Pallade Veneta - Niedrigwasser gefährdet laut Ökonomen deutsches Wirtschaftswachstum

Niedrigwasser gefährdet laut Ökonomen deutsches Wirtschaftswachstum


Niedrigwasser gefährdet laut Ökonomen deutsches Wirtschaftswachstum
Niedrigwasser gefährdet laut Ökonomen deutsches Wirtschaftswachstum / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Das Niedrigwasser in deutschen Flüssen könnte nach Einschätzung von Ökonomen das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr zunichte machen. Nach Angaben des Bundeskartellamtes trägt das derzeitige Niedrigwasser des Rheins zudem zu einem "Nord-Süd-Gefälle" beim Spritpreis bei. Aufgrund anhaltender Hitze und Trockenheit erreichte das Niedrigwasser am Dienstag teils neue Tiefststände.

Textgröße ändern:

Am Pegel Kaub wurden Dienstagfrüh nur noch 24 Zentimeter gemessen, womit der bisher niedrigste bekannte Wasserstand im Jahr 2018 noch um einen Zentimeter unterschritten wurde, wie aus den von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes veröffentlichten Pegelwerten hervorging. Auch in Köln und Duisburg lagen die Rheinpegel am Dienstagmorgen unter den bisherigen Tiefstmarken. In Düsseldorf erreichte der Pegel das Niveau des bisherigen Tiefstpunktes von 2018.

Den Vorhersagen zufolge könnten die Pegel am Rhein in den kommenden Tagen noch weiter sinken. Auch in anderen Flüssen wie der Donau gibt es Niedrigwasser. Ein Problem ist dies vor allem für die Binnenschifffahrt, da die Schiffe derzeit deutlich weniger Ladung transportieren können. Die niedrigen Pegelstände erhöhen somit die Transportkosten für die Wirtschaft und belasten vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind.

Auswirkungen hat dies auf die Konjunktur: Ein "längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken", sagte IW-Ökonom Thilo Schaefer der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Demnach könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wegen des Niedrigwassers um 0,4 Punkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.

ING-Analyst Carsten Brzeski erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr wegen des Niedrigwassers um 0,3 Punkte niedriger ausfallen könnte. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen; in ihrer Frühjahrsprojektion hatte die Bundesregierung für das Gesamtjahr ein BIP-Wachstum um 0,5 Prozent prognostiziert.

Laut Bundeskartellamt führt das Niedrigwasser des Rheins zu deutlichen regionalen Unterschieden beim Spritpreis. Demnach betrugen die regionalen Preisdifferenzen an den Tankstellen im Juli bei E5 im Schnitt bis zu elf Cent pro Liter und bei Diesel bis zu zehn Cent. Dieses "Nord-Süd-Gefälle" dürfe "insbesondere aus unterschiedlichen Kraftstoff-Beschaffungskosten resultieren", erklärte die Behörde.

Im Juli hätten die Beschaffungskosten im Süden und Südwesten im Schnitt niedriger als in vielen anderen Teilen Deutschlands gelegen, insbesondere bei E5. Dementsprechend waren in vielen Orten im Süden auch die Spritpreise im Monatsmittel im Juli günstiger. Deutlich mehr mussten Autofahrer den Angaben nach zufolge im Norden bezahlen, etwa in Schleswig-Holstein, aber auch in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen und in Nordrhein-Westfalen.

Ab Mitte Juli seien die Beschaffungskosten vor allem im Westen beziehungsweise der Kölner Bucht stark angestiegen, erklärte das Kartellamt weiter. Der Transport sei an mehreren Stellen deutlich eingeschränkt. Rohöl wird demnach zwar meist über Pipelines zu den Raffinerien transportiert. Vorprodukte wie Gasöl, Naphta und andere aber beziehen die Raffinerien aber häufig per Binnenschiff.

Die Grünen im Bundestag forderten angesichts der teils extremen Hitze in diesem Sommer und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft eine Krisenkoordinierung im Kanzleramt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) "müsste eine Krise diesen Ausmaßes zur Chefsache machen", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge der Nachrichtenagentur AFP. Es sei "fahrlässig", dass Merz die Hitze und die Folgen der Klimakrise "komplett ignoriert". Angesichts der niedrigen Wasserpegelstände des Rheins hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für Donnerstag eine Fachkonferenz in Bonn einberufen.

F.Abruzzese--PV

Empfohlen

Argentinien bietet Ausländern im Gegenzug für Investitionen Staatsbürgerschaft an

Argentinien will ab Ende des Jahres Ausländern, die mindestens 350.000 Dollar (rund 311.000 Euro) in dem Land investieren, die argentinische Staatsbürgerschaft anbieten. Das Programm zum Erwerb der Staatsbürgerschaft im Gegenzug für eine "Investition" sieht "zwei einfache und transparente Mechanismen" vor, wie die Regierung des ultrarechten Präsidenten Javier Milei am Samstag mitteilte.

Medien: Trump will Geheimdienstchef Clayton zum KI-Berater ernennen

US-Präsident Donald Trump will Geheimdienstdirektor Jay Clayton offenbar zu seinem neuen Beauftragten für Künstliche Intelligenz (KI) ernennen. Die Sender CNN, CBS News und andere Medien berichteten am Freitag, Trump werde den 60-Jährigen voraussichtlich in Kürze nominieren.

Studie offenbart Gewinne des niederländischen Königshauses durch Kolonialismus

Der niederländische König Willem-Alexander hat sich am Freitag zutiefst beeindruckt von den Ergebnissen einer Studie über die Profite des Königshauses aus Kolonialismus und Sklaverei gezeigt. Die vom König 2022 in Auftrag gegebene Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass das Königshaus den Kolonialismus über Jahrhunderte als rechtmäßige Quelle der Bereicherung für das Land betrachtete.

Macron: G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl frei

Die G7-Länder haben sich auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl geeinigt. Dies solle in den kommenden vier Monaten geschehen, erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron anlässlich einer Videokonferenz der G7-Vertreter zur Energiekrise am Freitag. US-Präsident Donald Trump hatte die europäischen Partner zur Freigabe von Reserven gedrängt, um die Verbraucherpreise zu senken.

Textgröße ändern: