor Gefahren durch steigende Sozialbeiträge

Beratergremium warnt Ministerin Reiche vor Gefahren durch steigende Sozialbeiträge


Beratergremium warnt Ministerin Reiche vor Gefahren durch steigende Sozialbeiträge
Beratergremium warnt Ministerin Reiche vor Gefahren durch steigende Sozialbeiträge / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium hat vor einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durch "die stetig steigenden Sozialbeiträge" gewarnt. In einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Brief des Gremiums an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) heißt es, dass die im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Koalition enthaltenen "sozialpolitischen Wünsche sorgfältig gegen die Gefahren für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands" abzuwägen seien.

Textgröße ändern:

Kritisiert wird in dem Brief, dass sich im Koalitionsvertrag von Union und SPD "kaum Ansätze für Reformen" fänden, die einer "problematischen Beitragssatzentwicklung Einhalt gebieten könnten". Im Gegenteil gebe es "zahlreiche Absichtserklärungen für Ausweitungen von Sozialleistungen", die aus Sicht des Beirats im Falle einer Umsetzung "eine langfristige Schwächung der makroökonomischen Entwicklung Deutschlands mit einem stagnierenden Wirtschaftswachstum und einem Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit" bedeuteten.

Konkret weist der Beirat insbesondere darauf hin, dass Deutschland "vor einem Jahrzehnt der massiven Alterung der Bevölkerung" stehe. Zugleich sei der Gesamtbeitrag zur Sozialversicherung, der jahrzehntelang stabil unter 40 Prozent vom Bruttoeinkommen gelegen habe, zum 1. Januar dieses Jahres "sprunghaft auf 42,5 Prozent gestiegen" und werde sich künftig auf die 50-Prozent-Marke zubewegen.

Nötig sei deshalb unter anderem eine Dynamisierung des Rentenalters nach Entwicklung der Lebenserwartung. Bei der weiteren Anpassung der Rente solle die Lohnentwicklung künftig nur noch für niedrige Einkommen der Maßstab sein. Höhere Renten hingegen sollten nur noch gemäß der Inflationsrate steigen. Die abschlagsfreie Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte will der Beirat ganz abschaffen - oder zumindest auf diejenigen beschränken, "die gesundheitlich beeinträchtigt sind".

An Ministerin Reiche richtet das Beratergremium den Appell, zu beachten, dass Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt auch Zukunftsinvestitionen verdrängten, "was das bereits jetzt niedrige Produktivitätswachstum weiter verringern" werde. "Damit wird auch die Sozialpolitik nicht nachhaltig sein können, denn letztlich müssen steigende Sozialleistungen aus dem Wirtschaftswachstum finanziert werden", schreibt der Beirat. Reiche solle diese "gesamtwirtschaftliche Perspektive" deshalb in das Kabinett einbringen.

H.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Jusos kritisieren vorgeschlagene Kopplung des Renteneintrittsalters an Lebenserwartung

Die Jusos üben scharfe Kritik an einem zentralen Vorschlag der Rentenkommission. Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung sei "sozial ungerecht" und gehe "zulasten derjenigen, die gerade in ein Leben voll harter Arbeit starten", sagte Juso-Chef Philipp Türmer den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Montag. In diesem Kernpunkt sei das Gesamtpaket "nicht hinnehmbar".

Rentenkommission empfiehlt grundlegende Änderungen - und erntet viel Kritik

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission empfiehlt grundlegende Änderungen im System der Alterssicherung - und stößt damit auf Widerstand. Das Rentenalter soll in den kommenden Jahrzehnten langsam steigen, die abschlagfreie Frühverrentung nach 45 Beitrittsjahren soll abgeschafft werden, zudem soll eine verpflichtende Kapitalrente eingeführt werden: Dies geht aus einem Entwurf der Empfehlungen hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag vorlag. Die Vorschläge riefen Kritik hervor - bei der Opposition ebenso wie bei Gewerkschaften und Ökonomen.

Rentenkommission empfiehlt weit reichende Änderungen - und erntet viel Kritik

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission empfiehlt weit reichende Änderungen bei der Alterssicherung - und stößt damit auf geballte Kritik. Das Rentenalter soll in den kommenden Jahrzehnten langsam steigen, die abschlagfreie Frühverrentung nach 45 Beitrittsjahren soll abgeschafft werden, zudem soll eine verpflichtende Kapitalrente eingeführt werden: Dies geht aus einem Entwurf der Empfehlungen hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag vorlag. Die Vorschläge stießen auf Widerspruch - bei der Opposition ebenso wie bei Gewerkschaften und Ökonomen.

Grüne reagieren mit Lob und Kritik auf Empfehlungen der Rentenkommission

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat Kritik an den Empfehlungen der Rentenkommission geübt - sie sieht aber auch positive Seiten. Für einen "Fehler" hielte sie es, "das Rentenniveau nicht bei 48 Prozent zu stabilisieren", sagte Haßelmann am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. In Ostdeutschland etwa seien mehr als 70 Prozent der Menschen auf die Gesetzliche Rentenversicherung angewiesen, sagte sie. "Sie alle haben dann keine Sicherheit", falls die Kommissionsempfehlungen umgesetzt würden.

Textgröße ändern: