Bahn-Sicherheitsgipfel: Bodycams für Mitarbeiter und mehr Personal in Zügen
Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters haben Bahn, Politik und Gewerkschaften einen "Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene" vereinbart. Nach einem "Sicherheitsgipfel" am Freitag in der Bahn-Zentrale in Berlin kündigte Konzern-Chefin Evelyn Palla an, die Bahn wolle noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt mit Bodycams ausstatten. Die Nutzung bleibe aber freiwillig. Zudem soll es mehr Sicherheitspersonal und mehr Zugbegleiter im Nahverkehr geben.
Palla kündigte die Einstellung von 200 zusätzlichen Kräften bei der DB Sicherheit auf Bahnhöfen an. Zudem solle die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert und der Notfallknopf für DB-Beschäftigte im Kundenkontakt weiter verbreitet und technisch verbessert werden.
Bei DB Regio entfällt bei der Ticketkontrolle ab 1. März darüber hinaus die Pflicht zur Ausweiskontrolle. Denn die Erfahrung zeige, dass es hier ein "hohes Eskalationspotenzial" gebe, sagte Palla. Ob der Ausweis kontrolliert werde, liege künftig im Ermessen des Zugpersonals.
Zudem soll das Bahn-Personal noch mehr in Verhaltens- und Deeskalationstrainings geschult werden. Mit der Bundespolizei sollen zudem auf regionaler Ebene Sicherheitskonzepte entwickelt werden.
Geprüft werden soll daneben im Verbund mit der Politik der Ausbau der Videoüberwachung in Zügen und Bahnhöfen. Die rechtlichen Grundlagen für eine verstärkte und KI-unterstützte Auswertung von Video- und Audioaufzeichnungen zur Früherkennung sollen zudem verbessert werden.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will sich zudem für den verstärkten Einsatz von "Zweierteams bei Fahrkartenkontrollen in Zügen" einsetzen, wie er bei einer Pressekonferenz mit Palla sagte. Im Beschlusstext wird allerdings nicht von Doppelbesetzung gesprochen, sondern lediglich von "mehr Personal". Beraten über die Frage soll nun die Verkehrsministerkonferenz Ende März. Dort soll auch besprochen werden, wie das Deutschlandticket noch fälschungssicherer gemacht werden könne, damit der Verzicht auf Ausweiskontrolle besser möglich wird.
Geprüft werden soll auch die Stärkung des strafrechtlichen Schutzes von Mitarbeitenden, damit Angriffe auf sie besser geahndet werden können. Dies wollen die beteiligten Bundesministerien in das laufende Verfahren zur Anpassung des Strafgesetzbuchs einbringen.
Ein 36-jähriger Zugbegleiter war Anfang Februar in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer bei einer Fahrkartenkontrolle angegriffen worden. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er später starb.
E.Magrini--PV