Pallade Veneta - Spritpreise steigen weiter - Kartellamt dämpft Hoffnung auf rasche Abhilfe

Spritpreise steigen weiter - Kartellamt dämpft Hoffnung auf rasche Abhilfe


Spritpreise steigen weiter - Kartellamt dämpft Hoffnung auf rasche Abhilfe
Spritpreise steigen weiter - Kartellamt dämpft Hoffnung auf rasche Abhilfe / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Der Iran-Krieg treibt die Preise an den Tankstellen in Deutschland weiter in die Höhe - und befeuert die Debatten über mögliche Schritte der Politik zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Aus den Ländern mehrten sich am Donnerstag Forderungen nach Maßnahmen der Bundesregierung, auch um Folgen für die deutsche Wirtschaft abzufedern. Das Bundeskartellamt dämpfte unterdessen Hoffnungen auf rasche Abhilfe bei den Preissteigerungen.

Textgröße ändern:

Nach Angaben des ADAC kostete Diesel am Donnerstagmorgen im Schnitt deutlich über zwei Euro, auch der Benzinpreis stieg zeitweise über diese Schwelle. Bereits in den vergangenen Tagen hatte der Krieg den Rohölpreis kräftig steigen lassen, da der Iran die Straße von Hormus kontrolliert, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion verschifft wird. In der Folge verteuerten sich auch die Spritpreise deutlich - im Februar hatte der Dieselpreis im Monatsschnitt noch bei rund 1,72 Euro gelegen, der Benzinpreis bei 1,76 Euro.

Ob diese Preissprünge gerechtfertigt sind, wird von Seiten der Politik allerdings teils angezweifelt: Es werde geprüft, ob die Situation ausgenutzt werde, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in einem Podcast des Portals Table.Briefings. Darüber sei sie mit dem Bundeskartellamt als Wächterbehörde im intensiven Austausch.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann verwies darauf, dass die Konzerne "ja nicht gestern" Benzin und Diesel eingekauft hätten, "sondern das sind ja Verträge, die bereits seit Wochen, ja Monaten laufen", wie er den Sendern RTL und ntv sagte. Einem Spritpreisdeckel erteilte er eine Absage, mahnte aber mehr Kontrolle an. Es sei Vorsicht angebracht, "jetzt jeden Tag zu sagen, wo die Politik entlastet, weil dann der Preis weiter steigen wird", argumentierte er. Es sei aber extrem wichtig, dass jetzt das Kartellamt sofort tätig werde.

Das Bundeskartellamt selbst teilte am Donnerstag mit, dass die Preisentwicklung für Kraftstoffe "ohnehin fortlaufend" analysiert werde. "Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen", erklärte Behördenpräsident Andreas Mundt. Es gebe aber kein Instrumentarium, "um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern", fügte er hinzu.

"Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5/E10 bislang auch gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein illegales Verhalten der Konzerne darstellen", führte Mundt aus. Die für die Preisbildung sehr entscheidende Raffinerie- und Großhandelsebene werde derzeit ebenfalls untersucht. "Wenn wir hier Störungen des Wettbewerbs ausmachen, werden wir diese abstellen", kündigte der Kartellamtspräsident an. Für steigende Weltmarktpreise schafft auch das allerdings "keine kurzfristige Abhilfe".

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) warnte im Bayerischen Rundfunk indes davor, dass die Preissteigerungen die Zuversicht im Land und die Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung dämpfen könnten. In diesem Zusammenhang kritisierte er, dass Bundeswirtschaftsministerin Reiche vorerst ausgeschlossen habe, einzugreifen. "Man kann doch jetzt noch nicht ausschließen, dass eine Bundesregierung Maßnahmen ergreift, wenn sie merkt, dass Wirtschaft und Verbraucher in Schwierigkeiten geraten", sagte er.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch erklärt, dass es derzeit "keinen Anlass" für Eingriffe in den Markt gebe. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sieht das Bundeswirtschaftsministerium hingegen in der Pflicht, "das wettbewerbs- und kartellrechtliche Instrumentarium" gegen mögliche Krisengewinne einzusetzen, wie sie der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe) sagte. "Die aktuelle Spritpreisexplosion geht im wahrsten Sinne des Wortes aufs Konto der Konzerne, denn noch verkaufen die Tankstellen ja Benzin, das im Einkauf viel günstiger war", kritisierte sie.

SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher regte indes an, "die Häufigkeit zu begrenzen, mit der Tankstellen und Mineralölkonzerne die Preise anheben dürfen", wie er der "Rheinischen Post" sagte. Er verwies auf das Beispiel Österreichs, wo es Tankstellenbetreibern nur einmal täglich um 12.00 Uhr erlaubt ist, die Preise zu erhöhen.

Die AfD drängte unterdessen auf "Steuersenkungen für Treibstoffe und eine vollumfängliche Aussetzung sämtlicher klimabezogenen Abgaben", wie Ko-Parteichefin Alice Weidel mitteilte. Die Grünen hingegen halten weniger fossile Abhängigkeit für sinnvoll: Energiesouveränität sei "eine Frage strategischer Resilienz und wirtschaftlicher Stärke", sagte Ko-Parteichefin Franziska Brantner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Linken-Politiker Lorenz Gösta Beutin plädierte für eine Wiedereinführung des Neun-Euro-Tickets im Nahverkehr.

Y.Destro--PV

Empfohlen

Rekord-Börsengang: SpaceX könnte noch mehr einnehmen als erwartet

Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX könnte bei seinem Rekord-Börsengang am Freitag noch mehr Geld einsammeln als ohnehin schon erwartet: Wegen der riesigen Nachfrage will das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk mehr Aktien ausgeben als ursprünglich geplant und einen Rekordwert von bis zu 86 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) erzielen, wie die Börsenaufsicht SEC am Donnerstag mitteilte. Das wäre mit Abstand der größte Börsengang der Geschichte.

G7-Vertreter beraten mit China über Abbau von Ungleichheiten

Wenige Tage vor dem G7-Gipfel in Evian haben Vertreter der Teilnehmerstaaten mit China über den Abbau wirtschaftlicher Ungleichheiten beraten. "Wir sind gemeinsam zur Überzeugung gekommen, dass diese Ungleichheiten gefährlich sind", hieß es am Donnerstag im französischen Präsidialamt. Das gemeinsame Ziel sei ein "nachhaltiges, geteiltes Wachstum, das allen zugute kommt", betonte der Elysée am Donnerstag nach einer Videokonferenz, an der neben anderen der chinesische Vize-Ministerpräsident Zhang Guoqing und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilnahmen.

Lobbycontrol: Wirtschaft gibt Rekordsumme für Einflussnahme auf EU-Institutionen aus

Unternehmen und Wirtschaftsverbände geben nach Angaben von Lobbycontrol Rekordsummen aus, um EU-Institutionen zu beeinflussen. Zum Stichtag 11. Mai 2026 waren es binnen eines Jahres insgesamt 382 Millionen Euro, wie eine am Donnerstag in Brüssel veröffentlichte Analyse von Lobbycontrol und Corporate Europe Observatory ergab. Dies waren demnach 27 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum und fast 50 Prozent mehr als noch im Jahr 2020.

Nach Aus für FCAS: Startschuss für mögliches Kampfjet-Nachfolgeprojekt

Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS ist der Startschuss für eine mögliche europäische Nachfolgelösung gefallen. Ein Konsortium um den Flugzeugbauer Airbus schloss am Donnerstag bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. eine entsprechende Vereinbarung, wie die beteiligten Unternehmen mitteilten. Ob sich die Bundesregierung tatsächlich für das Bündnis aus insgesamt acht Unternehmen entscheidet, ist offen.

Textgröße ändern: