Pallade Veneta - Grüne fordern "unverzügliche" Bestandsaufnahme zur digitalen Souveränität

Grüne fordern "unverzügliche" Bestandsaufnahme zur digitalen Souveränität


Grüne fordern "unverzügliche" Bestandsaufnahme zur digitalen Souveränität
Grüne fordern "unverzügliche" Bestandsaufnahme zur digitalen Souveränität / Foto: Olivier MORIN - AFP/Archiv

Die Grünen im Bundestag fordern von der Bundesregierung eine "unverzügliche" Bestandsaufnahme zur digitalen Souveränität des Landes. Die Regierung müsse "systematisch erfassen, in welchen Bereichen Deutschland von außereuropäischen Anbietern abhängig ist", heißt es in einem Antrag der Fraktion, der am Freitag im Bundestag debattiert wird. Ein vollständiger Überblick sei die Voraussetzung für politische Handlungsfähigkeit.

Textgröße ändern:

"Deutschland und Europa stehen vor der Aufgabe, ihre digitale Zukunft eigenständig, rechtsstaatlich und sicher zu gestalten, statt sie und sich von den Opportunitäten anderer Akteure bestimmen zu lassen", heißt es in dem Antrag, der AFP am Dienstag vorlag. Technologische Unabhängigkeit und Wahlfreiheit würden zunehmend über politische Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Resilienz entscheiden.

"Doch in der Praxis spiegelt sich diese Erkenntnis in den Maßnahmen der Bundesregierung und des Digitalministers kaum wider", kritisierte die digitalpolitische Sprecherin der Grünen, Rebecca Lenhard. Das Digitalministerium setze keine klaren Prioritäten und agiere ohne strategische Orientierung. "Digitalpolitisch befindet sich die Bundesregierung im Blindflug."

Nötig seien "kare Ziele, Zuständigkeiten und überprüfbare Fortschritte von Open Source über sichere Cloud-Infrastrukturen bis hin zu Forschung und Fachkräfteförderung", sagte Lenhard zu AFP. "Was aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, muss auch dem Gemeinwohl zugutekommen."

Eine souveräne Digitalpolitik sei auch Standortpolitik, argumentierte Lenhard. Sie schütze Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze in Europa und schaffe Vertrauen in Technologie Made in Europe. "Die Bundesregierung muss daher aufhören, Milliarden in undurchsichtige Lizenzverträge mit US-Konzernen zu stecken und stattdessen gezielt in offene europäische Technologien investieren", forderte sie.

Ebenfalls am Freitag debattiert der Bundestag über einen Antrag der Grünen-Fraktion zur Umsetzung der europäischen KI-Verordnung. Hier kritisiert die Fraktion, der zuständige Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) zögere die Umsetzung hinaus. "Unternehmen und Forschungseinrichtungen warten auf festgelegte Standards, klare Zuständigkeiten, verlässliche Aufsichtsstrukturen und ausreichend Ressourcen", sagte Lenhard. Bislang liege nur ein Referentenentwurf des Umsetzungsgesetzes vor.

Die EU-Regeln für Künstliche Intelligenz sind seit August 2024 in Kraft, die Umsetzungsfrist sei in Teilen bereits überschritten, heißt es im Antrag der Grünen. Laut der Verordnung müssen etwa Entwickler mit KI erzeugte Texte, Töne und Bilder eindeutig kennzeichnen, um Menschen nicht in die Irre zu führen. Für "risikoreiche" Anwendungen sollen verschärfte Vorschriften gelten, etwa für die Gesichtserkennung in Sicherheitsbehörden. Grundsätzlich verboten wird eine Massenüberwachung mit biometrischen Daten wie in China.

J.Lubrano--PV

Empfohlen

Toyota erhöht Gewinnprognose - und ernennt neuen Chef

Der größte Autohersteller der Welt, Toyota, erhöht trotz der Schwierigkeiten im Handel mit den USA seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Gleichzeitig erklärte der japanische Konzern, er müsse dringend die Rentabilität steigern. Daher werde der bisherige Finanzchef Kenta Kon ab April den bisherigen Chef Koji Sato ersetzen.

Kanada streicht Vorgabe von 100 Prozent E-Autos bei Neuwagen bis 2035

Kanada hat die Vorgabe gestrichen, dass bis 2035 der Anteil von E-Autos an allen Neuwagenverkäufen im Land auf 100 Prozent steigen muss. Premierminister Mark Carney bekräftigte am Donnerstag Kanadas Führungsanspruch beim Kampf gegen den Klimawandel, verwies jedoch auf die Probleme der Autoindustrie wegen des Handelskonflikts mit den USA. Der Schritt ist demnach Teil einer Strategie, um die Abhängigkeit vom südlichen Nachbarn zu reduzieren.

Industrieproduktion im Dezember gesunken - aber Produktionsplus im Quartal bleibt

Die Industrieproduktion ist im Dezember deutlich gesunken. Vor allem wegen Rückgängen in der Autoindustrie und im Maschinenbau ging sie im Vergleich zum Vormonat um 3,0 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Das gesamte Produzierende Gewerbe inklusive Baugewerbe und Energieproduktion gab demnach um 1,9 Prozent nach. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich blieb jedoch ein Plus von 0,9 Prozent.

"Politbarometer": Große Mehrheit lehnt Vorwurf von zu wenig Arbeit deutlich ab

In der Debatte um die Arbeitszeit der Beschäftigten in Deutschland hat die deutsche Bevölkerung eine klare Meinung: In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" gaben nur 20 Prozent an, der Vorwurf aus Teilen der Union, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet, sei gerechtfertigt. 75 Prozent sind gegenteiliger Ansicht - darunter auch 52 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der Union.

Textgröße ändern: