Pallade Veneta - Gewerkschaften drohen mit Streiks gegen Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes

Gewerkschaften drohen mit Streiks gegen Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes


Gewerkschaften drohen mit Streiks gegen Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes
Gewerkschaften drohen mit Streiks gegen Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP/Archiv

Die Gewerkschaften haben angesichts der Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes mit Protesten und Streiks gedroht. "Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen, in den Betrieben und auf der Straße", sagte der Bundesvorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, der "Bild" (Donnerstag). Am Mittwoch hatte sich das Bundeswirtschaftsministerium zur Stärkung des Tourismus für eine baldige Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes stark gemacht.

Textgröße ändern:

"Durch die Pläne der Bundesregierung würde den Arbeitgebern gesetzlich ein Freibrief ausgestellt, um aus jetzt schon immer stärker belasteten und überlasteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Letzte rauszuholen, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beschäftigten", fuhr Werneke fort.

Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, sprach sich ebenfalls gegen Änderungen am Arbeitszeitgesetz aus. "Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit", sagte Feiger zu "Bild". Wer daran rüttele, riskiere Chaos statt Fortschritt. Eine Aufweichung bringe Nachteile vor allem für Beschäftigte ohne Tarifbindung. "Für sie hieße das: längere Arbeitstage, weniger Erholung, mehr Druck", sagte Feiger.

Die Arbeitszeitexpertin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Yvonne Lott, verwies auf den Gesundheitsschutz. Die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit öffne "Tür und Tor für unzuverlässige Arbeitszeiten und Arbeitstage von mehr als zehn Stunden". Das sei "Gift für die Gesundheit" und würde aktuellen Forschungsergebnissen zufolge "die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Alltagsorganisation deutlich erschweren" - besonders für Frauen, fuhr Lott fort. Somit "wäre beim Fachkräftemangel nichts gewonnen".

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte eine rasche Umsetzung der geplanten Neuregelung der Arbeitszeitvorgaben angekündigt. "Die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, mit der in Zukunft eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit gilt, soll noch in diesem Jahr beschlossen werden", erklärte der Koordinator für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß (CDU). Zuständig für einen entsprechenden Gesetzesentwurf ist allerdings das Bundesarbeitsministerium.

Diese Neuregelung der Arbeitszeit "wird vor allem den kleinen und mittelständischen Betrieben sehr helfen", erklärte Ploß. In Tourismus- und Gastronomiebetrieben sind unregelmäßige Arbeitszeiten eher üblich. Branchenverbände fordern deshalb schon länger eine Lockerung der bisherigen gesetzlichen Regelung.

Das Arbeitsministerium von Bärbel Bas (SPD) zeigte sich zurückhaltender. "Man muss bei dem Thema immer beide Seiten im Blick haben", sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch. "Flexibilität für die einen bedeutet im Zweifelsfall mehr Belastung für die anderen und genau diese Balance zu halten, daran sitzt das Haus jetzt und wird in der ersten Jahreshälfte vermutlich einen Referentenentwurf vorlegen."

Aktuell ist die Arbeitszeit für Beschäftigte in Deutschland auf acht Stunden pro Tag begrenzt. In Ausnahmefällen ist eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden möglich, zum Beispiel, wenn dies später wieder ausgeglichen wird. Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Acht-Stunden-Tag-Regelung durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit abzulösen. Widerstand hatte der Vorstoß der Bundesregierung von Gewerkschaften und den Grünen erfahren.

M.Jacobucci--PV

Empfohlen

Regierung in Kuba öffnet weitere Wirtschaftssektoren für Privatunternehmen

Die kubanische Regierung hat unter enormem Druck aus Washington erneut Schritte zur Liberalisierung der Wirtschaft des Landes unternommen. Weitere Wirtschaftssektoren würden für Privatunternehmen geöffnet und das Genehmigungsverfahren für neue Unternehmen gestrafft werden, teilte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel am Freitag in einer Fernsehansprache mit. Diese Reformen würden "bald diskutiert und sehr zügig verabschiedet werden".

Kolumbianisches Schiff mit Hilfslieferungen erreicht Kuba

Ein kolumbianisches Schiff mit Hilfslieferungen hat die seit Monaten unter einer US-Energieblockade leidende Karibikinsel Kuba erreicht. Die "ACR Caribe" der kolumbianischen Streitkräfte traf am Freitagmorgen im Hafen von Havanna ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Der kolumbianischen Regierung zufolge hat das Marineschiff rund hundert Tonnen Lebensmittel, Medikamente, Krankenhausbedarf und Solarpanele transportiert.

SpaceX-Aktie nach Börsenstart auf Höhenflug - Musk erster Billionär der Welt

Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX ist zu seinem Börsenstart auf Höhenflug gegangen: Kurz nach Handelsbeginn am Freitag legte der Wert der SpaceX-Aktie in New York um rund 23 Prozent auf 166 Dollar (rund 144 Euro) zu. Musk ist damit auf Kurs zum größten Aktiendebüt der Geschichte.

EU einigt sich im Streit um Flugpassagierrechte - nur kleine Änderungen

Nach jahrelangen Verhandlungen hat die EU sich im Streit um Rechte von Flugzeugpassagieren geeinigt. Die bisher vorgesehenen Entschädigungszahlungen bei verspäteten Flügen werden beibehalten, wie ein hochrangiger EU-Diplomat am Freitag mitteilte. Übrig blieben demnach am Ende nur kleinere Änderungen, etwa die Pflicht für Fluganbieter, Preise standardmäßig "inklusive Handgepäck" anzuzeigen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) begrüßte die Einigung.

Textgröße ändern: