Pallade Veneta - Höhere Kraftstoffpreise führen zu Forderungen nach Marktaufsicht und Entlastungen

Höhere Kraftstoffpreise führen zu Forderungen nach Marktaufsicht und Entlastungen


Höhere Kraftstoffpreise führen zu Forderungen nach Marktaufsicht und Entlastungen
Höhere Kraftstoffpreise führen zu Forderungen nach Marktaufsicht und Entlastungen

Benzin und Diesel haben sich in Deutschland weiter verteuert. Während Vertreter von Tankstellen und Politik Eingriffe in den Markt fordern, bewertet der ADAC die Aussicht auf flächendeckende Drei-Euro-Preise zurückhaltend.

Textgröße ändern:

Die gestiegenen Kraftstoffpreise haben eine Debatte über Wettbewerbskontrollen und Hilfen für Verbraucher ausgelöst. Nach einer Auswertung des SWR kostete ein Liter Super E10 zu Wochenbeginn im Durchschnitt 2,25 Euro. Das waren elf Cent mehr als Ende August. Diesel lag bei 2,38 Euro je Liter und damit 20 Cent über dem Stand von vor zwei Wochen. Die Analyse erfasst die Kraftstoffpreise von rund 15.000 deutschen Tankstellen; die ARD berichtete am Montag über die Ergebnisse.

Die Verteuerung steht im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten. Am Wochenende erreichten die Preise nach dem Bericht ein neues Allzeithoch. Auch Heizöl wurde deutlich teurer. Damit betrifft die Entwicklung neben Autofahrern auch Haushalte, die ihre Wohnungen mit Öl beheizen.

Herbert Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbands TIV, hält weitere Steigerungen für möglich. In der Montagsausgabe der Rheinischen Post erklärte er, Verbraucher müssten sich mit Kraftstoffpreisen um drei Euro auseinandersetzen. An Autobahnen würden solche Preise bereits verlangt. Rabl kritisierte zugleich die Mineralölkonzerne und sagte, auch die Betreiber der Tankstellen litten unter dem hohen Preisniveau.

Als Belastungen für die Versorgung nannte er die Blockade der Straße von Hormus und den Konflikt mit den Ansarollah um die Meerenge Bab al-Mandab. Allerdings sei der Anteil des in Deutschland verbrauchten Öls aus der Golfregion vergleichsweise gering. Rabl vertrat die Auffassung, dass Konzerne höhere Einnahmen in Europa anstrebten, während die Kraftstoffpreise in den USA niedrig gehalten würden. Diese Bewertung stammt vom Verbandsvertreter.

Der ADAC schätzte die Lage am Montag anders ein. Ein Sprecher erklärte, Deutschland sei beispielsweise bei Diesel noch weit von einem Preis von drei Euro je Liter entfernt. Damit dieses Niveau erreicht werde, müssten die weltweiten Ölpreise erneut deutlich steigen. Der Verkehrsverband schloss neue Spitzenwerte jedoch nicht grundsätzlich aus. Eine weitere Verschärfung der geopolitischen Lage könne zusätzliche Preisanstiege auslösen.

Aus dem CDU-nahen Wirtschaftsrat kam die Forderung, das Bundeskartellamt solle den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt überprüfen. Generalsekretär Wolfgang Steiger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, derzeit bestehe in Deutschland keine Knappheit bei Benzin und Diesel. In der SPD wurden am Wochenende Forderungen nach einer Preisobergrenze für Kraftstoffe erhoben.

Janine Wissler, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, verlangte die Abschöpfung krisenbedingter zusätzlicher Gewinne der Ölkonzerne durch eine Übergewinnsteuer. Sie berief sich dabei auf Berechnungen von Greenpeace. Danach hätten Energiekonzerne seit Beginn des US-Kriegs gegen den Iran rund vier Milliarden Euro an Übergewinnen erzielt.

Wissler sprach sich außerdem für ein Energiekrisengeld und ein neues Neun-Euro-Ticket aus. Mit solchen Maßnahmen sollen Haushalte entlastet und Alternativen zur Nutzung des Autos geschaffen werden. Besonders wenig Ausweichmöglichkeiten haben Pendler ohne geeignete öffentliche Verkehrsverbindungen, Menschen mit geringen Einkommen und Haushalte in ländlichen Regionen. Die höheren Energiepreise betreffen darüber hinaus Transport und Produktion und können sich damit auch auf die Preise anderer Waren auswirken.

R.Lagomarsino--PV

Empfohlen

Auch im September nur etwa jeder zweite Fernzug der DB pünktlich

Auch im September hat fast jeder zweite Fernverkehrszug der Deutschen Bahn (DB) Verspätung gehabt. Die Pünktlichkeitsquote verschlechterte sich nach vorläufigen Daten von 54,2 Prozent im August auf 52,4 Prozent im vergangenen Monat, wie die Bahn am Freitag mitteilte. "Das hohe Baupensum in Verkehrsknoten und auf Hauptrouten sowie eine weiter hohe Zahl von Anlagenstörungen belasten die Pünktlichkeit, insbesondere im langlaufenden Fernverkehr."

Kaufhauskette Galeria: Vierte Insolvenz binnen sechs Jahren

Die Kaufhauskette Galeria hat zum vierten Mal binnen sechs Jahren Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Insolvenz sei am Freitagvormittag beim Amtsgericht Düsseldorf eingegangen, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte die "völlige Ungewissheit für die 12.000 Kolleginnen und Kollegen" in den 83 verbliebenen Filialen.

Freigabe strategischer Ölreserven: EU "bereit für gemeinsames Handeln"

Vor dem Hintergrund steigender Treibstoffpreise und Druck aus den USA hat Brüssel seine grundsätzliche Bereitschaft für eine Freigabe der strategischen Ölreserven erklärt. "Die Europäische Union ist bereit für gemeinsames Handeln im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA)", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag. Mit Blick auf eine mögliche Videokonferenz der G7-Staaten am Nachmittag fügte sie hinzu: "Wir werden nun die nächsten Schritte abwarten."

Flexiblere Schlichtungsverfahren: Fluggäste sollen schneller entschädigt werden

Mit einer Neuregelung bei Schlichtungsverfahren will Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) dafür sorgen, dass Fluggäste für eine verspätete oder stornierte Verbindung schneller entschädigt werden können. Ein am Freitag auf den Weg gebrachter Verordnungsentwurf hat ein flexibleres Schlichtungsverfahren zum Ziel.

Textgröße ändern: