Pallade Veneta - Drohnen-Vorfall in Leipzig: Dobrindt sieht "neues Bedrohungsszenario"

Drohnen-Vorfall in Leipzig: Dobrindt sieht "neues Bedrohungsszenario"


Drohnen-Vorfall in Leipzig: Dobrindt sieht "neues Bedrohungsszenario"
Drohnen-Vorfall in Leipzig: Dobrindt sieht "neues Bedrohungsszenario" / Foto: John MACDOUGALL - AFP

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht von einem "neuen Bedrohungsszenario": Der Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen stellt die Sicherheitsbehörden in Deutschland vor eine Bewährungsprobe. Es sei seine Einschätzung, "dass wir es hier mit einem hybriden Anschlagsszenario zu tun haben", sagte Dobrindt am Mittwochabend am Flughafen Leipzig/Halle. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden übernahm gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Sachsen die Ermittlungen.

Textgröße ändern:

Die Drohne mit der Sprengladung wurde nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamts (LKA) in der Nacht zum Mittwoch von einem Flughafenmitarbeiter im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs nahe der südlichen Start- und Landebahn entdeckt. Laut "Bild"-Zeitung befanden sich in der Nähe vier ukrainischen Flugzeuge. Der Airport gilt als Umschlagplatz auch für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland.

Laut LKA wurde die Drohne mit einem Sprengstoffroboter untersucht und festgestellt, dass sie mit einer "unbekannten Sprengvorrichtung" versehen war. Der Zünder wurde anschließend von einer auf die Entschärfung von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen spezialisierten Einheit der Bundespolizei entfernt.

Der Flugverkehr wurde nach dem Fund zwischenzeitlich eingestellt, mehrere Maschinen wurden umgeleitet. Eines der Flugzeuge, das wegen der Sperrung durchstarten musste und Richtung Flughafen Hannover flog, stieß nahe Leipzig mit einem weiteren Flugobjekt zusammen. Nach der Landung in Hannover sei eine leichte Beschädigung an der Maschine festgestellt worden. Laut "Bild" handelte es sich um ein DHL-Frachtflugzeug. Nach Angaben des sächsischen Innenministers Armin Schuster (CDU) wird nach diesem zweiten Flugobjekt gesucht.

Dobrindt sprach von einer "neuen Gefahrenqualität" und einem professionellen Vorgehen. Dass eine Drohne "bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario". Es sei von "einer hohen Bedrohungslage" auszugehen.

Diese Bedrohungslage werde "nicht von Amateuren durchgeführt", sondern sei "sehr professionell vorbereitet" und setze "ein hohes Maß an Technikerfahrung" voraus, sagte Dobrindt. Auch die Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff müsse vorhanden sein. "Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen, hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen."

Mit dieser Art von Bedrohung setzen sich nun auch das gemeinsame Abwehrzentrum Hybrid und das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern auseinander. Es sei "überhaupt nicht auszuschließen, dass es auch zukünftig ähnliche Versuche von hybriden Aktionen, von hybriden Anschlägen geben kann", betonte Dobrindt. "Trotzdem werden wir das Netz unserer Sicherungsmaßnahmen immer weiter schließen." Dazu gehöre "die aktive Drohnenabwehr, die immer mit neuer und zusätzlicher Technik ausgestattet wird, auch an den Flughäfen, auch an anderen Orten".

Der sächsische Generalstaatsanwalt Wolfgang Schwürzer sagte, Gegenstand der Ermittlungen sei nun insbesondere die Identifizierung der Täter, die Aufklärung des Tatablaufs, die Herkunft der Drohne und der Sprengvorrichtung, sowie die Frage, ob weitere Personen beteiligt waren. "Sämtliche denkbaren strafrechtlichen Hintergründe einschließlich eines extremistischen oder terroristischen Motivs werden in alle Richtungen geprüft."

Ohne einen möglichen Urheber für die Sprengstoff-Drohne zu nennen, sprach Dobrindt von einem "Wettbewerb", der "möglicherweise auch fremde Mächte" mit einschließe. Fragen zur Drohne, ihrer Herkunft und den Hintermännern sei "jetzt Teil der Aufklärung und soll bitte auch dieser Aufklärung überlassen werden".

Sicherheitsexperten vermuten Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. Der Fund passe "ins Schema der russischen hybriden Angriffe gegen Deutschland", sagte Nico Lange, der Direktor des Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit, dem Fernsehsender Phoenix.

Der sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem "kapitalen Vorfall", nach dem die Gefahrenlage "nicht mehr abstrakt" sondern "hoch" sei. "Die Tatsache, dass erstmals in Deutschland eine Drohne mit Sprengstoff bestückt wurde, jedenfalls meiner Erinnerung nach, spricht glaube ich Bände, von welchem Szenario wir sprechen müssen."

S.Urciuoli--PV

Empfohlen

Niedrigwasser: Bilger erwägt Aufhebung von Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw

Wegen des Niedrigwassers in deutschen Flüssen hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) als Notfallmaßnahme eine vorübergehende Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lastwagen ins Spiel gebracht. "Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass wir Sonn- und Feiertagsfahrverbote für Lkw aufheben, wenn es nötig sein sollte", sagte Bilger am Donnerstag dem Fernsehsender Phoenix. Am frühen Nachmittag begann in Bonn ein Spitzengespräch zum Niedrigwasser.

Passagierverkehr an deutschen Flughäfen im ersten Halbjahr gesunken

Auf Deutschlands Flughäfen sind im ersten Halbjahr weniger Menschen angekommen und abgeflogen. 97,7 Millionen Passagiere nutzten die Flughäfen und damit 0,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Donnerstag mit. Zugleich sei das Sitzplatzangebot für Flüge ab Deutschland um ein Prozent gesunken, das entspreche 85 Prozent des Niveaus vor der Coronapandemie.

Übernahmekampf: Commerzbank geht mit Rekordergebnis in Gespräche mit der Unicredit

Mit einem Rekordergebnis im Rücken verhandelt die Commerzbank mit der italienischen Großbank Unicredit über die geplante Übernahme. Dazu "haben wir Gespräche aufgenommen", sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Donnerstag bei Vorlage der Halbjahresbilanz. Sie will am bisherigen Geschäftsmodell der Bank festhalten - der Plan von Unicredit für die Commerzbank berge "erhebliche Umsetzungsrisiken", warnte sie.

Nach Drohnen-Vorfall an Leipziger Flughafen: Suche nach weiterem Objekt dauert an

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle werden die Ermittlungen fortgeführt. Die Maßnahmen im Zusammenhang mit einem zweiten verdächtigen Objekt dauerten am Donnerstag an, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden sagte. Auch eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) betonte, die Spurensuche auf dem Flughafengelände sei am Donnerstag fortgesetzt worden.

Textgröße ändern: