Pallade Veneta - Bauernverband erwartet Ernteeinbußen - regional Totalausfälle befürchtet

Bauernverband erwartet Ernteeinbußen - regional Totalausfälle befürchtet


Bauernverband erwartet Ernteeinbußen - regional Totalausfälle befürchtet
Bauernverband erwartet Ernteeinbußen - regional Totalausfälle befürchtet / Foto: Ina FASSBENDER - AFP

Deutschlands Landwirte rechnen wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit mit Ernteeinbußen - im Süden könne es bei einigen Kulturen auch "bis zum totalen Ertragsausfall gehen", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Gleichzeitig seien die Erzeugerpreise niedrig und die Kosten für Energie und Diesel hoch. "Das halten die Landwirte nicht mehr lange durch." Rukwied forderte Unterstützung, darunter eine Senkung der Steuer auf Agrardiesel "bis mindestens Ende November".

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Rukwied sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitagsausgaben), sein Verband gehe von einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide, "hier insbesondere beim Weizen, und bei Raps aus". Auch für die Herbstkulturen zeichne sich in der Tendenz ab, "dass wir auch hier mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen müssen". Dies gelte beispielsweise für Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben, aber auch für Körnermais und Sojabohnen.

"In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen", fügte Rukwied hinzu. Etwas besser ist demnach die Lage im Norden, wo es in den vergangenen Wochen immer mal wieder wenigstens etwas geregnet hat. Dort sähen die Bestände noch akzeptabel aus. In der Tendenz werde es aber auch im Norden "unterdurchschnittliche Ernten" geben. Ein weiteres Problem der anhaltenden Trockenheit, vor allem in Süddeutschland, "ist, dass kein Futter mehr nachwächst."

Der Bauernpräsident sieht die Lage in der Landwirtschaft insgesamt düster. "Die Belastungen sind immens. Ich kenne Kollegen, die ihre Pflanzenschutz- und Düngemittelrechnungen nicht mehr bezahlen können und zur Bank gehen müssen", sagte er. "Manche greifen auf die Ersparnisse ihrer Frau oder ihre Lebensversicherung zurück."

Rukwied forderte im Sender Phoenix Unterstützung der Politik. Er nannte eine Erhöhung der EU-Düngemittelbeihilfe von 60 Millionen Euro für Deutschland auf 180 Millionen Euro sowie das Vorziehen der Auszahlung von 80 Prozent der EU-Direkthilfen an die Bauern auf Oktober. "Dritte Sofortmaßnahme wäre, die Steuern auf Diesel deutlich zu senken bis mindestens Ende November. Das würde den Bauern kurzfristig helfen und Entlastung bringen."

Nachdrücklich forderte der Bauernpräsident die Umsetzung des Koalitionsvertrages von Schwarz-Rot im Agrarbereich ein. "Was politisch wichtig ist, ist, dass man eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage einführt." So könne für schwierige Jahre ein finanzielles Polster geschaffen werden. Dem ZDF sagte Rukwied am Donnerstagabend, die Bauern bräuchten auch eine Ausnahme beim Mindestlohn.

Auf das kommende Jahr blickt Rukwied pessimistisch: Weil in vielen Betrieben die finanziellen Mittel fehlten, werde aktuell zu wenig Dünger eingekauft, der zudem deutlich teurer geworden sei, sagte er Phoenix. "Das wird dann am Ende weiter sinkende Ernten im nächsten Jahr zur Folge haben." Auch beim Tierfutter gebe es durch die unterdurchschnittliche Ernte Defizite. "Im schlechtesten Fall heißt das, dass die Landwirte den Tierbestand abstocken müssen."

Dem ZDF sagte Rukwied: "Wir Landwirte sehen schon länger, dass das Klima sich verändert, dass es wärmer wird und dass die Extremwetterperioden zunehmen. Deshalb stellen wir uns schon seit 15 bis 20 Jahren auf diese Veränderung ein." Die Landwirte machten schon vieles - Rukwied nannte wasserschonende Anbauverfahren und "resilientere, also widerstandsfähigere Sorten, was Hitze, was Trockenheit anbelangt". Wenn es aber "halt so extrem ist wie in diesem Jahr, dann sind wir ein Stück weit hilflos".

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hatte am Donnerstag die Einbußen bei der Getreideernte auf rund drei Millionen Tonnen geschätzt, die daraus resultierenden Einnahmeverluste für die Landwirte auf mehr als 600 Millionen Euro. DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler erklärte, "unterm Strich ist es eine noch ausreichende, wenngleich auch unterdurchschnittliche Ernte". Die Versorgung sei nicht in Gefahr. Es seien auch keine steigenden Verbraucherpreise für Brot, Brötchen und andere Backwaren zu erwarten, denn der Anteil der Kosten für Getreide am Endpreis für Backwaren sei sehr gering.

R.Zarlengo--PV

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