Pallade Veneta - Volkswagen kündigt zahlreiche Tarifverträge - Gewerkschaft protestiert

Volkswagen kündigt zahlreiche Tarifverträge - Gewerkschaft protestiert


Volkswagen kündigt zahlreiche Tarifverträge - Gewerkschaft protestiert
Volkswagen kündigt zahlreiche Tarifverträge - Gewerkschaft protestiert / Foto: Ronny HARTMANN - AFP

Der kriselnde Autobauer Volkswagen hat zahlreiche Tarifverträge zum Jahresende gekündigt - und damit einen Sturm der Entrüstung auf Gewerkschafts- und Betriebsratsseite ausgelöst. "Mit Blick auf den aktuellen Kostendruck" müssten aus Sicht des Unternehmens verschiedene Regelungen in den Verträgen angepasst werden, erklärte Volkswagen am Mittwoch zur Begründung. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall handelt es sich um zehn Tarifverträge, darunter der Manteltarifvertrag - nicht betroffen ist hingegen der Zukunftstarifvertrag mit der darin enthaltenen Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

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Bei der IG Metall stieß die "reihenweise" Kündigung der Tarifverträge, die demnach "praktisch die gesamte VW-Haustarifpalette" umfasst, dennoch auf scharfen Protest. Die Gewerkschaft warf VW vor, damit etwa tarifliche Zulagen, Ausbildungsübernahmen sowie Schutzregelungen für ältere und gesundheitlich eingeschränkte Beschäftigte infrage zu stellen. Besonders problematisch sei der drohende Eingriff in den Manteltarifvertrag, erklärte die Gewerkschaft. Dort seien Arbeitszeiten gleichermaßen geregelt wie die tarifliche Urlaubszeit von 30 Tagen, aber auch Schutzrechte.

Der Verhandlungsführer der IG Metall, Thorsten Gröger, sprach von einem "üblen Foul" an der Belegschaft und von einem "schamlosen Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen". Volkswagen versuche, "die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten". Die Gewerkschaft werde es "nicht hinnehmen", dass "unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden" sollten.

Volkswagen wiederum erklärte, mit der Kündigung der Tarifverträge öffne das Unternehmen den Verhandlungsraum. Der Autobauer und die Gewerkschaft vereinbarten nach VW-Angaben, sich zu weiteren Gesprächen in der zweiten Oktoberhälfte zu treffen.

Vertreterinnen und Vertreter von IG Metall, Betriebsrat und VW-Management hatten sich am Mittwoch in Hannover zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch getroffen. Nachdem der Konzernvorstand seinen verschärften Sparkurs vorgestellt hatte, beriefen sich die Arbeitnehmervertreter Mitte September auf eine Klausel des Tarifvertrags von 2024 und erzwangen so das Gespräch.

Volkswagen steckt wie andere deutsche Autobauer derzeit in einer tiefen Krise. Der Konzern hob am Mittwoch hervor, dass "geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren und zunehmender Wettbewerb, insbesondere aus China", die gesamte Branche belasteten. Dadurch sei auch die wirtschaftliche Lage von Volkswagen in den vergangenen Jahren "deutlich verschärft" worden.

"Enorm" gestiegen sei infolgedessen auch der Preis- und Wettbewerbsdruck, erläuterte Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen und Mitglied der erweiterten Konzernleitung. Die Maßnahmen aus dem sogenannten Zukunftsplan 2030 des Autobauers müssten daher "schnell und konsequent umgesetzt werden, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern", erklärte er. "Ich denke, jeder spürt angesichts der Nachrichten aus der gesamten Automobilindustrie, dass wir jetzt handeln müssen."

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hatte Anfang September mit dem Zukunftsplan beschlossen, in den kommenden Jahren weltweit weitere 50.000 Stellen zu streichen - zusätzlich zu dem bereits vereinbarten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen. Zudem stehen vier Werke in Deutschland ab 2031 bis 2034 auf der Kippe: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.

Die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo kritisierte die Kündigung der Tarifverträge am Mittwoch scharf: "Der Vorstand glaubt offenbar, uns erpressen zu können: Einfach Werke mit dem Aus bedrohen und dann zusätzlich im nächsten Schritt die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen wollen." Diese Rechnung werde aber nicht aufgehen, fügte sie hinzu. In der Tarifrunde müssten die Beschäftigten den Vorstand spüren lassen, "dass er auf der falschen Spur unterwegs ist". Sie rechne "mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel".

H.Lagomarsino--PV

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