Pallade Veneta - Save the Children: Ukraine-Krieg ist "Krieg gegen Kinder" - Über 4000 Stunden Luftalarm seit Kriegsbeginn

Save the Children: Ukraine-Krieg ist "Krieg gegen Kinder" - Über 4000 Stunden Luftalarm seit Kriegsbeginn


Save the Children: Ukraine-Krieg ist "Krieg gegen Kinder" - Über 4000 Stunden Luftalarm seit Kriegsbeginn
Save the Children: Ukraine-Krieg ist "Krieg gegen Kinder" - Über 4000 Stunden Luftalarm seit Kriegsbeginn / Foto: OLEKSII FILIPPOV - AFP

Die Kinderrechtsorganisation Save the Children hat den Krieg in der Ukraine als "Krieg gegen Kinder" angeprangert. "Die Kinder leiden seit vier Jahren unter einer Dauerkrise", sagte der Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation, Florian Westphal, der Nachrichtenagentur AFP. In der Ukraine gebe es etwa 1,5 Millionen Kinder, bei denen es ein Risiko für Depressionen, Traumata, Angstzustände und Ähnlichem gebe. Seit Beginn des russischen Großangriffs am 24. Februar 2022 gab es nach Angaben von Save the Children durchschnittlich mehr als 4000 Stunden Luftalarm in der Ukraine - was etwa fünfeinhalb Monaten entspricht.

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Westphal warnte vor der Gefahr, dass man in dem Krieg "zuerst auf die physischen Verletzungen achtet, weil die viel sichtbarer sind und viel deutlicher zum Ausdruck kommen, und die psychischen Verletzungen darüber vergisst". Kleine Kinder wüssten nicht, was passiert. Sie würden für immer mit den Erfahrungen des Kriegs leben müssen.

Bei einem Besuch in den ostukrainischen Regionen Charkiw und Sumy traf Westphal Ende Januar ein siebenjähriges Mädchen, wie er berichtete. Die Familie des Mädchens baue ihr Haus, das im vergangenen Jahr durch fünf russische Geschosse zerstört worden sei, mit Unterstützung von Save the Children wieder auf. "Das Mädchen hat mir das ganz stolz gezeigt, wo ihr Zimmer sein wird und strahlend erzählt, dass sie mit ihrem Vater das Dach repariere." Gleichzeitig habe die Mutter der Siebenjährigen ihm erzählt, "dass ihre Tochter nach dem Angriff jedes Mal, wenn es eine Explosion gab, am ganzen Körper gezittert habe", sagte Westphal.

Die Familie sei bei einer psychologischen Beratung gewesen und mache nun gemeinsam Atemübungen, wenn es Explosionen gebe, das helfe ein bisschen. "Die Geschichte des Mädchens zeigt, wie häufig Kinder diese optimistische Weltsicht, diesen Blick nach vorn haben. Aber der Krieg bleibt allgegenwärtig."

Was mit Blick auf Erwachsene in der Ukraine auffalle, sei, dass sie "im Hier und Jetzt leben und versuchen, nicht zu sehr über die Zukunft nachzudenken", sagte Westphal weiter. "Die Menschen sprechen zum Beispiel kaum über Friedensverhandlungen oder Politik - nicht, weil es sie nicht interessiert, sondern weil sie vom Krieg in Beschlag genommen sind."

In sogenannten Bunkerschulen in der Nähe der ukrainischen Front wird versucht, ein Stück Normalität für Kinder aufrechtzuerhalten. Westphal hat eine solche Schule in der ostukrainischen Stadt Charkiw besucht: "Das ist wirklich beeindruckend, man geht eine Treppe herunter, durch eine schwere Stahltür und dann ist man in einer Schule sieben Meter unter der Erde." Dort gebe es 20 Klassenzimmer, eine kleine Cafeteria und ein Lehrerzimmer - "wie in einer normalen Schule, nur dass es keine Fenster gibt".

In normalen Schulen über der Erde müssen Kinder und Lehrkräfte sich bei jedem Luftalarm in einen Schutzraum zurückziehen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 haben die Menschen in der Ukraine laut Save the Children durchschnittlich mehr als 4000 Stunden lang Luftalarm erlebt - was etwa fünfeinhalb Monaten entspricht.

In der Hauptstadtregion Kiew und in einigen Frontgebieten habe sich der Alarm sogar auf insgesamt 7000 Stunden, also neuneinhalb Monate, belaufen, erklärte die Kinderrechtsorganisation. Inzwischen seien viele Menschen in der Ukraine so erschöpft davon, "dass sie nicht einmal mehr Schutzräume aufsuchen, sondern sich in ihren weniger sicheren Badezimmern oder Hausfluren aufhalten".

Was ihm nach vier Jahren Krieg Hoffnung mache, sei, dass in Deutschland weiter ein großes Interesse an der Lage der Menschen in der Ukraine bestehe, betonte Westphal. "Ich finde, dass es nach wie vor eine relativ große Solidarität mit den Menschen und den Kinder in der Ukraine gibt."

Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger verwies ihrerseits auf die "dramatische humanitäre Lage in der Ukraine". Insgesamt 10,8 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen - 3,6 Millionen davon akut. Die Organisation warnte "angesichts der extremen Kälte und anhaltenden Angriffen vor einer weiteren Zuspitzung der Lage".

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erklärte, dass für viele Menschen "die Mischung aus Kälte, Angst um das eigene Leben und stetiger Unsicherheit zermürbend" sei. Die Ukraine erlebt derzeit den härtesten Winter seit Kriegsbeginn mit zum Teil zweistelligen Minusgraden.

Die russische Armee greift die Ukraine regelmäßig mit hunderten Drohnen und Raketen über Nacht an. Russland meldete unterdessen die Abwehr von mehr als hundert ukrainischen Drohnen. Die Luftabwehr habe "113 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört", erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstag. Die Angriffe zielten demnach unter anderem auf die nordwestliche Region Pskow.

Am Dienstag und Mittwoch waren Vertreter Russlands und der Ukraine in Genf zu erneuten Verhandlungen über ein Ende des seit 2022 andauernden Konflikts unter Vermittlung der USA zusammengekommen. Die Gespräche gingen ohne greifbare Ergebnisse zu Ende.

A.Rispoli--PV

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