Pallade Veneta - Studie: Mindestlohn in vielen EU-Staaten deutlich gestiegen - auch in Deutschland

Studie: Mindestlohn in vielen EU-Staaten deutlich gestiegen - auch in Deutschland


Studie: Mindestlohn in vielen EU-Staaten deutlich gestiegen - auch in Deutschland
Studie: Mindestlohn in vielen EU-Staaten deutlich gestiegen - auch in Deutschland / Foto: PHILIPPE HUGUEN - AFP/Archiv

Die Mindestlöhne sind in vielen Ländern der Europäischen Union zuletzt deutlich gestiegen. Wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag mitteilte, entwickelten sich die Zuwächse "europaweit kräftig - und anders als im Vorjahr gilt das auch für Deutschland". Im Mittel stiegen die Mindestlöhne in der EU demnach nominal, also nicht preisbereinigt, um 5,6 Prozent - nach Abzug der Inflation bleibt ein reales Lohnplus von 2,9 Prozent.

Textgröße ändern:

Laut WSI hoben 20 der 22 EU-Länder mit einem gesetzlichen Mindestlohn diesen zum Jahresbeginn 2026 oder, wie im Fall von Griechenland und Luxemburg, bereits im Verlauf des Jahres 2025 an. In Deutschland sei der Mindestlohn durch die Erhöhung auf 13,90 Euro zum 1. Januar nominal um 8,4 Prozent gestiegen - "und damit stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern".

Hintergrund ist dem Forschungsinstitut zufolge die gute Entwicklung der Tariflöhne in Deutschland in den vergangenen Jahren, die von der Mindestlohnkommission berücksichtigt worden sei. Außerdem komme zum Tragen, dass die Anhebungen für 2024 und 2025 vor dem Hintergrund gestiegener Preise "äußerst mager" ausgefallen seien. Da sich die Inflationsrate inzwischen wieder normalisiert hat, führe die deutliche Anhebung zu Jahresbeginn nun "für mehr als sechs Millionen Beschäftigte zu echten Einkommensgewinnen", erklärte WSI-Mindestlohnexperte Malte Lübker.

Im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern rangiert Deutschland der Untersuchung zufolge mit dem neuen Mindestlohn im Mittelfeld. Demnach liegt der Mindestlohn in Luxemburg, dem traditionellen Spitzenreiter, derzeit bei 15,63 Euro, gefolgt von den Niederlanden (14,71 Euro) und Irland (14,15 Euro). Auf den Plätzen hinter Deutschland liegen Belgien (13,08 Euro) und Frankreich (12,02 Euro).

Zugleich wies das WSI darauf hin, dass osteuropäische Länder wie Slowenien (8,57 Euro), Polen (7,41 Euro) und Litauen (7,05 Euro) ihre Mindestlöhne in den vergangenen Jahren "deutlich angehoben" hätten, sodass der Abstand zu Westeuropa geschrumpft sei. Schlusslicht innerhalb der EU ist demnach nach wie vor Bulgarien mit einem Mindestlohn von aktuell 3,74 Euro. In Österreich, Italien und den nordischen EU-Ländern gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn, "da hier Tarifverträge einen umfassenden Schutz gegen Niedriglöhne bieten", wie das Institut erklärte.

Zu einer dynamischen Entwicklung der Mindestlöhne "in weiten Teilen Europas" trägt nach Einschätzung des WSI die Europäische Mindestlohnrichtlinie bei. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Richtlinie, die auch auf eine Stärkung der Tarifbindung abzielt, im vergangenen November "im Grundsatz für europarechtskonform erklärt" habe, komme es nun jedoch auf die nationale Umsetzung an, erklärte das Institut.

Deutschland sei diesbezüglich "bisher säumig geblieben" und habe trotz verbindlicher europarechtlicher Regelungen bislang noch keinen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen zur Erhöhung der Tarifbindung vorgelegt, die 2024 nur noch bei 49 Prozent der Beschäftigten gelegen habe. Das Bundeskabinett müsse deshalb den nationalen Aktionsplan "jetzt schnellstmöglich beschließen und dann auch umsetzen", erklärte der Mitautor des WSI-Mindestlohnberichts, Thorsten Schulten.

I.Saccomanno--PV

Empfohlen

Porsche baut 5000 Stellen ab - Audi senkt Umsatzprognose für 2026

Die Krise bei Volkswagen macht auch vor den Premiumtöchtern nicht Halt: Der Sportwagenhersteller Porsche kündigte am Montag 5000 Stellenstreichungen an, Audi senkte seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Die VW-Töchter leiden wie auch die Kernmarke des Konzerns unter einem wegbrechenden China-Geschäft und hohen Belastungen wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump.

Porsche baut bis 2035 weitere 5000 Stellen ab

Der Sportwagenhersteller Porsche baut bis 2035 weitere 5000 Arbeitsplätze ab. Der Stellenabbau werde "sozialverträglich" und mittels natürlicher Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge umgesetzt, erklärte der Autobauer am Montag. Zugleich sicherte Porsche den Erhalt seiner Standorte zu und schloss betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 aus.

China-Geschäft bricht weiter ein - Audi senkt Umsatzprognose

Vor dem Hintergrund weiter einbrechender Verkäufe in China hat der Autobauer Audi seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. Gerechnet wird nun mit 58 bis 63 Milliarden Euro - fünf Milliarden weniger als im Frühling erwartet, wie die Ingolstädter VW-Tochter am Montag mitteilte. Finanzchef Jürgen Rittersberger stellte weitere Sparmaßnahmen in Aussicht.

Ferien in ganz Deutschland: ADAC erwartet staureichstes Wochenende des Sommers

Für das kommende Wochenende rechnet der ADAC mit den wohl staureichsten Reisetagen der gesamten Ferienzeit. Da sich nun alle Bundesländer in den Sommerferien befinden, soll die Reisewelle am ersten August-Wochenende erfahrungsgemäß ihren Höhepunkt erreichen, wie der Automobilklub am Montag in München mitteilte. Zudem sorge der Urlaubs- und Transitverkehr aus den deutschen Nachbarländern für volle Autobahnen.

Textgröße ändern: