Pallade Veneta - Gaspreise für Neukunden gestiegen - Regierung prüft Einrichtung von Notfall-Reserve

Gaspreise für Neukunden gestiegen - Regierung prüft Einrichtung von Notfall-Reserve


Gaspreise für Neukunden gestiegen - Regierung prüft Einrichtung von Notfall-Reserve
Gaspreise für Neukunden gestiegen - Regierung prüft Einrichtung von Notfall-Reserve / Foto: PIERRE ANDRIEU - AFP/Archiv

Die Folgen des Iran-Krieges erreichen nun auch Gaskunden in Deutschland: Neu abgeschlossene Verträge hätten sich "innerhalb weniger Tage um 1,7 Cent pro Kilowattstunde verteuert", erklärte das Vergleichsportal Verivox am Dienstag in Heidelberg. Dies ist demnach ein Anstieg um mehr als ein Fünftel. Unterdessen äußerten die Gasspeicherbetreiber Sorgen um die Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter. Die Bundesregierung erwägt eine strategische Reserve für den Notfall.

Textgröße ändern:

Grund für den deutlichen Preissprung sind die stark gestiegenen Großhandelspreise für Erdgas infolge des Iran-Krieges. Laut Verivox lagen sie in Europa zuletzt rund 68 Prozent über dem Vorkriegsniveau.

"Bestandskunden müssen vorerst keine Gas-Preiserhöhungen befürchten", erklärte der Energieexperte des Vergleichsportals, Thorsten Storck. "Die Sorge vor einer länger anhaltenden Schließung der Straße von Hormus und die aktuell hohen Großhandelspreise sorgen jedoch dafür, dass die Neukundenpreise nun deutlich anziehen."

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher ihren aktuellen Vertrag prüfen - "und wenn möglich das derzeit oft noch günstige Preisniveau für die kommende Heizsaison sichern", riet Storck. Aktuell lägen die Neukundenpreise "immer noch auf dem Niveau des Vorjahres", erklärte er. "Selbst wenn der Vertrag noch einige Zeit läuft, viele Anbieter erlauben den Wechsel bis zu 12 Monate im Voraus."

Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu knapp 22 Prozent gefüllt. "Das ist nicht viel, aber reicht, um in dem ausgehenden Winter die Versorgungslage sicherzustellen", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag. Der Gasspeicher-Verband Ines erklärte, dies reiche selbst bei extrem kalten Temperaturen aus, "um die Gasversorgung bis zum Ende der Heizperiode sicherzustellen".

Allerdings erklärten die in dem Verband organisierten Speicherbetreiber, dass die über den Sommer stattfindende Befüllung für den kommenden Winter zu einer "außergewöhnlich großen Herausforderung" werde. Wegen der Preissteigerungen "fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher", erklärten sie.

Derzeit fehlen am Weltmarkt für Flüssigerdgas (LNG) große Teile der Produktion aus den Golfstaaten. Insbesondere Katar ist einer der wichtigsten LNG-Produzenten weltweit und kann sein Gas derzeit wegen der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran nicht verschiffen. "Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibt die Preise nach oben", erklärte Ines.

Wirtschaftsministerin Reiche verwies darauf, dass es bereits Vorbuchungen für die Gasspeicher aus der Zeit vor Kriegsbeginn gebe, "die uns zunächst (...) ein gutes Fahrgefühl geben". Zudem erwäge die Bundesregierung, auch eine strategische Gasreserve für den Notfall einzurichten. "Wir diskutieren, eine vom Markt abgetrennte gesicherte Reserve anzulegen", sagte sie. Wie diese ausgestaltet sein könne, werde "zurzeit durch Gutachten ermittelt".

Reiches Beratergremium hatte in der vergangenen Woche in einem Kurzgutachten zu den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges allerdings von einer solchen strategischen Reserve abgeraten. Diese könne nur sinnvoll implementiert werden, "wenn dafür zusätzliche Speicherkapazitäten geschaffen werden", erklärten die Ökonomen um die Wirtschaftsweise Veronika Grimm.

Neue Speicher zu bauen sei jedoch höchst zeitaufwendig: "Die Errichtung zusätzlicher Speicher dauert typischerweise bei Kavernenspeichern fünf bis zehn Jahre, bei Porenspeichern vier bis acht Jahre", erklärten sie. Zudem verfüge Deutschland mit rund 24 Milliarden Kubikmetern Speicherkapazität bereits über "eine der größten Gasspeicher-Infrastrukturen Europas".

F.Amato--PV

Empfohlen

Europäische Zentralbank hebt Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder an

Angesichts der durch den Iran-Krieg deutlich gestiegenen Inflation im Euroraum hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinssätze angehoben. Wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte, steigt der Einlagenzinssatz um 0,25 Punkte von 2,0 auf nun 2,25 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung der EZB seit September 2023.

Rentenversicherung rechnet mit Beitrag von 19,9 Prozent im Jahr 2028

Der Beitrag zur Gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) dürfte der Finanzschätzung der Versicherung zufolge im Jahr 2028 auf 19,9 Prozent ansteigen. Im Jahr 2029 sind sogar 20 Prozent denkbar, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Finanzplan der Rentenversicherung hervorgeht. Der Satz beträgt aktuell 18,6 Prozent, Arbeitgeber und Beschäftigte teilen sich den Beitrag je zur Hälfte.

Preisschwankungen beim Tanken seit Beginn der Zwölf-Uhr-Regel "groß wie nie"

Seit Einführung der Zwölf-Uhr-Regel an den Tankstellen Anfang April ist die Preisdifferenz laut ADAC "so groß wie nie zuvor". An einem durchschnittlichen Tag im Mai lag die Differenz demnach bei 14,6 Cent pro Liter Super E10 und bei 18,4 Cent pro Liter Diesel. Das Preisniveau insgesamt sei mit der Zwölf-Uhr-Regel außerdem gestiegen, kritisierte der ADAC. Zum Ende des Tankstellenrabatts forderte der Club neue "zielgerichtete" Entlastungen für besonders Betroffene.

Deutscher Ethikrat gegen pauschales Social-Media-Verbot und für Schutzkonzepte

Ein gesetzliches Mindestalter für Soziale Medien und pauschale Verbote sind nach Ansicht des Deutschen Ethikrats "nicht geeignet", um den Herausforderungen der digitalen Welt zu begegnen. Stattdessen sei ein ausgewogenes Schutzkonzept nötig, das die Risiken sämtlicher digitaler Angebote berücksichtigt, erklärte der Ethikrat am Donnerstag. In seiner Stellungnahme beschäftigen sich die Expertinnen und Experten unter anderem auch mit Smartphones an Schulen und der Rolle der Eltern.

Textgröße ändern: