Pallade Veneta - Nach zwei Rezessionsjahren: Deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen

Nach zwei Rezessionsjahren: Deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen


Nach zwei Rezessionsjahren: Deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen
Nach zwei Rezessionsjahren: Deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen / Foto: Axel Heimken - AFP/Archiv

Gestützt von privaten und staatlichen Konsumausgaben in die deutsche Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren wieder gewachsen - allerdings nur leicht: 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahresvergleich um preisbereinigt 0,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Für die deutsche Exportwirtschaft, vor allem in der gewichtigen Automobil- und Chemieindustrie, blieb die Lage aber weiter schwierig.

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Der leichte Anstieg des BIP gehe insbesondere auf die "gestiegenen privaten und staatlichen Konsumausgaben" zurück, erläuterte Bundesamtspräsidentin Ruth Brand bei einer Pressekonferenz in Berlin. Der Konsum der privaten Haushalte habe in der ersten Jahreshälfte "deutlich" angezogen, in der zweiten Jahreshälfte aber "kaum noch" zugenommen, sagte sie. "Der Staatskonsum stieg vor allem wegen zunehmender Ausgaben der Sozialversicherung für Gesundheit und Pflege", fügte sie hinzu.

Die Exportwirtschaft sei im vergangenen Jahr hingegen "schwach" geblieben, sagte Brand weiter. Zudem sei "erneut weniger in Ausrüstung und Bauten investiert" worden. Das sogenannte Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität habe im vergangenen Jahr "noch keine spürbaren Impulse" gegeben.

Auch sei die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe "im dritten Jahr in Folge" zurückgegangen, hob die Präsidentin des Bundesamtes hervor. "Dabei verzeichneten mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau zwei wichtige Industriezweige Einbußen", fügte sie hinzu. "Die Chemieindustrie und andere energieintensive Branchen unterschritten das niedrige Niveau der Vorjahre nochmals leicht." Insgesamt habe die exportorientierte Industrie "unter den höheren US-Einfuhrzöllen" gelitten - ebenso wie unter "der stärkeren Konkurrenz auf den internationalen Märkten", vor allem aus China.

Das staatliche Finanzierungsdefizit war 2025 unterdessen niedriger als im Vorjahr, "da die Einnahmen des Staates vor allem aufgrund höherer Sozialbeiträge stärker stiegen als die Ausgaben", wie Brand erklärte. Konkret betrug das Defizit dem Bundesamt zufolge 2,4 Prozent, während die Staatsquote erstmals seit den Corona-Jahren 2020 und 2021 wieder auf über 50 Prozent stieg.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt sagte die Bundesamtspräsidentin, dass hier 2025 der "langjährige Aufwärtstrend" zum "Erliegen" gekommen sei. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe habe die Zahl der Erwerbstätigen abgenommen. Zudem wies das Bundesamt darauf hin, dass die Bundesrepublik im internationalen Vergleich bei der konjunkturellen Entwicklung derzeit hinterherhinke. Deutlich kräftiger steigt die Wirtschaftsleistung derzeit demnach etwa in Spanien und in Polen.

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte am Donnerstag, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung nach einer Stagnation im dritten Quartal zum Jahresende wieder "leicht belebt" habe. Mit einer "zunehmenden Realisierung der fiskalischen Impulse" werde nun eine weitere Stabilisierung der konjunkturelle Entwicklung erwartet, die im Jahresverlauf 2026 an Dynamik gewinne. Angesichts eingetrübter Stimmungsindikatoren zeichne sich aber "noch keine breite konjunkturelle Belebung" ab.

Im Jahr 2024 war das BIP um 0,5 Prozent zurückgegangen, 2023 sogar um 0,9 Prozent. Für 2026 hatten führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen erst im Dezember angesichts struktureller Wettbewerbsprobleme und der schwierigen Lage für die deutsche Exportwirtschaft nach unten korrigiert; die sogenannten Wirtschaftsweisen gehen derzeit von 0,9 Prozent aus, wobei 0,3 Prozentpunkte davon auf das Sondervermögen des Bundes zurückgeführt werden.

Die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Helena Melnikov, wertete das "Mini-Wachstum" 2025 am Donnerstag als "Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben". Jüngste Industriezahlen seien ein Anzeichen für eine Stabilisierung der heimischen Produktion. "Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden", mahnte sie. Die Betriebe würden "weiterhin von hohen Kosten, umfangreichen Berichtspflichten und noch immer überlangen Verfahren ausgebremst".

KfW-Konjunkturexperte Philipp Scheuermeyer erwartet indes für 2026 eine "spürbare Wachstumsbeschleunigung aufgrund von erheblich steigenden Staatsausgaben und voraussichtlich auch Ausstrahlungseffekte auf die privaten Investitionen". Strukturelle Herausforderungen und geopolitische Risiken bestünden aber weiter.

Auch der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, erwartet, dass 2026 die Wirkungen des Sondervermögens sowie der steigenden Verteidigungsausgaben "erstmals spürbar wachstumswirksam werden". Zudem zeichne sich eine Erholung beim Wohnungsbau ab.

H.Lagomarsino--PV

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