Pallade Veneta - Junge Union lässt bei Rente nicht locker und fordert Kostensenkungen

Junge Union lässt bei Rente nicht locker und fordert Kostensenkungen


Junge Union lässt bei Rente nicht locker und fordert Kostensenkungen
Junge Union lässt bei Rente nicht locker und fordert Kostensenkungen / Foto: John MACDOUGALL - AFP/Archiv

Nach der mühsamen Vereinbarung eines ersten Rentenpakets der schwarz-roten Regierung pocht die Junge Union auf eine grundlegende Reform zur Kostenbegrenzung bei der Alterssicherung. "Wir haben mit diesem Rentenpaket den Reformbedarf nicht gelindert, sondern gestärkt", sagte der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, dem "Stern". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte am Dienstag, alle wüssten, "dass das nicht ausreicht und dass wir mehr tun müssen" - dies werde eine "Mammutaufgabe".

Textgröße ändern:

Die Regierung hatte nach wochenlangem Streit mit der Jungen Gruppe der Union im Bundestag ihre Rentengesetze in der vergangenen Woche durchs Parlament gebracht. Sie umfassen eine Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2031, eine Ausweitung der Mütterrente sowie die Einführung der sogenannten Aktivrente zum Arbeiten im Alter. Winkel hatte am Freitag zusammen mit sechs anderen Unionsabgeordneten gegen das Rentenpaket gestimmt.

Er sagte dem "Stern" laut Vorabmeldung vom Dienstag, das von der Regierung versprochene nächste Rentenpaket müsse nun "ein Erfolg werden". Mit der Annahme der ersten Rentenbeschlüsse im Bundestag werde der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor, der den Rentenanstieg begrenzen soll, ausgesetzt - so wie der Koalitionspartner SPD das wollte. Dies dürfe aber keine Dauerlösung sein: "Unabhängig von politischer Meinung - das kann mathematisch nicht aufgehen."

Die Grundzüge der künftigen Rentenreform sollen in einer Kommission erarbeitet werden, die noch vor Weihnachten eingesetzt wird. Bis Mitte kommenden Jahres soll sie Vorschläge vorlegen. Es wird dabei erneut mit schwierigen Diskussionen innerhalb des schwarz-roten Regierungsbündnisses gerechnet.

Merz sagte dazu in Mainz, wo er sich zu seinem Antrittsbesuch in Rheinland-Pfalz aufhielt, ein erster Schritt sei mit den Rentenentscheidungen der vergangenen Woche getan. Damit sei es aber nicht getan und diese große Aufgabe "geht nicht über Nacht", fuhr er fort. "Es dauert ein bisschen, aber wir sind auf einem Weg, der glaube ich auch vielversprechend sein wird."

Seit dem Wochenende wird vor diesem Hintergrund über einen Vorschlag des Ökonomen Jens Südekum diskutiert, der auch Berater von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist. Er hatte sich dafür ausgesprochen, den Beginn der Rente nicht mehr mit dem Alter, sondern mit der Zahl der Beitragsjahre zu verknüpfen. Vor allem für Akademikerinnen und Akademiker könnte dies ein späteres Renteneintrittsalter bedeuten.

Der Vorschlag stieß auf ein gemischtes Echo. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kann ihm "viel abgewinnen", Merz nannte ihn am Montagabend in der ARD "erwägenswert" im Rahmen der Beratungen zu einer großen Rentenreform. Die Linke hatte den Vorstoß hingegen bereits am Montag scharf kritisiert.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge lehnte ihn nun am Dienstag ab und begründete das mit der Benachteiligung von Frauen. Sie hätten oft weniger Beitragsjahre als Männer, weil sie Kindererziehungszeiten stärker übernähmen und weil sie sich häufig um Angehörige in der Pflege kümmerten, sagte sie RTL und ntv.

Der Wirtschaftsweise Martin Werding sprach sich ebenfalls gegen den Vorschlag aus - verwies aber auf einen anderen Aspekt: "Mich stört das Verständnis von Arbeit, das da durchschimmert", sagte der Bochumer Professor dem "Spiegel". "Arbeit ist nicht nur schrecklich." Zwar gebe es körperlich und psychisch schwer belastende Berufe, für die gute Lösungen nötig seien. "Aber rigorose Regeln für alle, egal ob sie wirklich schwer arbeiten oder nicht, verschärfen die Probleme des Systems."

E.Magrini--PV

Empfohlen

SPD-Fraktion: Verabschiedung der Gesundheitsreform wird verschoben

Die für kommende Woche geplante Verabschiedung der Gesundheitsreform im Bundestag wird verschoben. Das große Reformprojekt von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) solle nun am letzten Sitzungstag vor der Sommerpause, dem 10. Juli, verabschiedet werden - zwei Wochen später als geplant, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, am Donnerstag in Berlin. Er begründete die Verschiebung mit weiterem Beratungsbedarf.

"Koalitionsbruch": Harte Kritik an Entwurf aus dem Hause Bas zu Arbeitszeitreform

Ein Entwurf des SPD-geführten Bundesarbeitsministeriums zur Reform des Arbeitszeitgesetzes ist auf harte Kritik im Arbeitgeberlager und in der Union gestoßen. Wirtschaftsverbände und Unionspolitiker warfen Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) einen Bruch des Koalitionsvertrags vor. Laut einem Referentenentwurf, der AFP am Donnerstag vorlag, will Bas den Übergang von der Tages- zur Wochenarbeitszeit an Tarifverträge knüpfen und strengere Vorschriften für die Arbeitszeiterfassung erlassen.

Rentenkommission einigt sich auf Empfehlungen - aber offenbar nicht einstimmig

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat sich auf Empfehlungen geeinigt. Dies bestätigte das Büro des SPD-Kommissionsmitglieds Annika Klose auf AFP-Anfrage am Donnerstag in Berlin. Offenbar kam aber kein von der Koalition erhofftes einstimmiges Votum zustande. Laut "Handelsblatt" erfolgte die Einigung auf rund 30 Empfehlungen mit großer Mehrheit.

Koalition uneins über mögliche Änderungen an Selbstbestimmungsgesetz

Union und SPD sind sich uneinig über mögliche Änderungen des Selbstbestimmungsgesetzes. Während CDU und CSU auf Einschränkungen des Rechts auf Änderung des Geschlechtseintrags pochen, sieht die SPD keinen Änderungsbedarf. Sie verweist auf die ohnehin anstehende Evaluation des Gesetzes, die abgewartet werden solle.

Textgröße ändern: