Pallade Veneta - Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar

Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar


Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar
Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar / Foto: Tobias SCHWARZ - AFP

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat Zweifel an der Vereinbarkeit des sogenannten Netzpakets der Bundesregierung mit EU-Recht geäußert. Geplante Einschränkungen für den Anschluss neuer Energieanlagen ans Stromnetz seien eventuell nicht EU-rechtskonform, heißt es in einem von der Grünen-Fraktion beantragten Gutachten, dass der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Textgröße ändern:

Das Netzpaket soll den Zubau von Windanlagen und großen PV-Anlagen steuern, indem Netzgebiete mit Engpässen als "kapazitätslimitiert" ausgewiesen werden. Betreiber sollen einen Anschluss dort nur unter der Bedingung erhalten, dass sie bei netzbedingten Abregelungen (Redispatch), also dem Abschalten der Anlagen bei Stromüberschuss, teilweise auf Entschädigung verzichten.

Der Wissenschaftliche Dienst sieht diese Regelung, den sogenannten Redispatch-Vorbehalt, kritisch. Etwa soll ein Netzgebiet für bis zu sechs Jahre als "kapazitätslimitiert" ausgewiesen werden können, wenn im vergangenen Jahr das Redispatchvolumen - also wie häufig Anlagen wegen Engpässen abgeriegelt werden mussten - bei mehr als fünf Prozent lag. Laut EU-Recht müssten jedoch "konkret in der Gegenwart bestehende Engpässe" den Ausschlag geben.

Auch die gewählte Schwelle von fünf Prozent Engpässen im vergangenen Jahr sehen die Experten kritisch: Eine echte "fehlende nötige Kapazität" würde wohl erst deutlich oberhalb eines Redispatchvolumens von fünf Prozent vorliegen. Hinzu komme, dass Engpässe manchmal per "Kaskade" von vorgelagerten Übertragungsnetzbetreibern ausgingen. Zudem könnte die Ausweisung ganzer Gebiete im Licht des Unionsrechts zu ungenau sein, weil der Europäische Gerichtshof häufig Einzelfallprüfungen fordert.

Das Netzpaket wird derzeit im Bundestag beraten. Auch Verbände und Opposition kritisieren das Gesetz von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) scharf. Sie befürchten, dass es den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland ausbremst.

"Jetzt zeigt auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages: Der Redispatch-Vorbehalt steht rechtlich auf wackeligen Füßen", erklärte der Grünen-Abgeordnete Alaa Alhamwi. "Das Gutachten benennt genau die Problemfelder, auf welche die Branche seit Monaten hinweist." Absehbare Folge des Gesetz seien Rechtsstreitigkeiten zulasten der Planungssicherheit.

B.Fortunato--PV

Empfohlen

Streit ums Geld: EU-Staats- und Regierungschefs verhandeln über nächsten EU-Haushalt

Wie viel Geld wird es für europäische Landwirte geben? Wie viel investiert die EU in Verteidigung und in KI? Die EU-Staats- und Regierungschefs sind am Donnerstag in Brüssel zu zähen Verhandlungen über den nächsten, auf sieben Jahre angelegten Haushalt der Union zusammengekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich bei seiner Ankunft in Brüssel höchst skeptisch: "Wir brauchen Einstimmigkeit im Rat, und von dieser Einstimmigkeit sind wir weit entfernt", sagte er.

DIW-Auswertung: Nur zwei Drittel des Tankrabatts werden weitergegeben

Zwei Wochen nach Einführung des neuen Tankrabatts zeigt sich nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass lediglich 67 Prozent der Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben werden. Verglichen mit den Spritpreisen in Frankreich, wo es keinen Tankrabatt gibt, sanken die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland demnach im Schnitt um zehn bis elf Cent je Liter - die Steuersenkung durch den Tankrabatt beträgt allerdings rund 17 Cent.

EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug

Zu Haftstrafen verurteilte Schleuser dürfen nicht einfach ausgewiesen werden. Das ist keine wirksame, abschreckende Strafe, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag entschied. Ungarn verstieß demnach gegen seine Pflichten. (Az. C-521/25)

Schneller als die Inflation: Mieten in deutschen Städten ziehen wieder stärker an

Die Angebotsmieten in deutschen Städten sind zuletzt wieder stärker gestiegen. Wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mitteilte, legten sie im dritten Quartal im bundesweiten Schnitt um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Verglichen mit dem dritten Quartal 2025 betrug der Anstieg 3,7 Prozent.

Textgröße ändern: